Emo, Rock und viel Jubel – Silverstein, Funeral For A Friend und The Tidal Sleep, 13.04.2013 Live Music Hall Köln

Silverstein

Massenaufmarsch auf der Lichtstraße! Der Pfad vor der Live Music Hall ist überfüllt mit Autos, Personen und dringend Kartensuchenden der ausverkauften Silverstein und Funeral For A Friend Show. Foren-, Blog-, und Soziale-Netzwerke-Aufrufe schossen in den letzten beiden Monaten in Dauerrotation mit Anfragen für noch entbehrliche Tickets über, aber meistens ohne Erfolg. Die treue Anhängerschaft der ‚emo‘tionalen Rock-Musik freut sich schon länger auf diese perfekte Tour der beiden erfolgreichsten Künstler der ehemaligen großen Screamo-Szene und will Teil dieses denkwürdigen Ereignisses sein.

Der Opener The Tidal Sleep ist im Gegensatz zu den beiden Szene-Größen leider vielen hier unbekannt. Die überall in Deutschland verteilt lebenden Jungs spielen wundervollen Hardcore der 90er und erinnern stark an Modern Life Is War und Envy. Es ist Klasse, dass so eine Band, die eher kleinere Clubs bespielt, hier die Möglichkeit bekommt, sich solch einer Menge von Leute zu stellen und damit ihr Können zu beweisen. Während der Gesang sich auf einem schreienden Level hält, können sich die Gitarren sruhig den Harmonien widmen oder in härtere Gefilde verlaufen. Dieser Tour-Support bringt dieser Band nur Positives und zeigt, dass wir deutsche Qualität-Bands haben, die es locker mit dem amerikanischen Kram aufnehmen können. Das jetzt noch etwas schüchterne Publikum wird nächstes Mal mehr Begeisterung zeigen und bestimmt heute etwas am Merch-Tisch abgreifen!

Die fast überlaufende Live bringt mit dem nächsten Act schon Funeral For A Friend auf die Bühne. Meine letzte besuchte Köln-Show der Briten liegt jetzt schon acht Jahre zurück und während man merkt, wie alt die Knochen geworden sind, sieht man genauso dem restlichen Publikum an, dass es keine jungen Teenager mehr sind. Funeral For A Friend haben sich eine innige Fanbase aufgebaut und dies zu Recht. Anfang Februar wurde eine neue Platte namens „Conduit“ veröffentlicht und sie bringt diese Band endlich wieder dem Metal und Hardcore näher, wie zu Anfangszeiten! Um die neue Platte den Kölnern präsentieren zu können, muss eine große Auswahl an neuen Songs folgen. Dennoch gibt es Songs von meinem Lieblingsalbum „Hours“ und so singt die ganze Live Music Hall unter Jubel die Refrains von „The End of Nothing“ und „Rose are for the Dead“ mit. Funeral For Friend haben musikalisch eine breite Auswahl von Emocore bis Alternativ-Rock aufgebaut und können diese Vielfalt in ihrer Setlist nutzen. Die Kölner scheinen froh zu sein, eine kleine Auswahl aus der Diskographie der walisischen Herren zu bekommen. Ich hätte mir nicht glauben lassen, bei FFAF einen Circle Pit zu sehen, geschweige denn eine Wall Of Death, aber o sind in Köln die Menschen in bester Feierlaune und die Waliser sind dankbar für diese Stimmung. Gejohle und Freuden-Schreie gibt es am Ende „Escape Artists Never Die“ und „Juneau“ von ihrem ersten Studioalbum „Casually Dressed & Deep in Conversation“, auf die bestimmt die meisten schon die ganze Zeit gespannt gewartet haben. Mit solch einem Ende können Band und Besucher sich einfach nur glücklich schätzen.

Die Kanadier Silverstein haben sich im Gegensatz zu Funeral For A Friend schon weniger auf dem europäischen Festland sehen lassen. Während Silverstein den Andrang für diesen Abend kaum fassen können, gibt es schon zum Intro ein lautes Geschrei des weiblichen Publikums. Wie die britischen Kollegen haben die Kanadier ebenfalls ein neues Werk geschrieben. Der neue Silberling nennt sich „This is How the Wind Shifts“, welches wie die beiden Alben zuvor über Hopeless Records verbreitet wird. Der Headliner spielt weitaus mehr Songs als die beiden anderen Acts vor ihm, aber genauso viele neuere Songs der frisch erschienenen Platte. Mir persönlich fallen kaum Unterschiede zwischen neueren und älteren Songs auf, denn Silverstein klingen Anno 2003 genauso frisch in ihrem Screamo wie heute. Es gibt sehr rockigen Metal, der mit viel poppigen Elementen unterlegt ist. Die perfekte Tanz-Musik eben und dies wissen die Besucher, die einfach nicht aufhören können, ihre Körper zu den Klängen zu bewegen! Besonders gefällt mir die Akustik-Variante von „Call It Karma“, die schon fast wie eine Ballade wirkt. Mehr Bands sollten sich live trauen, ihre Songs instrumentaltechnisch zu präsentieren, da diese Version der Setlist echt gut getan hat. Ansonsten geben Silverstein eigentlich zu jedem der acht Alben die passende Video-Single und noch einen weiteren Song, damit auch jeder Fan aus seiner Lieblingsepoche etwas mitnehmen kann. Unter Jubel beenden die Herren mit „Smile in Your Sleep“ den heutigen Abend und können sich gewiss sicher sein, auf der nächsten Tour mit genauso viel Enthusiasmus empfangen zu werden.

Der Abend zeigt mehr als deutlich, dass aus den Emo-Kindern von damals heute erwachsene und anerkannte Musiker geworden sind, die wirklich Potential besitzen, auch wenn es ihnen früher nicht zugesprochen wurde.