Kip Winger, From The Moon To The Sun To Europe Tour 2012, Underground Köln

Kip Winger, Solo, Underground Köln 2012, Lars Sievers

Das Multitalent Kip Winger, nicht zuletzt bekannt als Sänger der gleichnamigen, amerikanischen Hardrock- Band, die ihre größten Erfolge Ende der 80er Jahre feierten, kehrt für einige exklusive Akustikshows zurück nach Europa. Im Zuge seiner From The Moon To The Sun To Europe Tour begeistert er seine Fans mit den großen Klassikern seiner Band, aber auch seiner Solo- Karriere.

Dass er auch Solo einiges zu bieten hat und sein Publikum allein mit einer Gitarre und seiner Stimme zu begeistern vermag, bewies er am Montagabend im Kölner Underground.

Das Akustikerlebnis begann gegen 19.30h, als Thorsten Willer, Sänger der Band Soledown, mit seiner kräftigen, aber gefühlvollen Stimme die ersten Gäste mit seinem Akustikset vor die Bühne lockte. Er überzeugte mit Akustikversionen der Songs seiner Band, aber auch durch Solo- Stücke und einer äußerst gelungenen Coverversion von Tom Pettys free fallin`.

Im Anschluss spielte Till Kersting, der mal auf deutsch, mal auf englisch seine Qualitäten als Singer/ Songwriter unter Beweis stellte und das Publikum mit seiner liebevoll gemeinten Hommage an seine Wahlheimat Köln zum schmunzeln brachte, jedoch auch einige Zuschauer mit seinem Mitmachsong Kleines Hippiemädchen dazu brachte schnell zu fliehen.

Florian Hofer betrat als letzter Support die Bühne und obwohl seine Musik den guten, alten Sound der 70er Jahre widerspiegelte, zeigte sich bei seinem Auftritt sehr deutlich, dass das Publikum einzig wegen Kip Winger erschienen war, denn auf seine Frage, ob man ihn im Vorfeld bereits bei Youtube gesucht habe, reagierte niemand. Nachdem er kurz geschluckt hatte, beendete er das Set mit seiner Version von Neil Youngs Heart of gold.

Um 21.50h stürmte Kip Winger dann endlich unter Jubel und Applaus die Bühne.

Aber welche Erwartungen hat man an einen solchen Abend? Ein alternder, abgehobener amerikanischer Rockstar, der innerhalb einer Stunde seine Songs regelrecht dahinrotzt und es nicht erwarten kann, die Bühne zu verlassen?

Oder eine gähnend langweilige Performance, bei der der Act gleichfalls gelangweilt auf seinem Barhocker sitzt und einige Stücke auf der seiner Gitarre klimpert?

Weit gefehlt!

Kip Winger schaffte es mit seiner Stimme und Präsenz nicht nur die Bühne, sondern gleich den ganzen Raum zu füllen. Er war charmant und witzig, bezog das Publikum mit ein, unterhielt sich zwischen den Songs mit seinen Fans, erfüllte Musikwünsche wie Seventeen, holte sich für Miles away überraschend Unterstützung aus dem Publikum und überzeugte mit einer stimmgewaltigen Show.

Bei Hits wie Easy come, easy go, Madalaine, Hungry, Deal with the devil oder Headed for a heartbreak sangen die Fans begeistert mit. Sah man sich um, entdeckte man unzählige glückliche Menschen mit strahlenden Augen und einem Lächeln im Gesicht. Alles in allem also eine gefühlvolle Show, die ihresgleichen sucht.

Sein Set rundete er mit einer überwältigenden Akustikversion von Blue suede shoes ab, welche dem Publikum wegen ihrer enormen Schönheit und Intensität fast die Tränen in die Augen trieb.

So blieb am Ende eines hervorragenden Konzerts vor allem ein Gedanke zurück: Kip, I can`t get enuff.

Im Anschluss an den etwa eineinhalbstündigen Auftritt, nahm sich der US- Rocker noch Zeit um mit seinen Fans zu reden, ihnen Autogramme zu geben und Fotos mit ihnen zu machen. Dabei wirkte er überaus bodenständig und sympathisch. So bedankte er sich bei seinen Fans für einen wundervollen Abend und ließ niemanden stehen. Jeder bekam sein Foto, Autogramm und kurzes Gespräch, bevor Kip Winger endgültig ging.

Das Publikum verließ gegen Mitternacht mehr als glücklich und musikalisch überaus befriedigt das Underground. Wer also die Möglichkeit hat Kip Winger live zu erleben, sollte sich seine unterhaltende, stimmgewaltige Show nicht entgehen lassen, denn während die Zuschauer, noch immer beflügelt von diesem Abend, dem Alltag entgegen blicken, wünschten sich wohl alle, dass jede Woche so beginnen würde.