Konstantin Wecker „Wut und Zärtlichkeit“ – Tour 2012, Congresshalle Saarbrücken

Konstantin Wecker "Wut und Zärtlichkeit" - Tour 2012 Congresshalle Saarbrücken
Photo credit: Konstantin Wecker "Wut und Zärtlichkeit" - Tour 2012 Congresshalle Saarbrücken
DATUM» 11.05.2012
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Im September 2011 veröffentlichte Konstantin Wecker sein neues Studioalbum nach sechs Jahren Pause. Müde scheint er nicht zu werden. Unzählige Alben hat er schon veröffentlicht, mehrere Bücher geschrieben und Musik für zahlreiche Filme und Musicals komponiert. Und immer wieder ist er auf Tour. Der Titel des neuen Werks „Wut und Zärtlichkeit“ spiegelt die beiden thematischen Pole wider, in denen sich seine Musik bewegt. Da ist einmal die Wut auf viele gesellschaftliche Umstände, die sich oft hinter kabarettistischer Ironie versteckt, aber auch ganz offen zu Tage tritt. Die Zärtlichkeit dagegen offenbart sich in wunderbaren und sehr persönlichen Liebesliedern.

Ähnlich sind auch die Konzerte der aktuellen Tour aufgebaut. Im ersten Teil dominiert der trotzige, durch und durch empörte Part. Nach der Pause wird es etwas ruhiger und die Zuschauer dürfen sich auf mehr Balladen einstellen. Am 11. Mai verschlug es den gerne mal als „deutschen Liederfürsten“ bezeichneten Sänger in die Congresshalle nach Saarbrücken. Volles Haus – ein gespanntes Publikum.

Die Bühne war zugebaut mit Instrumenten. Konstantin Wecker führt eine geniale Band mit sich – zum Teil schon seit Jahrzehnten. Da ist sein „musikalischer Lebensgefährte“ Jo Barnikel, der genau wie Wecker am Piano saß und sich manches Tastenduell mit dem Meister lieferte. Hinzu kommt Jens Fischer (ehemals bei der Blue Man Group), der eigentlich Schlagzeuger ist, aber im Verlauf des Abends als Allround-Talent immer wieder in den Mittelpunkt trat. Und schließlich der hochkarätige Gitarrist Nils Tuxon, der unter anderem an der Pedal-Steel-Gitarre glänzte. Das Quartett überzeugte den ganzen Abend mit einer perfekten Soundkulisse. Die reichte von stillen Momenten bis hin zu einer bombastischen Weltmusik, welche den Saal bis in die letzte Pore füllte.

Leider war Weckers Stimme oft in den Hintergrund gemischt. Vor allem im ersten Teil fiel dies auf, da man nicht alle Texte und Ansagen verstehen konnte – zumindest an den Rändern der Sitzreihen. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch. Das Konzert war gigantisch vom ersten Moment an, als Wecker die Bühne betrat und mit seinem Charisma einnahm. Er begann mit drei Liedern vom aktuellen Album: zunächst der Titelsong, dann das wütende „Absurdistan“ und schließlich Publikumsliebling „Die Kanzlerin“. Wer hätte gedacht, dass der bekennende Linke ein Liebeslid an Angela Merkel schreibt? Die Ironie, die Bundeskanzlerin als Frau zu sehen, in deren Lächeln und deren Dekolleté er sich verliebt hat, kam in Saarbrücken gut an.

Zweimal rezitierte er Gedichte: von Berthold Brecht („Der, den ich liebe“) und von Rainer-Maria Rilke („Ich lebe mein Leben in Ringen“). Ansonsten wurde gesungen und erzählt – fast drei Stunden lang. Wecker zeigte sich als Entertainer, der sein Publikum nicht zur Ruhe kommen lässt. Er regte zum Nachdenken an mit Liedern wie dem stillen „Präposthum“ oder dem Klassiker „Was keiner wagt“, den viele im Saal textsicher mitsangen. Er rief zum Widerstand auf mit seiner neuen Hymne „Empört Euch!“, prangerte gesellschaftliche Missstände an in „Damen von der Kö“ oder dem „St. Adelheim-Lied“. Und er begab sich bei „Questa nouva realtà“ ins Publikum und nahm Tuchfühlung zu den Fans auf.

In zwei Wochen wird er 65 Jahre alt. Doch von Rentnerdasein keine Spur. Da bewahrt ihn auch seine Band vor, die das vielseitige Repertoire zum Leben erweckte und von Blues und Reggae über Chanson und klassische Liedermacherkunst bis hin zu sphärisch-lautem Sound und gar bayerischer Volksmusik-Attitüde alles bot. Die Live-Atmosphäre war sehr intensiv und zum Ende hin gab es mehrfach Standing Ovations und die Jubelrufe der Zuschauer wurden immer lauter. Es ist ein Erlebnis, diesen intensiven Bühnenmenschen live zu erleben. Eine der nächsten Möglichkeiten in der Region ist am 9. Oktober 2012 in der Europahalle Trier.

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Letzte Aktualisierung am 21.10.2017 um 00:31 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API