Die Editors lassen am 25.10.2013 im Docks Hamburg den Tanzschweiß tropfen

Editors @ Docks Hamburg, 25.10.2013
DATUM» 25.10.2013
ARTIST» ,
VENUE»

Im Zuge der Veröffentlichung ihres mittlerweile vierten Studioalbums „The Weight Of Your Love“ beehren uns die Editors in diesem Jahr sogar gleich zwei Mal im hohen Norden. Bereits im Juni konnten wir sie mit der Präsentation ihrer nagelneuen Songs noch vor Albumveröffentlichung auf dem Hurricane Festival erleben, heute machen die fünf charismatischen Indie-Rocker aus Birmingham auf ihrer Europatour im Hamburger Docks halt. Der Konzertbeginn an einem Freitagabend um 18:00 Uhr ist für den klassischen Arbeitnehmer recht sportlich angesetzt, überraschenderweise bildet sich aber tatsächlich schon gegen fünf Uhr eine Traube hartgesottener Fans vor dem Docks. Einige hatten sogar noch kurz vorher im Internet versucht Tickets für die Show zu ergattern, da das Konzert seit Monaten restlos ausverkauft ist. Das Docks füllt sich direkt nach Einlassbeginn recht zügig, so dass der Saal beim Auftakt des Supports durch die Indie-Rocker Balthazar schon fast richtig voll ist. Das Publikum ist angenehm durchmischt, tendiert heute jedoch altersmäßig eher in Richtung Ü30.

Erst kürzlich konnte man das belgische Quintett um Leadsänger Maarten Devoldere und Jinte Deprez beim „First We Take Berlin Festival“ live bestaunen, und auch diesmal überzeugen sie wieder mit ihrem einprägsamen Sound und entschleunigten Grooves, dem harmonischen, meist vierstimmigen Gesang und ihrer ausgezeichneten Bühnenpräsenz. Sie steigen direkt mit den großartigen Songs von ihrem Debüt „Applause“ wie „The Boatman“ und „Fifteen Floors“ in ihr Set ein, bringen aber auch einige der neueren Songs von ihrem aktuellen Album „Rats“ (2012). Ihre Songs sind in sich ruhig aber doch tanzbar, das respektvolle Publikum schenkt Balthazar jedenfalls konzentriert ihr Gehör, da die meisten wohl die Band noch nicht kennen. Dennoch wippen die Köpfe im Takt und auch der begeisterte Applaus zeigt, dass Balthazar die richtige Wahl als Vorband war. Nach einer guten Dreiviertelstunde bildet „Blood Like Wine“ den Abschluss ihres Supports, in dem die typischen Gitarren und Basslinien wunderbar mit dem leicht schleppenden Gesang harmonieren und alles in Form einer A Capella Performance endet.

Als die heiß ersehnten Editors endlich um 20:00 Uhr die Bühne betreten ist das Docks schließlich brechend voll. Die Stimmung heizt sich sofort beim Opener „Sugar“ vom neuen Album „The Weight Of Your Love“ im Blitzlichtgewitter auf. Im Graben wimmelt es von Fotografen, die alle vergeblich versuchen, bei schummrig-blauer Beleuchtung und Stroboskoplicht eine gute Aufnahme hinzubekommen. Der britische Frontmann und Frauenliebling Tom Smith gibt sich gleich zu Beginn seiner Rolle als leidenschaftliche Rampensau  hin und bewegt sich mit extrovertierter Theatralik über die Bühne. Er wirkt fast wie in Extase und mit seiner Musik verschmolzen. Das durch die Drums extrem treibende „Someone Says“ vom Debütalbum „The Back Room“ treibt  ebenso das Publikum zum Tanzen an und spätestens bei „Bones“ sind die Fans kaum mehr zu halten. Es wird gerockt, gesprungen, textsicher mitgesungen und geklatscht, die Stimmung hat tatsächlich schon beim dritten Song „Smokers Outside The Hospital Doors“ ihren Dauerhöhepunkt erreicht.

Etwas ruhiger wird es bei „You Don’t Know Love“, bei dem sich Tom Smith ans Piano begibt, wo seine besondere Baritonstimme am besten zur Geltung kommt. Gerade bei diesem Song fällt auf, dass live wesentlich weniger Synthies eingesetzt werden als bei der Studioaufnahme, was sich durchaus auch in der aktuellen musikalischen Ausrichtung der Editors abzeichnet. Besonders gut kommt beim Publikum das Songgut des Debütalbums wie „All Sparks“ und „Munich“ an, aber auch die Akustikversion von „The Phone Book“ trifft genau in die Herzen der Fans. Im Grunde genommen ist es relativ egal, was Tom Smith hier an Songs präsentiert, das Publikum ist sowieso hin und weg. Immer wieder entschuldigt sich der sympathische Frontmann für den frühen Beginn des Konzerts und bedankt sich stets nach jedem Song mit einem freundlichen „Dankeschön“. Mittlerweile ist allerdings die Luft dick und schwitzig, denn jeder ist zu den großartigen Dauerbrennern wie „An End Has A Start“ oder „Racing Rats“ am Abrocken, und der Schweiß läuft und läuft. Als die Editors kurz vor halb Zehn erstmals die Bühne verlassen, will im völlig euphorischen Publikum überhaupt keine Ruhe einkehren, so kommen die Editors noch einmal für drei Zugaben zurück auf die Bühne und schmettern uns erst ganz zum Schluss das von allen schon vermisste „Papillon“ um die Ohren. Zum Ende des Konzerts gegen 21:45 Uhr blickt man ausschließlich in durchgeschwitzte aber glückliche Gesichter, und wer den Abend noch auf dem Kiez fortsetzen will, hat sich sogar ein trockenes „Wechselshirt“ mitgebracht.

Die Editors haben auch heute wieder unter Beweis stellen können, dass sie eine spitzen Liveband sind! Tom Smith hat mit seinen Jungs sichtlich alle Erwartungen des Publikums erfüllt und uns an diesem Abend mit den Highlights der bisherigen Alben, jedoch schwerpunktmäßig aus „The Weight Of Your Love“ und „In This Light And On This Evening“, einen großartigen und unvergesslichen Konzertabend beschert, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Wer sich bis jetzt noch keine Tickets für die letzten Deutschlandkonzerte gesichert hat, der hat im wahrsten Sinne des Wortes schlechte Karten, denn die letzten noch verbleibenden Deutschlandkonzerte in Wiesbaden (01.11.13) und Köln (03.11.13) sind bereits restlos ausverkauft.

Alle Editors Fotos von dem Konzert findet Ihr übrigens hier!

Setlist:

  • Sugar
  • Someone Says
  • Smokers Outside The Hospital Doors
  • Bones
  • Eat Raw Meat
  • Two Hearted Spider
  • You Don´t Know Love
  • All Sparks
  • Formaldehyde
  • A Ton Of Love
  • Like Treasure
  • An End Has A Start
  • Bullets
  • In This Light And On This Evening
  • The Phone Book (Acoustic)
  • Munich
  • The Racing Rats
  • Honesty
  • ——–
  • Bricks And Mortar
  • Nothing
  • Papillon