Ass Dur 2. Satz: Largo Maggiore, Casino in Trier

Ass Dur zweiter Satz: Largo Maggiore, Casino in Trier
DATUM» 05.02.2012
ARTIST»
VENUE»

Ass-Dur sind zwei Musikstudenten von der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ In Berlin. Ihre Namen: Dominik Wagner und Benedikt S. Zeitner. Als die beiden in Trier Station machten, war das Casino am Trierer Kornmarkt an zwei Abenden hintereinander ausverkauft. Vermutlich hatte die Mundpropaganda gewirkt, denn wer das Duo einmal live gesehen hat, wird für den zweiten Konzertbesuch nicht lange überlegen. Das erste Programm, mit dem die beiden im Vorjahr in Trier waren,  trug den Titel „1. Satz: Pesto“, das aktuelle zweite Programm lautet „2. Satz: Largo Maggiore“.

Was die Zuschauer hier geboten bekamen war eine Mischung aus klassischer und moderner Musik, Comedy und Kabarett. Gerade die gekonnte Verschmelzung dieser Stile ist es, die Ass-Dur ausmacht. Meist stand Benedikt am Mikrofon und Dominik saß am Piano, die Rollen sind aber durchaus austauschbar, denn beide spielen das Instrument seit sie 5 Jahre alt sind. Und auch wenn die spielerische Klasse am Instrument auf jeden Fall vorhanden ist, so waren es doch vor allem die Wortgefechte zwischen den Stücken, die Mimik der beiden, das gegenseitige Hochschaukeln, was das Publikum begeisterte. Benedikt gibt eher den ernsthaften, intellektuellen Typ, der einen lehrreichen Abend bieten will und oft in Form einer Vorlesung spricht. Dominik hingegen wirkt häufig zu Tode gelangweilt und haut dann zwischendurch einen Kalauer nach dem anderen raus. Dass sich aus dieser Konstellation ein den Programm überdauernder Konflikt zwischen „genervt“ und „gelassen“ ergibt, versteht sich von selbst.

Die Kalauer kamen gerne mal aus der untersten Schublade: Es wurde über Saarländer gelästert („Wer aus dem Saarland kommt, der findet’s überall schön“), über Binden und den Eiermann. Der Zehnjährige in der ersten Reihe bekam seine erste Lektion, was häufig gestellte Fragen (FAQ) angeht, und durfte mit dem Tipp nach Hause gehen: Wenn du die Antwort nicht weißt, dann gib die Frage einfach zurück – auf Englisch: „Fuck you“. Witze, die momentan in jeder Kappensitzung Standardprogramm sind. Doch hier wurden sie auf hohem Niveau verabreicht. Dominik Wagner haute den Scherz lakonisch raus und schob – wenn es nicht funktioniert hatte – ein achselzuckendes „Ich fand’s lustig“ hinterher, bevor er sich wieder seiner musikalischen Aktivität zuwandte oder zum wiederholten Male das vor dem Kopf hängende Mikrofon mit der Nase zurechtrückte.

Und zumindest im ersten Programmteil stand die Musik noch weit im Vordergrund. Benedikt sang zur Eröffnung den Gospel „Shout Glory“. Dann interpretierte er zwei Songs von Michael Jackson in phonetisch adäquater deutscher Übersetzung. Aus „Man In The Mirror“ wurde „Mähn wie ein Irrrer“ und „Billie Jean“ wurde als Song zum Thema Ikea „Billie schien (das beste Regal)“ verhackstückelt. Dann widmete sich Dominik bekannten Stadionhits und suchte ihre Ursprünge bei klassischen Komponisten. So fand er „Ole, ole, ole“ in Mozarts kleiner Nachtmusik, „Ihr könnt nach Hause fahrn“ in Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ und schließlich gab es ein musikalisches Stelldichein zwischen Beethoven und den White Stripes. Auch Franz Schubert musste posthum ertragen, dass sein lyrischer „Leiermann“ aus der „Winterreise“ sich am Karnevalsklassiker „Der Eiermann“ messen durfte.

Im zweiten Teil gab es noch mehr Interaktion zwischen den Protagonisten und dem Publikum. Beide lösten im Wechsel einen Zauberwürfel, während parallel Billie Joels „Root Beer Rag“ am Piano erklang. Ein echtes Paradestück, bei dem der ganze Saal mit fieberte. Dann wurde das Erfolgsrezept aus dem ersten Programm „Pesto“ in zwei Punkten fortgeführt: Auch bei „Largo Maggiore“ gab es einen musikalischen Fachvortrag zum Thema E- und U-Musik, veranschaulicht am Lied „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“. Dieses wurde nun sehr ausführlich und mit stilistisch perfekt ausgebauten Textpassagen als Schlager interpretiert, dann trat das Duo als „Hass-Dur“ auf und machte aus dem Butzemann einen Rammstein-Hit, und schließlich gaben die Rapper „Krass-Dur“ das alte Kinderlied in Hip-Hop-Manier. Ein tobendes Publikum war der Dank, denn die Darstellung der Musikstile gelang absolut perfekt.

Zum Finale das Sahnestück jeder Ass-Dur-Show: Benedikt und Dominik (noch in Hip-Hop-Klamotten auf der Bühne) lieferten am Piano ein Potpourri aller Melodien des Abends und zogen sich dabei komplett um, ohne den Musikvortrag abzubrechen. So spielte schon mal Dominik am Boden liegend von unten das Klavierstück weiter, während ihm die Hose ausgezogen wurde oder man lag quer aufeinander, um sich gegenseitig das Hemd zuzuknöpfen. Auf jeden Fall gelang das Kunststück und beide standen zum Abschlussapplaus wieder in Jeans und Sakko auf der Bühne. Genial!

In ihrer Bühnenzeit gewannen Ass-Dur bereits den europäischen Kleinkunstpreis, den Bielefelder Kabarettpreis, den Klagenfurter Kleinkunstpreis, den Hallertauer Kleinkunstpreis, den silbernen Rostocker Koggenzieher, die Hochstift-Kultur-Schieneden sowie den Publikumspreis beim Hamburger Comedy Pokal, beim „Stuttgarter Besen“ und beim Südwestdeutschen Kleinkunstpreis „Tuttlinger Krähe“. Hoffentlich kommen sie auch bald wieder nach Trier. Leider wohl nicht ins Casino am Kornmarkt, denn das wird in Kürze schließen. Vorher gibt es aber noch zwei Highlights: Justin Sullivan am 9. Februar und Lyambiko am 14. März.