Anna Ternheim Tour 2012, Kulturkirche in Köln

Anna Ternheim Tour 2012, Kulturkirche in Köln
DATUM» 11.02.2012
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Willkommen im Wohnzimmer von Anna Ternheim. Die schwedische Singer/Songwriterin hat es sich in der Kulturkirche gemütlich gemacht: Zwei Sessel, ein Tisch mit Kerzenleuchter, ein Bild mit goldenem Rahmen und eine Hunde-Attrappe trösten sie wohl über den hektischen Touralltag und die Anonymität in fremden Städten hinweg. Zudem ist das heimelige Bühnenbild ein passender Schauplatz für ihren zarten skandinavisch geprägten Folk. Den haucht sie dann auch gleich beim Opener „Solitary Move“ sehr gefühlvoll ins Mikrofon und begleitet sich dabei selbst auf einer Halb-Akustikgitarre. Es folgt „What Remains“, der sich ebenfalls wie der Opener auf dem 2011er Album „The Night Visitor“ befindet.

Der nächtliche bzw. abendliche Besucher lässt nicht lange auf sich warten, denn nach weiteren Songs betritt plötzlich Gastmusiker Dave Ferguson die Bühne. Die beiden haben eine gemeinsame Geschichte: Ferguson griff ihr nicht nur bei der Produktion ihres neuen Albums in Nashville/Tennessee unter die Arme, sondern sang mit ihr auch das Duett „The Longer The Waiting (The Sweeter The Kiss)“. Diesen Song vom neuen Album gibt das ungleiche Paar auch gleich zum Besten.

Denn auch wenn die raue Wein- und Zigaretten-geschwängerte Stimme des Amerikaners gesanglich mit dem zarten Organ der Schwedin bestens harmoniert, rein optisch gesehen könnte der Kontrast nicht größer ausfallen. Auf der einen Seite die blonde, zierliche Kindfrau aus Schweden und auf der anderen der kernige 50-jährige Countrybär, der mit skandinavisch geprägtem Folk bisher nichts am Hut hatte, sondern vielmehr als Sound Engineer auf den „American Recordings“ von Johnny Cash von sich reden machte. Aber wie so oft kennt Musik scheinbar auch hier keine Grenzen.

Ferguson, der im weiteren Verlauf des Abends ein Solo („Baby Is Gone“) sowie einige Backing-, Gitarren- und Kontrabass-Parts beisteuert, hat sich das anschließende Päuschen redlich verdient. Er macht’s sich auf dem Sessel im Wohnzimmer bequem, genehmigt sich ein Glas Rotwein und nimmt ein paar Züge von seiner Elektrozigarette. Begleitet von frenetischem Publikumsapplaus zwischen den Songs steht Ternheim nun wieder allein auf der Bühne und bedankt sich anschließend bei ihren Fans mit gleich zwei Zugaben.

Einziger Kritikpunkt des Abends: Ternheim hätte gut daran getan, den Gästen in ihrem Wohnzimmer einen Platz anzubieten. Stehplätze sind für derartige Konzerte nicht geeignet.