Das Bonecrusher Fest in Köln!

Das Bonecrusher Fest gilt neben der Never Say Die Tour zu den erfolgreichsten modernen Metal-Touren von Avocado-Booking. Der heutige Tour-Start in Köln hat sechs Bands aus drei Kontinenten zusammengebracht. Mit Spitzenbesetzungen wie zum Beispiel Job For A Cowboy und War From A Harlots Mouth kann hier ein super Abend garantiert werden.

Nach fast 18.000 Kilometern Anreise, inklusive 20 Stunden Flugzeit, eröffnen die Australier Make Them Suffer aus dem heißen Perth. Wenn diese Jungs unter Jetlag leiden sollten, lassen sie es sich definitiv nicht anmerken. Fast im gleichen Wechseltempo dröhnen Blastbeats und Breakdowns, die mit Keyboardeffekten untermalt werden. Es gibt ausschließlich Songs aus ihrem im letzten Jahr veröffentlichten Album „Neverbloom“, um das noch bewegungsfaule Publikum anzuregen. Nach einer halben Stunde Spielzeit endet das Set schon.

Als nächstes folgen As They Burn aus dem schönen Frankreich. As They Burn hebt sich vom eigentlichen Programm des Bonecrusher Festes ab. Lag ihr Augenmerk auf ihrer letzten EP „A New Area for Our Plagues“ auf schnellem Deathcore, kommt ihr im Januar veröffentlichtes Album „Will, Love, Life“ weitaus breiter gefächerter und ausgedehnter daher. Die Songs wirken schwerfälliger und langsamer. As They Burn geben ihrer Musik mehr Raum als viele andere Deathcore Musiker, zumal sich ihre Synthies als Teil der Gitarrenriffs verstehen und nicht als abgehobener eigener Teil. Ihr Set kommt als unbekannte Band gut an und hat im Kölner Raum viel Interesse für weitere Shows geweckt. Ganz bestimmt!

Mit den Death-Metal Helden Gorod haben sich schon mehrere Male in Köln Bands wie Obscura und The Facless blickenlassen, und ziehen nicht nur deshalb das Publikum in ihren Bann. Sänger Julien „Nutz“ Deyres scheint wegen seiner längeren Bühnenerfahrung ganz klar seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Freche Ansagen, aggressive Gesangsstimme und leidenschaftliche Bühnenpräsenz sind ausschlaggebende Merkmale für diesen Sänger. Ich persönliche finde, dass Gorod sich von Album zu Album in ihrer Musik immer besser entwickelt haben. Unzählige Melodieläufe mit klarem klassischen Death-Metal prallen ideal gesetzt ineinander. Ihr letztes Album „A Perfect Absolution“ klingt trotz vieler Elemente nicht kopflastig oder anstrengend. Eine wirklich schwere Aufgabe, wenn man sich dem technischen Death-Metal verschrieben hat! Heute Abend ernten diese Herren viel Applaus.

Die jetzt antretende Band Beneath The Massacre gehört klar zu den härtesten Bands Kanadas. Ihre Musik gilt als ein Durcheinander von technischem Metal, Grindcore und Hardcore, welches für viele einfach nur verstörend wirken kann. Zum Glück sprechen die anwesenden Fans eine klare andere Sprache. Ihr Interesse und ihre Faszination bestehen aus den spieltechnischen Fähigkeiten der einzelnen Bandmitglieder, die Spitzenleistungen abliefern. In ihrem Set befinden sich viele ältere Songs wie „Society’s Dispoable Son“, die ein Paradebeispiel der kompromisslosen, schnellen, verzweigten Songs von Beneath The Massacre sind. Hut ab für solche musikalischen Fähigkeiten!

War From A Harlots Mouth gehört zu den erfolgreichsten und besten deutschen Interpreten der Extrem-Musik. „Voyeur“ gehört zu meinen Lieblingsalben und war auf dem Euroblast-Festival ein genialer Live-Genuss aus dissonanten Acht-Saiter-Gitarren. WFAHM können ihre vertrackten Songs mit einer sehr leidenschaftlichen Bühnenshow verbinden und das ist der besonders Reiz dieser Band: Ihr Enthusiasmus und Temperament auf der Stage geht auf die Zuschauer über, die sich dann zu einer Super-Show mitreissen lassen. Das Highlight ist „Temple“, der den neueingeschlagenen Weg dieser Band am besten beschreibt, als dunkel, treibend und chaotisch. Fans von Ion Dissonance, die einen Meshuggah-Sound brauchen, sollten unbedingt diese talentierten Jungs antesten.

Jetzt kommt schon mit Job For A Cowboy die letzte Kombo des Bonecrusher Fests. Mit drei Alben und einer EP über Metalblade wurde hier eine große Fanbase aufgebaut. Auch Live scheinen die Amerikaner wie immer eine breite Mischung aus allen Releases abzuliefern. Die ersten Schritte im Deathcore haben sie schon vor längerem hinter sich gelassen und sich dem amerikanischen Death-Metal gewidmet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Demonocracy“ gehört zu einer der besten modernen Metal Platten. Es gibt keine Breakdowns, Cleangesang oder andere Metalcore-Anleihen. Jonny „The Navy“ Davy wechselt zwischen Gekeife und dunklen Growls und lockert so die Blastbeats und Slamparts auf. Nach 45 Minuten beenden Job For A Cowboy ihr Set leider auch schon wieder.

Das Bonecrusher Fest scheint sich in seiner dritten Runde mehr als etabliert zu haben. Eine wirklich hervorragende Auswahl an Bands und begeisterte Besucher können dies nur unterstreichen! Wir freuen uns auf das kommende Jahr.