Callejon vor Rekordkulisse im E-Werk, Köln

Fotos von Callejon am 23.2.2013 im E-Werk, Köln
DATUM» 23.02.2013
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Köln an einem kalten Novemberabend. Die Metalcoreband „Callejon“ spielt ihr letztes Konzert der überaus erfolgreichen „Blitzkreuz“ Tour in Köln. Es soll das große Finale werden. Die Stimmung ist großartig. Kurz vor dem Ende des regulären Sets soll „Schrei nach Liebe“ als Cover gespielt werden. Sänger Sebastian „BastiBasti“ Sobtzick heizt der Menge mit „Nazis raus! Nazis raus!“ – Rufen ein. Diese kommen ihm doppelt und dreifach wieder entgegen. Die Band will gerade mit dem Song starten, als es passiert. Eine 5m x 2m große Zwischendecke der Halle stürzt ohne fremde Einwirkung auf die Besucher. Panik bricht zum Glück nicht aus, jedoch muss die Halle evakuiert und das Konzert abgebrochen werden. Elf Personen wurden bei diesem Unfall leicht verletzt.

„Wir sind so froh, dass da nichts passiert ist.“, hört man Frontmann „BastiBasti“ drei Monate später bei ihrem Nachholkonzert im Kölner E-Werk erleichtert sagen. Die Wirkung dieses Unfalls hat deutliche Spuren bei ihm hinterlassen. Das ist ihm, trotz der vergangen Zeit, immer noch anzumerken. Vorbands für das heutige Nachholkonzert sind „A Tail of Amity“ und „WassBass“, u.a. mit Nico von K.I.Z. Letztere beginnen bereits vor einer gut gefüllten Halle gegen 20.00 Uhr. Trotz dieser Umstände muss man leider sagen, dass die selbsternannten „Germans From The Future“ mit ihrem Mix aus Techno und Industrial, ein wenig deplaziert sind. Das bestätigt auch das Publikum mit einer eher dürftigen Resonanz. Mehr als vereinzelte Hände und nickende Köpfe sind in den 30 Minuten nicht zu sehen. „A Tail of Amity“ stehen ihnen in dem nicht wirklich viel nach. Der Sound passt deutlich besser zum großen Headliner des Abends („Callejon! Callejon!“ – Sprechchöre sind immer wieder während des Konzerts zu hören), doch mehr als einen Anstandsapplaus, ist auch hier nicht drin. Der Typ neben mir rundet es mit einem gelungenen und differenzierten Fazit ab: „Joar, ganz okay. Immerhin besser als die einen da vorher.“ So kann man es auch formulieren. Die Stimmung steigt, das Blitzkreuz ragt über der Bühne und ist bereit endlich hell aufzuleuchten. Und siehe da! Im E-Werk wird es dunkel, die Glocke schlägt: „Blitzkreuz!“. Unter dem Aufleuchten dieses alternativen Kreuzes, betritt die Band unter Gebrülle und Geklatsche die Bühne, um das E-Werk in die Live Music Hall von vor drei Monaten zu verwandeln. Nur bitte dieses Mal ohne Deckeneinsturz.

Sänger Basti Sobtzik, in absoluter Topform, posiert, brüllt Track um Track dem Publikum entgegen, das auch wirklich jeden Song begeistert aufnimmt. Kein Fuß steht still, sei es als Zombies bei „Zombiefied“ oder bei riesigen Wall of Death zu „Snake Mountain“. Prominente Unterstützung kommt auch heute nicht zu kurz. Maxim sowie ein sichtlich betrunkener Nico von K.I.Z. geben sich bei gleich mehreren Songs die Ehre, u.a. beim Tic Tac Toe Cover „Ich find dich scheiße“. Gutes Stichwort als Überleitung: „Man spricht Deutsch“, Callejons Trash-Coveralbum par excellence kommt an diesem Abend auch nicht zu kurz. Gerade weil viele Songs aus komplett anderen Sparten kommen, ist es interessant zu sehen, wie Metal-Fans auf diese reagieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Vor allem bei „Schwule Mädchen“ und „Schrei nach Liebe“ sieht man riesige Wellen von springenden Leuten, gepaart mit ein paar Pits in den vorderen Reihen. Lediglich „Alles Neu“ von Peter Fox geht ein wenig unter. Höhepunkt des Abends bildet klar „Kind im Nebel“, Basti Sobzicks selbsternanntes Lieblingslied. Die Fans zollen ihm Tribut für diesen großen Song und so geht die gesamte Halle für die erste Strophe in die Knie.

Die anschließende Zugabe wird eröffnet von zwei riesigen Scheinwerfern, die aus einem Helm die dunkle Halle erstrahlen lassen. Alle wissen was jetzt folgen wird und singen im Takt: „VI! DE! O! DROM!“ Ein Ohrenschmaus der besonderen Sorte. Mit „Porn From Span #2″ verabschieden sich Callejon von ihrem bis dato größten Konzert ihrer Karriere. Dieser Rekord wird sicherlich nur von kurzer Dauer sein. Callejon haben den Metalcore als erste deutsche Band salonfähig gemacht. Manche mag es irritieren, die Musikfreunde unter uns, die auch einmal über den Tellerrand ihrer „WennneBandbekanntwirdmussichsiescheißefinden“ – Attitüde hinausblicken, werden feststellen, dass damit eine großartige Zeit für die deutsche Metalcore-Szene anbricht. Mit Callejon als Vorreiter.