Das Herz sagt ja, der Kreislauf nein – Zebrahead am 11.08.2014 im MTC,Köln

DATUM» 11.08.2014
ARTIST»
VENUE»

Es ist schon etwas Besonderes, wenn eine internationale Band, die normalerweise Konzerte vor gut und gerne 1.000 Leuten spielt, sich in die kleinen Clubs der Republik verirrt. Umso schöner wird es, wenn die Band auch live die Leute anheizen kann. Zebrahead ist genau so ein Fall. Die Band aus Kalifornien hat man im Laufe der Festival- und Konzertjahre gefühlte 493429422-mal live gesehen, sich in unzählige Pits geworfen und mit Prellungen und Schürfwunden wieder verlassen. Die Zebraköpfe beweisen: Stumpfe Dur-Akkorde mit Pipikacka-Humor kann auch langfristig erfolgreich sein.

Den Opener für die heutige Show im muckelig kleinen Kölner MTC machen „Holl Would Surrender“ aus Hamburg. Sie hätten sich aber auch ohne Umschweife „Sum 182“ oder „blink-41“ nennen können, so sehr erinnert ihre Musik an die Alben „Enema of the State“, „Underclass Hero“ oder „All Killer No Filler“. Man kann die Band mit einem Arztbesuch vergleichen: Muss sein und tut nicht weh, kann sogar ganz nett sein, aber trotzdem ist man froh, wenn man die Praxis wieder verlassen hat. Die Temperatur ist in dem Kellergewölbe währenddessen auf ca. 40 Grad angestiegen, und nein, das ist nicht satirisch gemeint, das innere Thermometer zeigt wirklich 40 Grad an. Allein durchs Herumstehen treten Schweißperlen auf der Stirn auf und laufen in die entlegensten Regionen des Körpers.

Als die Show schließlich mit „Falling Apart“ losgeht, bricht nun alles zusammen: Schweiß tropft von der Decke, Sprunggelenke werden bis aufs Äußerste getestet und in der ersten Reihe bricht die erste Person zusammen und wird rausgetragen. Was für eine Hitzeschlacht. Auch Sänger Ali Tabatabaee bekommt die besonderen Umstände mit und bittet mehrfach aufeinander aufzupassen. Das Set ist eine klassische Mischung aus Altem und Neuem: „Call Your Friends“ wird genauso abgefeiert wie „Postcards From Hell“ oder „The Setup“. Nach den ersten fünf Songs macht sich trotzdem eine gewisse Müdigkeit unter den Fans breit. Man kann es ihnen bei diesen äußeren Umständen nicht verübeln. Wohin man auch blickt, überall sind durchnässte und triefende Gesichter zu sehen. Das Waschbecken der Toilette ist für viele der letzte Ausweg um nicht völlig wegzutreten: Das Herz sagt ja, der Kreislauf nein.

Die zunehmende Hitze schlägt anscheinend auch Gitarrist Matthew Lewis auf den Magen. Während  des Konzerts wandern seine Mundwinkel immer weiter nach unten. Als schließlich die wenigsten auf seinen „Circle-Pit-Chord“ reagieren, brüllt er ins Mikrofon „Oh come on, fuck it“ und lässt kaum ein Wort mehr von sich hören, außer gelegentliche Pöbeleien gegen seinen Bandkollegen Ali Tabatabaee. Eine merkwürdige, aber auch zugleich faszinierende Atmosphäre.

Als die letzten Kräfte noch einmal bei „Anthem“ mobilisiert werden, taut die angespannte Stimmung wieder ein wenig auf. Ein Circle Pit, der den gesamten vorderen Bereich des Clubs einnimmt, ist der schöne Abschluss eines guten Konzerts. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, der auch nicht so recht wieder verschwinden will und man macht sich seine Gedanken, wie es mit der Spaßkapelle von Zebrahead weiter gehen wird. Fast die gesamte Band kratzt an den Vierzigern oder hat sie bereits überschritten. Irgendwann ist es vorbei mit „Muschi“-Chören bei „Playmate of the Year“ und Fäkalwitzen. Hinzu kommt ein wirklich sehr, sehr genervter Mathew Lewis, der lustlos wie selten gewirkt hat. Es bleibt nur zu hoffen,  dass die Band einen gemeinsamen Konsens für die Zukunft finden wird, sodass man sich auch auf die nächsten 493429422 Konzertbesuche freuen kann.