Get the Fuck up! – Limp Bizkit im Kölner Palladium, 29.06.2014

DATUM» 29.06.2014
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Manche Bands haben eine Garantie für extrem anstrengende, aber auch entsprechend dynamische und energiegeladene Shows. Limp Bizkit waren dafür schon immer ein Vorreiter gewesen. Dabei muss die Band aus Jacksonville, Florida auf ihren Konzerten nicht einmal großartige Ansagen heraushauen. Ihre Fans wissen genau, wann sich ein Pitgraben öffnen muss, wann einem die Füße zum Abheben verhelfen sollen und wann Ellenbogen und Fäuste benutzt werden sollen. Unvergessen bleibt der Moment, als Fred Durst bei Rock am Ring 2013 einfach nur das Wort „Alright Partner!“ sagen musste, um erste Moshpits zu entfachen, ganz ohne Musik.

Genug der warmen Worte, lasst die Odyssee der Blutergüsse und Prellungen beginnen! Mit einer leichten Verspätung, wird es um 21:15 Uhr dunkel in den Hallen des Kölner Palladiums. 4000 Köpfe warten nur darauf endlich „Get the fuck up!“ zu brüllen. Doch zuerst müssen sie noch ein schier endloses Intro ertragen, ehe Limp Bizkit mit „The Propaganda“ loslegen. Innerhalb der ersten zweieinhalb Minuten ist das Shirt schweißgetränkt. Wie Spartaner vor einer Schlacht blickt man in wahnsinnige, nahezu frenetische Gesichter. „Jaaa! Jaaa!“ brüllen sich zwei Halbwüchsige gegenseitig an und springen gemeinsam einen zwei Meter Schrank um. Herzlich Willkommen im Land der Schmerzen! Fred Durst, neuerdings mit Bart und bewährter Basecap zeigt sich kontaktfreudig und in guter Form. Wes Borland, heute in komplett schwarzer Montur, und seine Gefolgsleute, stehen dem in nichts nach. Das erste Highlight bahnt sich bei „Hot Dog“ an, als Mr. Durst vier Fans auf die Bühne holt, die den Song am Mikro und den Instrumenten spielen sollen. Das Intro klingt großartig, das „Get The Fuck Up“ vom sichtlich nervösen Sänger ist druckvoll genug, dass die Meute dem nachkommt. In der Strophe zeichnet sich allerdings schnell ab, dass das Verkack-Potenzial bei den ganzen „Fucks“ im Text relativ hoch ist. Nach gut einer Minute Spielzeit erlöst Fred Durst den armen Kerl und nimmt ihm das Mikro aus der Hand. Trotzdem, Respekt an den Herren, dass er zu „Fuck“ Nummer 12 von 48 überhaupt gekommen ist.

Auch wenn es an vielen „Fans“ vorbei gegangen sein mag, performen Limp Bizkit zwei absolute Raritäten in der Mitte des Sets: „Stalemate“ und „Sour“ aus ihrem Debütalbum „3 Dollar Bill Y’all“ werden in voller Länge gespielt, letzterer zum ersten Mal seit mehreren Jahren. Das muss doch pure Euphorie beim Publikum hervorrufen?! Fehlanzeige! Nahezu emotionslos werden die beiden aufgenommen. Eine absolute Schande, wenn man bedenkt, dass diese Songs so gut wie nie gespielt werden. „You look a little bit confused!“, merkt ein wenig beleidigter Grumpl-Fred vollkommen zurecht an. Fast schon entschuldigend kann man die Szene auffassen, in der sich das Palladium bei „My Generation“  einfach während des Songs hinsetzt: „Do you think we can fly? Do you think we can fly???“ brüllen 4000 wutentbrannte Fratzen Limp Bizkit an. „Well I Do!!!“ kann nur die Antwort mit drei Ausrufezeichen sein. Danach Eskalation. Fäuste. Crowdsurfs. Noch mehr Fäuste. Verdammt, wo ist der Notausgang aus dieser Höllenbrunst? Bitte, ein Königreich für eine Pause. Die Gebete werden mit einem kurzen DMX-Interlude erhört. Fred Durst nutzt die Zeit sich von seinen Kollegen zu verabschieden und einen kurzen Ausflug Richtung Publikum zu machen. „Nookie“ wird auf dem Tresen und auf dem Technikpult mitten in der Halle performt. Kurze Zeit steht die Angst der Security ins Gesicht geschrieben, dass Crowdsurfs die Technik überrennen, aber die hält dem Druck stand. Alter, was für eine Show.

Dann ist es Zeit innezuhalten für die einzige Ballade des heutigen Abends. Ein wenig muss man da schon grinsen, denn „Behind Blue Eyes“ wird einfach vom Band gespielt. Die naheliegende Vermutung ist wohl, dass abgesehen von Fred Durst, sämtliche Mitglieder keine Lust mehr auf das The Who Cover haben. Dennoch sorgt der Song für Gänsehaut, vor allem, wenn das Ende a capella vom Publikum gesungen wird. Trotzdem ein guter Moment seine letzten Kräfte für „Take A Look Around“ und das alles vernichtende „Break Stuff“ zu mobilisieren, bei dem noch einmal alles abverlangt wird. Ein letztes Mal wird „Staying Alive“ als Interlude noch mitgetanzt, dann verabschieden sich Limp Bizkit nach gut 100 Minuten von der Bühne.

Was bleibt zu resümieren? Wir fassen zusammen:

  • Eine überraschende Setlist mit zwei richtigen Raritäten
  • Ein Publikum, welches nicht besser hätte sein können
  • Eine routinierte, aber zu keiner Zeit langweilende Band
  • Schmerzende Gelenke, eine heisere Stimme, von Schweiß durchnässte Klamotten
  • Eine perfekte Erinnerung an ein großartiges Konzert, wohl eines der besten, das in diesem Jahr stattgefunden hat