Edo Zanki „Hautnah“ Tour 2012, Haus des Bürgers in Ramstein

DATUM» 14.01.2012
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Es gibt seit Jahrzehnten einen begnadeten Sänger und Songwriter in Deutschland, den man nicht an seinen Chartplatzierungen und Verkaufszahlen erkennt, sondern an der Klasse der von ihm geschriebenen und produzierten Musik. Die Rede ist von Edo Zanki: Gebürtiger Kroate, noch nicht ganz 60 Jahre alt – gerne mal als „Pate der deutschen Soulmusik“ bezeichnet. Am 14. Januar gab er ein Gastspiel im Haus des Bürgers in Ramstein-Miesenbach. Veranstalter waren mal wieder „Anderswelt Event“, ein Garant für Qualität, wenn es um die Versorgung der Pfalz mit hochkarätigen Konzertveranstaltungen geht.

Das Haus des Bürgers war leider nur schwach gefüllt. Man merkte halt doch, dass Edo Zanki eher der Mann im Hintergrund ist und sich auf den Konzertbühnen des Landes lange Zeit rar gemacht hat. Um so schöner, dass er wieder unterwegs ist – und das gleich mit einer hochkarätigen, sehr jungen Band. Der Abend stand unter dem Motto „Hautnah“ und in der Nähe zum Publikum liegt auch eine Stärke des sympathischen Künstlers. „Wir sind eine kleine radikale Minderheit“. Mit diesem Credo begann er den Abend und meinte damit Vieles: Diejenigen, die gute Musik zu schätzen wissen, die sich lieber ins Konzert als auf die Couch setzen, die mit dem TV-Programm aus Bohlen-Gesülze und Dschungel-Camp nichts anfangen können. All diejenigen hatten sich zur konspirativen Versammlung in Ramstein eingefunden. Und sie sollten es nicht bereuen!

Das aktuelle Programm zeigt alle Facetten Zankis. Er interpretierte eine ganze Reihe eigener Stücke. Neues und Altes. Vor allem die Songs vom aktuellen Album „Zu viele Engel“, das ich nur empfehlen kann. Ein sehr gefühlvolles Werk voller Seele. Und dann natürlich die besten Stücke aus seinem Backkatalog wie „Dein roter Mund“, „Heimkommen“ und „Nur der Mond“. Zum Teil sehr verträumte Songs, die eine heimelige Atmosphäre schufen.

Edo Zanki war (trotz Erkältung) stimmlich in Topform. Zumindest hielt er – mit wund gescheuertem Hals, wie er selbst sagt – bis zum Ende des zweistündigen Konzerts durch. Mit glasklaren, kräftigen Vocals, die jeden durchdrangen. Und auch die Band zeigte hervorragende Qualitäten. Willy Wagner , der schon mit Rio Reiser und Xavier Naidoo unterwegs war, wahlweise an Bass und Kontrabass, Maze Leber am Keyboard, der mit Pianoläufen und gefühlvollem Synthie-Sound glänzte, Jörg Dudys an der Gitarre, der sich auch mal zu elegischen Soli hinreißen ließ, und nicht zu vergessen Drummer Mario Garruccio – immer zu Späßen aufgelegt. Das Quintett legte einen genialen akustischen Set hin und der Sound in der Halle war absolut perfekt.

Im neuen Programm von Zanki gibt es nicht nur eigene Stücke. Edo hatte sich nach eigener Aussage schon lange überlegt, Lieder in ein Programm einzuflechten, die ihn besonders beeinflusst haben und deren Schreiber er bewundert. Das „Hautnah“-Programm ist eine gute Gelegenheit dazu. So gab es Songs von James Taylor, Rio Reiser, den Söhnen Mannheims, Stevie Wonder, Paul Simon, Leonard Cohen und gar einen Ausschnitt aus Madonnas „Music“. Alles in einem sehr stimmigen Konzept, dessen roter Faden sich in Edos Ansagen fand. Er erzählte Anekdoten aus seinem Leben sowie zu den Stücken und es machte riesigen Spaß, seinen Gedankengängen zu folgen.

Edo Zanki hat schon vor über 30 Jahren für Tina Turner „Fruits Of The Night“ und für Ulla Meinecke den Superhit „Tänzerin“ geschrieben. Er hat zwei Alben von Herbert Grönemeyer und ein Livealbum für Xavier Naidoo produziert. Er war mit den Söhnen Mannheims im Studio, hat mit André Heller gearbeitet und zeichnete für das neue Werk von Julia Neigel verantwortlich. Achim Pauli von „Anderswelt“ hatte Recht: So abgedroschen es klingt – da steht eine musikalische Legende auf der Bühne. Und sie tut alles dafür, diesen Status im hohen Alter zu behalten und sich nicht vereinnahmen zu lassen. Glückwunsch an die Veranstalter, dieses Erlebnis möglich gemacht zu haben.