Euroblast X – Thall Time, Baby! Euroblast 2014

Freunde des modernen Metals! Das Euroblast Festival geht 2014 in die zehnte Runde. Ein Anlass, der gefeiert werden muss. Mit Herz und Seele reisen Nerds, Musiker und technisch interessierte Metal-Heads aus der ganzen Welt zusammen, um in Köln ihr Hobby zu bejubeln und zu begießen. Das Line-Up der Jubiläums-Edition haben die Veranstalter, wie immer, passend gewählt. Von No-Name-Bands bis hin zu den bekanntesten Bands der Szene konnte wirklich jeder in Sachen Progressive Metal, Djent und Mathcore seine Fühler vollkommen ausstrecken. Auf Main- und Secondstage gab es viel Neues zu entdecken und alte Euroblast-Wiederholungstäter zu sehen. Einfach fallen lassen und genießen ist die Methode, um das Festival wirklich zu genießen.

Under The Pledge Of Secrecy aus Aachen sind als Opener die Art von schwerer Metal-Kost, um den Tag richtig zu starten: Dissonant, chaotisch und aggressiv. Fans von Ion Dissonance und Converge sollten ein Ohr riskieren. Math-Metal auf höchster Stufe! Lokal geht es weiter mit Inkarna aus Köln. Max, Lukas, Micha, Wolle und Thomas spielen technisch versierten Deathcore und haben Bock auf eine gute Show. Man spürt die positive Energie, die ausgestrahlt wird. Viele schnelle Riffs und Breakdowns kommen zusammen. Die Kölner kennen ihre Pappenheimer und rocken direkt vor der Stage mit. Eine sympathische Truppe mit Tatkraft! Danach kommt Drewif Stalin mit Musiker-Ensemble auf die Mainstage. Der Songwriter und Komponist hat sich im Underground mit seinen Solo-Alben einen Namen gemacht und legt eine Bombenshow hin. Das liegt nicht nur daran, dass er Nikki Simmons als Gastsängerin dabei hat. Eine wirkliche stimmkräftige Dame mit Ausstrahlung! Eine Zusammenarbeit auf Platte klingt bestimmt interessant. Witzige Ansage und Bühnengehüpfe gehören zum Programm. Nerds haben eben einen Sinn für Humor – am besten für ihren eigenen. Die Mannheimer von Chaosbay bieten Post-Rock mit harten Passagen. Besonders gefällt, dass die Musik an die helle Stimme von Sänger und Gitarrist Jan angepasst wird. Viel Arbeit im Detail ist ein Markenzeichen für Bands auf dem Euroblast Festival. Dies stimmt besonders bei Felix Martin. Der 14-saitige Ausnahme-Gitarrist bietet ein musikalisches Highlight. Jazz, Rock und Blues werden so harmonisch und spieltechnisch klever mit Prog-Metal verbunden, dass den meisten die Kinnlade runterfällt. Felix und seine selbstgebaute Gitarre machen neugierig auf das unbekannte. Seine neuen ideenreichen Konzepte haben Eindruck hinterlassen. Etwas bodenständiger, aber nicht langweiliger geht es mit den Heavy Metal Ninjas aus New Zealand weiter. Mit Masken und viel Bühnenspektakel rocken die Herren das Haus instrumental im Djent-Stil. Der Groove-Metal bringt das gewisse Etwas und verführt zum Mittanzen. Die Harmonien bleiben einfach im Kopf hängen, ganz ohne Gesang. Die Norweger von Leprous haben da nicht so verdauliche Kost. Nicht dass diese Band hart wäre, aber die Komplexität der Songs ist wirklich beachtlich. Hier wird Prog-Rock als hohe Kunst präsentiert. Die meisten Songs kommen von ihrer letzten Platte „Coal“. Einar Solberg hat eine bemerkenswerte Singstimme, die mich stark an Jonathan Davis von Korn erinnert. Eine wirkliche besondere Band an diesem Tag! Nun kommen wir zum Headliner Tesseract. Der Ausstieg von Ashe O’Hara wurde nur kurz betrauert, denn als Daniel Tompkins sich wieder als Teil der Band verpflichtete, war die Begeisterung stärker. Viele Fans hatten sich diesen Schritt der Wiedervereinigung erhofft, aber als aussichtlos erachtet. Eine der ersten Shows wieder in Originalbesetzung auf dem Euroblast zu sehen, macht diesen Ort noch besonderer. Das Set, mit mehr Songs vom ersten Album, ist energiegeladen. Die Power geht auf das volle Haus in der Essigfabrik über! Die Fertigkeiten der Briten überzeugen auf voller Linie. Das Spiel aus lauten und leisen Elementen bringt Gänsehautfeeling.

Der zweite Tag beginnt, ohne wirklich die vielen Eindrücke des ersten Tages verarbeitet zu haben. Ein voller Programmplan mit tollen Bands steht bevor. Erste Action- Combo ist Fuck You And Die. Die Underground-Pioniere liebenihren Death Metal. Darum ist die dargebotene Show für so eine junge Band sehr gut und brutal. Der Vergleich mit Necrophagist mag der Band zwar vielleicht schon aus den Ohren kommen, aber eine direkte Gleichstellung mit einer der genialsten deutschen Tech-Death-Bands kann nichts Schlimmes bedeuten. Sänger Roman und sein Gorilla-Lunge grölen alles nieder. Nun kommen wir zu Modern Day Babylon, einer meiner Lieblings-Djent Bands. Ihre letzte Platte „Travels“ war sensationell und eindrucksvoll. Die Instrumentalisten wirken live genau so heavy und harmonisch wie von Platte. Für viele noch unbekannt, hätten sie nicht nur für mich noch ein paar Songs mehr spielen können. Ganz klar sind die Herren „Thaller than thall“. Letztes Jahr, genau am ersten Tag von Euroblast 2013, hatte Paul Ortiz eine Pause für sein Projekt Chmip Spanner angekündigt. Zum Glück war diese Pause nur von kurzer Weile. Paul hat einen Riesen-Fanbase, die ihn heute richtig feiert. Elektronische Einlagen und leicht vertrackter Prog-Metal sind sein Markenzeichen. Die Songs wirken gewaltig und sind so leicht zugänglich. Wir freuen uns auf die kommende Platte! Agent Fresco aus Island haben das Publikum, besonders das weibliche, direkt auf ihrer Seite. Die Band ist auf dem Euroblast keine Unbekannte. 2012 haben sie im Underground eine imposante Show hinlegt. Bandmitglieder tauschten die Instrumente und Sänger Arnór sprang auf und unter seinem Keyboard hin und her. Hier wirkt diese Darbietung auf der größeren Bühne noch etwas glänzender. Das Gemisch aus Alternative- und Math-Rock räumt ab. Soundtechnischen Sturm gibt es dann bei Vildhjarta. Eine Band, die das Euroblast groß gemacht hat. Es gibt zurzeit keine düsterere und zäherere Band in Sachen Acht-Saiter Musik. Die Schweden hauen auch heute die Kölner wieder vom Hocker. Ihr Song „Shadow“ wuchtet durch die Hallen und animiert zum headbangen. Ihr neue EP „Thousands of Evils“ ist live wirklich ein Genuss. Thall! Als wäre diese Vorlage nicht als Ende für einen tollen Tag genug, folgt noch Animals As Leaders. Tosin Abasi und seine beiden anderen Jungs zeigen instrumentalen Metal-Jazz der höchsten Stufe. Wirklich erfreulich ist das Set aus allen Alben der Bandgeschichte. Seine neustes Werk „The Joy of Motion“ wurde begeistert von den Fans aufgenommen und lässt diesen Abend perfekt ausklingen.

Wir starten am letzten Tag mit Dioramic. Die Post-Rock-Experten hatten eine längere Pause mit Besetzungswechsel hinter sich. Mit neuer Meute und neuem Album „Supra“ geht Arkadi Zaslavski wieder auf die Bühnen Deutschlands. Die Vielfalt von Pop bis Hardcore macht diese Band sympathisch und liebenswert. Die erfolgreiche Release-Tour mit Chaosbay und die Euroblast-Show sprechen für sich. Für Freudenschreie und Aufregung sorgen anschließend Hypno5e. Schon letztes Jahr als Geheimtipp gehandelt, gelten sie nun als Pflichttermin. Metal mit Sinti-Gitarren sind halt etwas Ausgewöhnliches. Die Franzosen lieben ihre Helden Gojira und geben dem Sound noch ihre eigene Note. Das neue Album ist für Ende 2015 angesetzt. Metallisch schwer geht es bei Uneven Structures weiter. Ihr neuer Song wurde im Trailer für das Euroblast X vorgestellt und machte neugierig auf neues Material. Eine weitere vom Euroblast entdeckte Band, die heute zu der Speer-Spitze des Djents gehört. Polyrhythmische Gitarre rasen auf düstere Melodien zu. Schwermütige Musik aus dem Süden Frankreichs! Spitzenleistung, wie immer von den Herren. Die Orchester-Parts im Hintergrund wirken ausdehnend in Verbindung mit den harten Riffs. Hier wird das Maximale aus der Musik rausgeholt. Club-Action gibt es dann bei Remi von The Algorithm. Der 24-jährige Elektro-Künstler hat die letzten Jahre Preise abgeräumt und weltweit getourt. Seine neue Platte „Octopus4“ hat alle iTunes-Charts abgeräumt. Die Partystimmung und die Freude der Euroblaster haut selbst Remi um. Mit lustigen Einlagen um seinen Laptop, weiß der kleine Mann die Menge einzuheizen und den letzten müden Knochen wach zu rütteln. Entertainment in Sachen Metal-Techno macht einfach Spaß. Weitere ausgelassene Stimmung gibt es bei den Briten von Monuments. Schon letztes Jahr haben die Jungs mit ihrem Mix aus Metalcore und Post-Hardcore das Euroblast gerockt. Auch dieses Jahr kann Sänger Chris Boretto wieder mit seinem Saxophon die Zuhörer von den Plätzen reißen und das Publikum schreit ihm mit Begeisterung entgegen. Ich erhoffe mir, dass das Projekt von John Browne in der Besetzung beständig bleibt und viel tourt. Der Headliner ist kein Geringerer als Sikth. Nach ihrer Auflösung im Jahre 2007 gab die Band bekannt, dass sie ein Reunion-Konzert beim Download Festival 2014 und als Headliner beim Euroblast 2014 in Köln spielen wird. Die Vorfreude war groß, das Glücksgefühl während der Show noch größer. Goodman hat als Frontman mit seiner Performance und seinem Gesangsstil viele Bands in Sachen Mathcore inspiriert und nie seinen Charme oder Können verloren. Für mich eine der genialsten Bands meiner Jugend!

Das Euroblast hat mit seiner zehnten Edition nochmal ihren Riecher für geniale und frische Bands gezeigt. Wir hoffen, dass dieses Ausnahme-Festival uns lange erhalt bleibt. Ich bedanke mich bei der Euro-Crew, allen Freunden und neugetroffenen Menschen für ein unvergessliches Erlebnis. Wir Kölner können stolz auf unserer Vorzeige-Festival sein. Auf die nächsten 10 Jahre. We are a family!