K’s Choice „Little Echoes“ Akustik Tour 2012, Kulturkirche in Köln

K's Choice "Little Echoes" Akustik Tour 2012, Kulturkirche in Köln
DATUM» 31.01.2012
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K`s Choice haben nach langjähriger Pause 2010 mit „Echo Mountain“ ein gelungenes Comeback gefeiert – nun folgt die Little Echoes Akustik Tour: das gleichnamige Album enthält unter anderem fünf in akustische Arrangements gebettete Songs aus „Echo Mountain“. Das letzte Konzert ihrer Tour führt K`s Choice, das sind im Kern Sarah Bettens (Gitarre, Gesang), ihr Bruder Gert Bettens (Gitarre, Gesang) und Reinout Swinnen (Keyboard, Gesang) in die Kölner Kulturkirche, und mit ihnen auch rund 450 Gäste, die sich nach den eisigen Temperaturen draußen nun in der Kirche aufwärmen. Die Atmosphäre ist entspannt und erwartungsfroh. Bei der Kölner Kulturkirche handelt es sich um eine der schönsten evangelischen Kirchen Kölns. Sie ist 1889 in neogotischer Bauweise errichtet worden und bietet nun einen feierlichen, aber doch auch privaten Rahmen für K`s Choice.

Die Bühne befindet sich im Altarraum und ist spartanisch bestückt mit Instrumenten und zwei leeren Weinkisten als Sitzgelegenheiten in der Mitte. Die Zuschauer füllen den gesamten Kirchenraum, das Konzert ist schon seit Wochen ausverkauft. Pünktlich um 20 Uhr eröffnen K`s Choice ihr Little Echoes-Konzert mit „Killing Dragons“. Die Bühne ist in warmes rotes Licht getaucht, eine fast intime Atmosphäre entsteht, durch die Schlichtheit der Begleitung kommen die Wärme und Weite dieser Ballade besonders gut zur Entfaltung. Schön fügen sich hier der Ort mit dem Text des Liedes „Take my soul, take it whole…“ zu einer Einheit – ein gelungener Einstieg in dieses besondere Konzert.

Nun folgen zwei weitere Akustikinterpretationen aus „Echo Mountain“ („Echo Mountain“, „16“), darauf „Quiet Little Place“, eines der wenigen alten Stücke des heutigen Abends. Bis zum ersten wirklich neuen Stück „I Wanna Get Lost“ bleiben sowohl Sängerin wie auch Publikum eher zurückhaltend, entspannt, fast genießerisch. Nun aber wird lebhaft geklatscht und Sarah Bettens steigert sich, wohlgemerkt immer sitzend, in heftige Hingabe an das Stück und ihr Publikum. Es wird getanzt, wenn auch eher zaghaft, die Freude an diesem Stück ist lebhaft spürbar. Valentin, mit seinen 11 Jahren sicherlich der jüngste Gast des Konzerts, freut sich über eine unerwartet auftauchende Ukulele, winzig klein in Gert Bettens Händen, deren Klang dem Stück einen folkloristischen Touch gibt. Sehr ruhig, zart, meditativ folgt „Sister“, ein Einsprengsel aus Sarahs Sologeschichte, das auch in „Little Echoes“ einen Platz gefunden hat.

„Someone Just Like You“, mein persönlicher Favorit des Albums, geht nicht nur mir tief ins Herz, andere scheinen ähnlich zu empfinden. Andächtig lauschen wir dieser feinen, warmen Liebeserklärung, die getragen wird von Sarah Bettens ausdrucksstarker Stimme, die in diesem Kirchenraum besonders schön zur Geltung kommt. Ihre doch sehr eigene Interpretation von „I`m So Exited“ aus den 80er Jahren von den Pointer Sisters hat mich beim ersten Hören des Albums verwundert, nun stellt Sarah diese Performance als Erfüllung eines Jugendtraumes dar. Und so kommt es denn auch in die „Wundertüte“ der „Little Echoes“. Es kommt jetzt hier beim Konzert sehr schwungvoll, ausgefüllt, überzeugend an und beschließt den ersten Teil des Abends.

Während der doch recht langen Pause habe ich genügend Zeit, darüber nachzusinnen, was wohl die bunt zusammengewürfelten Stücke dieses Albums miteinander verbindet, was sie trotz aller Unterschiedlichkeit zu einem Ganzen machen könnte. Sicherlich verbindet die schlichte Darstellung, die Stärke der doch so zerbrechlich wirkenden Sarah in ihrer Persönlichkeit, aber auch das feine Zusammenspiel der drei, die durchweg ehrlich sind in Text und Musik – und so kann vielleicht jedes Stück, dessen sie sich annehmen, mit dem sie sich so verbinden, zu einem K`s Choice werden?

Den zweiten Teil des Konzertes eröffnet „I Will Carry You“, das Publikum ist augenblicklich wieder im Bann der Musik und lässt sich wirklich tragen von der Intensität des Songs. Mit „I See It All“ folgt etwas ganz besonderes – der Soundtrack für einen Dokumentarfilm, den Freunde der Band gedreht haben. Eine gerade hier in der Kirche zart nachhallende, wundervoll warme Ballade mit fragendem Charakter, ein kleines Schmuckstück in seiner Schlichtheit. „Canonball“, eine Interpretation des Stückes von Damien Rice, eine weitere Akustikversion aus „Echo Mountain“ („If This Isn`t Right“), „No Surprises“, ein Radiohead-Song, aus dem Sarah Bettens ausdrucksstarke Stimme ein besonderes Erlebnis macht, zumal sie es fast ohne instrumentale Begleitung darbietet, schließen sich an. Mit „River To The Moon“ stellt nun auch Gert Bettens einen Song aus seiner Solokarriere vor, der mir in seiner kraftvollen Art Spaß macht und durchaus Lust macht auf mehr „Woodface“. „If You Are Not Scared“ versöhnt vielleicht diejenigen unter den Gästen, die bislang alte Stücke schmerzlich vermisst haben. Sicher darf dieses Lied bei keinem K`s Choice Konzert fehlen.

„Message To My Girl“ von Split Enz (später Crowded House) ist ein krönender Abschluss des Konzerts. Sarah bedankt sich mit zwinkerndem Auge bei ihrem Publikum für die Standing Ovations, die es ohne Frage auch mit Bestuhlung gegeben hätte. Es wird heftig und lange geklatscht, das Publikum hat noch nicht genug K`s Choice, noch nicht genug von diesem mitreißenden Zauber. „I Can Better Than You“ stellt die zarte Sängerin mit kräftiger Schnips-Unterstützung des Publikums locker, luftig auf die Bühne. Das Auftauchen der übrigen Bandmitglieder nutzt sie dann, um sie vorzustellen – ganz zu Ende des Konzerts. Dank geht auch an die „handsome men“ der Technik und an das die ganze Zeit über stehende, gefühlvoll mitwirkende, mitgehende Publikum.

„Let It Grow“ lässt die Zuschauer noch einmal sehr wach werden, mitsingen und tanzen, bevor das Konzert mit „My Heart“ zu einem ruhigen, zarten, poetischen Ende kommt, ein Konzert, das uns zwar nicht müde getanzt, aber durchaus zufrieden und emotional gesättigt wieder in die Kälte entlässt. Die „Wundertüte Little Echoes“ werde ich wohl zuhause gerne immer mal wieder öffnen und mir dabei die besonders schöne Stimmung des heutigen Abends in Erinnerung rufen.