Die Gefahr der gemütlichen und vorhersehbaren Konzerte – Jupiter Jones in Köln

DATUM» 29.12.2013
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Ein vorhersehbares Konzert? So etwas soll es geben? Allerdings! Meistens gleichen solche Konzerte einer Show, alles ist festgesetzt und gut geplant mit ansteigender Dramaturgie und einem großen Feuerwerk am Ende. So etwas ist keinesfalls verwerflich, nur ist es so, dass meistens bei solcher Art von Konzerten die Individualität verloren geht, da man sich nun mal an einen Regieplan halten muss. Oft ist so etwas bei Musikstars zu sehen die ganze Arenen füllen. Bei Jupiter Jones zeigt der Trend langsam aber sicher auch in diese Richtung.

Schauplatz für das Spektakel ist die Live Music Hall, die bereits zum zweiten Mal in Folge restlos ausverkauft ist. Tags zuvor spielten die Herren aus der Eifel  bereits vor 1.400 Leuten eine Akustik-Show, heute steht das Konzert mit elektrischen Gitarren an. Man betritt die Location als der Support „Herrenmagazin“ gerade seinen letzten Song spielt. Die Stimmung ist gut, doch aufgrund der Feiertage ruhig, fast schon gemütlich. Männer in dicken Pullis stehen an der Bar und nippen alle halbe Stunde an ihrem Bier, Frauen machen das gleiche mit ihrem Weißwein aus dem Plastikbecher. Man lässt es sich eben gut gehen. Für einen schönen Abend sind das gute Voraussetzungen, für ein Konzert, wo man sich bewegen, springen und tanzen soll, pures Gift. Doch irgendwie scheinen Jupiter Jones sich der Stimmung selbst angenommen zu haben und beginnen mit dem entspannten „4-9-6 Millionen“ den Abend. Sänger Nicholas scheint dem Braten als Einziger trotzdem nicht zu trauen und fordert das Publikum mehrfach auf endlich mal ein wenig „das Tanzbein zu schwingen“. Das geschieht selbst bedingt nur bei den älteren Hits wie „Eine Landjugend“ oder „Kopf hoch und Arsch in den Sattel“. Songs von „Das Gegenteil von allem“ oder ihrem Vorgänger bleiben da ziemlich auf der Strecke. Man bekommt teilweise den Eindruck, man steht vor einem Wachsfigurenkabinett. Lediglich „Still“ ist da die große Ausnahme, bei der sich eine unendliche Schar von Pärchen schluchzend in den Armen liegt und den Refrain lauthals und verschnupft mitsingt.

Schließlich fliegen beim Evergreen „Auf das Leben“ endlich die ersten gefüllten Becher durch die Gegend und die Menge kommt in Bewegung. „Scheiß auf softe Mucke, jetzt wird gepogt!“ ertönt es dann auch von der Bühne. Doch so schnell die Tanzmusik gekommen ist, so schnell verfliegt sie auch wieder. Mit den Klängen von „Berlin“ und äußerst schönen „Ah“ und „Oh – Chören beenden Jupiter Jones ihr Main-Set.

Nach einer routinierten Drei-Song-Zugabe, poppt  nun die Frage auf: War es das schon? Gar keine, wirklich gar keine Überraschungen? Nicht einmal beim allerletzten Konzert des Jahres? Doch! Die Eifeler lassen sich noch zu einem letzten Song hinreißen. Stumm und staunend steht das Publikum mit Herzen in den Händen da und zelebriert „Reiß die Trauer aus den Büchern“, als wäre der Song nie für mehrere Jahre von der Bildfläche verschwunden. Schön zu sehen, dass es auch anders gehen kann!