Frank Turner & The Sleeping Souls – Kulturkirche Köln, 29.04.2013

DATUM» 29.04.2013
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Außergewöhnliche Locations für Konzerte haben immer einen besonderen Anreiz. Mal sind es Fabrikhallen, mal sind es Tropfsteinhöhlen – und mal Kirchen! Letzteres und Frank Turner haben nun nicht  wirklich viel gemeinsam. Gerade auf seinem 2011 erschienen Album „England Keep My Bones“ distanzierte er sich mit „Glory Hallelujah“ mehrmals deutlich von Oblate und Wein, von Absolution und Kommunion, von Jesus und Gott. Gerade dieser Unterschied macht die Kulturkirche, als Location für das heutige Konzert, so spannend. Die Kirche ist nämlich weit mehr als ein klassisches Gotteshaus, in dem täglich Messen gehalten werden. Seit mehreren Jahren gilt sie auch als Konzerthalle. So gastierten hier bereits die Arctic Monkeys, The Kooks, Kettcar oder auch Nancy Sinatra. Den Support machen heute „Larry & His Flask“, eine schwungvolle Folk-Kombo aus Amerika, die wissen, wie man der Menge ordentlich einheizt. Gut eine halbe Stunde dauert ihr Set, nahezu ohne eine Pause einzulegen oder gar zu atmen.

Der Mann des Abends wird eine halbe Stunde später mit seinem Vier-Mann Orchester, den Sleeping Souls, unter schon fast frenetischem Applaus von den gut 600 Glücklichen, die sich eine Karte ergattern konnten, empfangen. Los geht’s direkt mit „4 Simple Words“, bei dem vor allem die ersten Reihen zeigen, warum Frank so angetan von Deutschland ist.  Zwar lässt Turner verlauten, dass man mit den Hits noch ein wenig warten müsse, aber jede Nicht-Single wird ohnehin so lautstark mitgesungen, dass jeder Song vom Gefühl her ein Evergreen ist. Natürlich dürfen auch Turners Solostücke nicht fehlen. So holt er mit „The Real Damage“ den ältesten Song des Abends heraus. Um noch mal Turner’s Output zu untermauern: Der Song ist gerade mal von 2007.

Ein weiteres Highlight ist die Story über einen Freund Turners. Dieser hatte sich kürzlich von seiner Freundin getrennt und sich betrunken bei einer Gala gedacht, man könne doch mal Kylie Minoque fragen, ob sie denn nicht Lust hätte, mit zwei ganz normalen, netten Engländern etwas trinken zu gehen. Diese hatte leider nur bedingt Lust auf dieses Abenteuer Diese Expedition sei laut ihm aber keine Niederlage gewesen, da er Tom Jones beim Pinkeln getroffen hatte. So wurde schließlich „Delilah“ mit in die Setlist aufgenommen, einer von Jones’ Klassikern.

Anschließend geht es mit „Recovery“ und „Long Live The Queen“ flott weiter. „Photosynthesis“ ist der Abschluss eines großartigen Main-Sets, die Fans sind restlos bedient. Zu dem Zeitpunkt ist es schwer zu sagen, ob sie die Zugabe überhaupt noch durchhalten, ohne einen Kollaps zu kriegen, so sehr hecheln die vorderen Reihen nach Sauerstoff.

Bei der deutschen Version von „Eulogy“ bekommt die Meute in der Zugabe ebenfalls keinen Sauerstoff – und zwar vor Lachen. Warum auch immer, es hat einfach immer etwas Lustiges, wenn ein Ausländer versucht die Muttersprache des jeweiligen Landes in dem man ist, zu sprechen, obwohl man  dieser in keinem Stück mächtig ist. Es folgen „I Know Prufrock Before He Got Famous“ und „Try This At Home“ (Achtung, große Schuhverlustgefahr bei diesem Song!), bis sich der Folk-Singer/Songwriter/Menschenversteher/Vollblut-Musiker mit „I Still Believe“ verabschiedet.

Noch Stunden nach diesem großartigen Auftriit sieht man den Engländer fleißig Autogramme schreiben. Wer so viel Einsatz für seine Fans zeigt, hat es verdient auch in den größeren Hallen der Nation zu spielen. Hut ab dafür!