EVERYONE: „WOOOOOHOOOO WOOOOHOOO“ – Ein Abend mit Red City Radio im MTC, Köln

DATUM» 08.05.2014
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Hach, diese Wohnzimmerkonzerte: Eine gemütliche, intime Atmosphäre, die Distanz zwischen Band und Publikum ist auf ein Minimum beschränkt und  – vergesst den ganzen Scheiß! Nasse Gesichter, Menschen die auf die Bühne fallen, fliegende Fäuste, Schweiß, Blut, Tränen und „Woooooohooo“ – Parts aus krächzenden, bierdürstigen Kehlen  – das macht verdammt nochmal ein vernünftiges Wohnzimmerkonzert aus! Und wer könnte eine schönere Hintergrundmusik für so ein faustfröhlichen Abend bieten, als Red City Radio aus Oklahoma City, Oklahoma?

Die Band ist mit ihrem neuen Album „Titles“ am Start und tourt durch die Städte und Käffer der Republik: Unter anderem darf man sie sogar in Metropolen wie Wermelskirchen, Meppen und Dessau-Rosslau bestaunen. Den Auftakt macht aber die gute alte Domstadt mit, vorweg gesagt, einem Konzert, was die Messlatte bereits zu Beginn der Tour ordentlich hoch legt.

Dies merkt man schon bei dem ersten Support „Smile and Burn“. Die Berliner, welche stark an Pennywise erinnern, liefern eine – für eine Vorband – mitreißende Show ab. Vor allem steht die Spielfreude jedem einzelnen Bandmitglied im Gesicht geschrieben. Da hat man schon schlechteres im Vorprogramm gesehen. Die zweite Vorband „Perdition“ sind überraschenderweise sogar eine Ecke weniger gut. Die paar Songs, die man im Internet findet, wenn man den Namen der Truppe eingibt, hatten mehr versprochen als man dann am Ende hört.

Vielleicht ist nun endlich auch die Vorfreude bei den anderen Gästen angekommen. Denn als Sänger Garret Dale ins Mikrofon „No, I’ll bite my tongue“ mit seiner brachial whiskeygetränkten Stimme grölt, steigen die ersten zehn Reihen mühelos in „And wait for you to turn around so I can start to run“ ein. Es wird sich bewegt, es wird getanzt, es wird mitgesungen. Hier und da entdeckt man sogar Versuche einen Crowdsurf, in diesem Keller von Location zu starten, die aber alle an der nicht vorhandenen Deckenhöhe scheitern. Fast romantisch geht es zu als die ersten Akkorde von „Show Me On The Doll Where The Music Touched You“ ertönen. Gestandene Männer liegen sich in den Armen, man sieht sogar ein wenig Pipi in den Augen und man sieht aber auch wirklich jeden die Fäuste ballen, als man feststellt, dass man „fucking unstoppable“ ist: „We are fucking Juggernauts!“

Solche Konzerte sind einfach eine ungemeine Wohltat für das Punkrockherz. Da kümmern einen auch leichte Abzüge wie eine 60-minütige Spielzeit oder eine etwas unausgewogene Setlist (wo zur Hölle war „No One Believes in Moons and Goochers?“) nicht. Als schließlich Mr. Dale nach der Zugabe auf die Bühne kommt und den neuen Song „I just wanna get stoned and play my fucking guitar“ zum Besten gibt, kann keiner im Anschluss ein fettes Grinsen beim Verlassen der Location verbergen.