Die Routine eines meisterlichen Geschichtenerzählers – Frank Turner & The Sleeping Souls im E-Werk, Köln am 20.09.2013

Frank turner titelbild
DATUM» 20.09.2013
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Fachmagazine prophezeiten es schon vor Jahren, Musikkenner seit seiner ersten Revival Tour, Pro7 und 1Live haben ihn erst vor ein paar Monaten entdeckt – Frank Turner, Meister des Geschichtenerzählens und Lieferant der Hintergrundmusik des Lebens eines jeden Folk-Liebhabers, hat den Durchbruch nun endgültig geschafft. War „England Keep My Bones“ beim Release 2011 bereits in aller Munde, entwickelte sich die darauffolgende Tour in stetig größere Hallen, die schließlich in einer ausverkauften Wembley Arena mit 12.000 Leuten gipfelte. Ganz zu schweigen davon, gebührte dem 31-jährigen die Ehre im Vorprogramm der Olympischen Spiele mit drei Songs aufzutreten – Ein angemessener Rahmen für einen Mann, der etwas zu erzählen hat.

Heute sind es zwar keine 12.000 Menschen, die Turner mit seinen Geschichten zum Mitsingen bringen wird, immerhin hat er aber das E-Werk mit ca. 1.800 Zuschauern pickepackevoll bekommen. Die sind auch bester Dinge und empfangen den ersten Support des Abends, Liedermacher Jon Allen (absolute Empfehlung!), mit rhythmischem Klatschen. Der Hamburger ist sichtlich angetan und dankt den Zuschauern mehrfach. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Turner ihn per Zufall in einem kleinen Schuppen in Hamburg gesehen hatte und anschließend zu ihm meinte: „Du kommst mit auf meine nächste Tour.“ Glück muss man haben. Als zweite Vorgruppe stehen Lucero auf dem Programm. „Die hören sich ja an wie The Gaslight Anthem! Voll die Kopie!“, tönt es an mein rechtes Ohr vom 15-jährigen Mädchen, das eigentlich platztechnisch gesehen zwei Tickets hätte kaufen müssen. Irgendwo richtig kleines Mädchen, denk ich mir. Aber auch verdammt falsch. Lucero gibt es einfach mal gut und gerne zehn Jahre länger, nämlich seit 1998. Also wenn hören sich deine Gaslights wie die Kapelle hier an und sind die verdammte Kopie. Lucero machen ihren Job nicht minder schlechter als Jon Allen. Beide haben sich heute als Anheizer durchaus empfohlen.

Um 21:45 Uhr wird es erneut dunkel. Turner betritt – trotz seiner momentanen Rückenprobleme, ohne Rollstuhl – die Bühne mit einem Grinsen im Gesicht und legt mit „I Still Believe“ los. Überall sieht man textsichere Menschen mit Fäusten in der Luft, die Parole um Parole, Phrase um Phrase dem Mann aus Winchester entgegen brüllen. Bei dieser riesigen Karaoke- Party wurmt einen nur die Routine, welche immer wieder durchblitzt. Es gibt wenige Überraschungen, Turner redet zwar viel mit dem Publikum, aber irgendwie hat man alles dann doch schon einmal von ihm gehört. Zu seiner Verteidigung muss man erwähnen, dass der Brite körperlich momentan nicht auf dem Zenit seiner Kräfte zu sein scheint. Das Tourleben mit allen Vorteilen ist für die Gesundheit nicht zwingend die beste Medizin. Nichtsdestotrotz haben die Leute ihren Spaß. Ob beim Hampelmann machen zu „Recovery“ oder bei „Dans Song“ eine Orgie des Brüllens zu veranstalten – sie machen alles brav mit, was Turner ihnen auftischt. Mit „Broken Piano“, dem wohl ungewöhnlichsten Song des neuen Albums „Tape Deck Heart“ verabschiedet sich Turner zum ersten Mal von der Bühne.

Dann kommt endlich das Schmankerl, worauf man die ganze Zeit gewartet hat: „The Ballad Of Me & My Friends“, eines von Turners ältesten Klassikern, wird in Pianoversion zum Besten gegeben. Ein wenig verwunderlich ist das schließlich schon, hatte Frank vor einiger Zeit behauptet den Song nicht mehr spielen zu wollen, weil das Lied über Musizieren vor einer Hand voll Leute, zu seinen jetzigen Lebensumständen nicht mehr passe. Offensichtlich kann er genau so wenig von dem Song loskommen, wie einige Hörer der ersten Stunde. Es folgen „Eulogy“, „Photosynthesise“ und zu guter letzt die Ich-lass-ein-letztes-Mal-die-Sau-raus-Hymne „Four Simple Words“.

Das war doch mal wieder ein ordentlicher Auftritt von Herrn Turner. Trotzdem beschleicht einen die Vermutung, dass es mit Turner wohl bald in noch größere Hallen gehen wird, bei dem Erfolg, welchen der Mann zu verbuchen hat. Ein wenig Wehmut ist da schon dabei, wenn man bedenkt, dass er vor vier Jahren als Vorband von The Gaslight Anthem vor 300 Leuten in Deutschland aufgetreten ist. Hach, sie werden ja so schnell erwachsen. Dennoch, wer Frank Turner und seine Sleeping Souls noch nie gesehen hat, sollte dies schleunigst nachholen. Mit etwas Glück hat man noch die Möglichkeit sie in kleineren Hallen zu sehen, bevor es in die Arenen geht.

Hier gibt’s die Foto-Galerie zum Konzert!