Die Töpfe gastieren in der Domstadt!

Blumentopf "Kein Zufall / Grosses Kino" -Tour 2012 Support: Edgar Wasser CBE Köln
DATUM» 08.12.2012
ARTIST»
VENUE»

Es kommt nicht oft vor, dass man sich überlegt, ob ein Schutzhelm auf einem Konzert von Nöten ist. Wenn dann aber die Rede von der „Live Music Hall“, maroden Decken und angeblichem Vandalismus ist, dann ist diese Überlegung durchaus berechtigt. Zur Vorgeschichte: Es begab sich vor einigen Wochen, dass die Band Callejon in der Location gastierte. Zuerst schien alles nach einem soliden Konzert der Metal-Band aus Düsseldorf auszusehen. Bis schließlich ein Cover von „Schrei nach Liebe“ gespielt werden sollte. Als die Zuschauer wie aus einem Guss „Nazis raus, Nazis raus“ der Gruppe entgegen brüllten, löste sich eine 5×2 m große Zwischendecke wie aus dem Nichts und knallte mit voller Wucht auf die Besucher. Das Resultat: Neun Verletzte. Ein abartiges Szenario. Anfangs war noch von Vandalismus die Rede, doch stellte sich schnell heraus, dass Verschleiß des Deckenmaterials der Hauptschuldner war. Eines vorweg: Heute ist in dieser Ruine zum Glück nichts vom Himmel gefallen.

Vielmehr freut man sich auf einen Act, den es in letzter Zeit immer wieder in die Domstadt verschlägt. Gemeint sind Blumentopf, ihres Zeichens Rap-Ikonen aus München. Ich hatte bereits des Öfteren das Vergnügen die Töpfe in den letzten Jahren live zu sehen. Was diese Band vor allem auszeichnet sind ihre individuellen Konzerte. Kein einziger Gig gleicht bei den Münchenern dem anderen. Sprich: Andere Setlist, andere Aktionen und vor allem immer Freestyles, die zu keiner Zeit einstudiert wirken.

Als schließlich das Licht ausgeht, die Halle zu beben beginnt und Blumentopf mit „Antihelden“ alle Hände in die Höhe schnellen lassen, kann sich der erfahrene Konzertgänger schon darauf einstellen, dass das heute ein verdammt guter Abend wird. Auffällig ist die Anzahl an neuen Songs: So werden „Ich bin dann mal weg“, „World On Fire“ und viele andere Lieder von ihrem Neuling „Nieder mit der GbR“ direkt am Anfang zum Besten gegeben. Vom Publikum wird’s wohlwollend aufgenommen. Kein Wunder bei den Granaten, die das Album zu bieten hat. Eines der größten Highlights sind natürlich die Freestyles, welche zur Tradition auf Blumentopf-Konzerten gehören. Die Themen sind immer auf die jeweilige Stadt abgestimmt. So rappen die Münchener unter anderem über Kölsch, die Bläck Föös, Brings und den FC.

Nicht zu vergessen sind aber auch ihre Klassiker: Das großartige „Manfred Mustermann“ wird in voller Länge gespielt sowie „Was der Handel“ oder „Party Safari“. Mit „Solalala“ verabschieden sich die Töpfe von den gut 1.200 Leuten, lassen es sich aber nicht nehmen noch einmal für eine saftige Zugabe auf die Bühne zurückzukommen. Nach „Blattgold auf Anthrazit“ – ein perfektes Outro für so einen Abend – verabschiedet sich die Band nach gut zwei Stunden dann endgültig.

Noch einmal: Wer die Gruppe kennt und schätzen gelernt hat weiß, was für eine großartige Live-Band sie ist. Zwei Stunden präsentierten die Töpfe einen Mix aus Neuem und Altem. Zwei Stunden steht auch im hinteren Teil der Menge kein Fuß still. Zwar wurde die Erde zum Beben gebracht, aber diesmal ohne dass irgendetwas herunter fiel… oh Wunder. Beim nächsten Gastspiel gerne wieder.