Eine Saunaschlacht, die ihresgleichen sucht – Chuck Ragan and the Camaderie am 10.06.2014 in der Kölner Live Music Hall

DATUM» 10.06.2014
ARTIST» , ,
VENUE»

„I know it’s hot in here, but thank you all for joining us. I hope you had a great time with us, we had a great time with you”

Chuck Ragans Worte haben manchmal mehr Wahrheitsgehalt als jedes verdammte Orakel. Es ist kurz vor dem Ende seines Konzertes als er die Weisheit an seine 1.200 Zuschauer in der Kölner Live Music Hall richtet: Es ist zum Erbrechen warm, die Luft steht und der Schweiß läuft einem bis in die gemeinsten Regionen des eigenen Körpers. Trotz allem liegt dies nicht nur an dem Konzert des Hot Water Music-Frontmanns selbst.

Chuck Ragan betritt die Bühne bereits schweißgebadet und legt direkt mit dem Opener „Something May Catch Fire“ seines neuen Albums „Till Midnight“ los. Erste Klatschchöre  sind zu hören, die Stimmung ist gut, doch richtig bewegen will sich niemand. Die Musiker auf der Bühne lassen sich davon nicht beirren und schmettern dem Publikum Song für Song um die Ohren. Besonders erwähnenswert sind dabei die unterhaltsamen Tanzeinlagen von Fiddler Jon Gaunt bei seinen Solis, welche stark an den Tanzstil „Roboter“ erinnern, gepaart mit Folk-Elementen. Die Songs folgen Schlag auf Schlag und sind eine solide Mischung aus Altem sowie Neuem. Das Publikum freut sich über „Rotterdam“ oder „The Trench“ genau so wie über „Gave My Heart Out“ und „The Whistleblower Song“. Mit fortgeschrittener Zeit steigt die Raumtemperatur von 45 Grad auf 55 Grad, die Luftfeuchtigkeit von 100 % auf 175 %. Man weiß nicht, wer da genau auf der Bühne schwitzt, Chuck Ragan oder seine Gitarre, so viel Flüssigkeit tropft von beiden herunter. Die Menge klatscht und singt so gut sie kann, macht aber weiter den Eindruck eines Wachsfigurenkabinetts, welches unter Hitze dahinschmilzt. Da helfen leider auch keine Gastauftritte von den Supportacts des Abends Billy The Kid und dem liebenswerten 3,50 m Hünen Northcote.

Als dann schließlich „For Broken Ears“ und California Burritos“ gehen macht sich ein klein wenig Bewegung unter der Meute breit. Insgesamt sind diese zehn Minuten viel zu kurz, um das Konzert als actionreich oder dynamisch zu betiteln. Dabei trifft Ragan und seine Entourage nicht einmal eine großartige Schuld: Wie so oft, hat die Hitze den Leuten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Einen nächsten Versuch wird es bestimmt bald wieder geben, dann wäre es auf jeden Fall ratsam, eine Location zu organisieren, die über eine vernünftige Klimaanlage verfügt.