Michael Fitz: zur besten „Tatort“-Zeit live im Georg-Wilhelm-Haus Birkenfeld

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DATUM» 28.10.2012
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Die meisten kennen das Gesicht und den Namen Michael Fitz, da er seit 1977 in diversen Fernsehproduktionen als Schauspieler aktiv ist und unter anderem 17 Jahre lang Kriminaloberkommissar Menzinger im Münchner „Tatort“ verkörperte. Allerdings macht der gebürtige Münchner auch seit 1984 sehr erfolgreich Musik und hat sage und schreibe zwölf Alben veröffentlicht. Das aktuelle Werk trägt den Titel „Wenn I schaug“ und enthält soviel neues Material, dass gleich ein Doppel-Album herhalten musste.

Vergangenen Sonntag war er in Birkenfeld zu Gast – mit seinem Soloprogramm gleichen Namens. Das Georg-Wilhelm-Haus war bis zum letzten Platz gefüllt und tosenden Applaus gab es schon als Vorschuss, als Fitz die Bühne betrat. Er bestreitet sein Soloprogramm tatsächlich ganz allein, auf einem Barhocker, Mikro vor der Nase und eine ganze Reihe akustischer Gitarren links neben sich.

Ich gebe zu: Man braucht etwas Zeit, um sich in den bayrischen Dialekt rein zu hören. Aber mit seiner sonoren Stimme macht Fitz das dem geneigten Zuhörer recht leicht. Bei den Ansagen ist er jedenfalls besser zu verstehen als mit den Songs. Seine ganze Art – die Ehrlichkeit und Authentizität, mit welcher er erzählt, macht ihn von Beginn an sympathisch. Im ersten Teil des Konzerts soll es um Gefühle gehen – und zwar solche von Männern. Ein heikles Thema. Vor allem, da mehr als zwei Drittel des Publikums weiblich sind. Und für die zweite Hälfte hat Fitz sich noch Größeres vorgenommen: Beziehungen!

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Die Lieder sind allesamt akustisch ausgerichtet. Immer reichen das versierte Gitarrenspiel des Sängers und sein ruhiger Gesang dazu, Atmosphäre zu schaffen. Um mich nicht zu blamieren, lasse ich mich besser nicht zu den textlichen Feinheiten aus. Michael Fitz singt emotional und bisweilen sehr humorvoll. Sein Programm folgt einem roten Faden und er beackert die vorgegebenen Themen mit Leidenschaft. Er entblößt seine Emotionen, präsentiert sich „Nackert“, berichtet in „Du siegst mi ned“ vom Sohn, der um die Aufmerksamkeit seines Vaters buhlt, lästert in „120 Kilo blau“ über die künstlerische Leidenschaft seiner Frau oder verrät mit „Bescheissn“, worauf es im Leben ankommt.

So hat Fitz sein Publikum fest im Griff, präsentiert sich humorvoll, herausfordernd, oft auch sehr nachdenklich. Er fragt „Wuist du mi no?“ und kommuniziert mit dem „Deifi“ (hier eher als innerer Schweinehund zu verstehen). Und dann beginnt die Paartherapie. Was tun, wenn die Beziehung auf Eis liegt? „Wuid zeltln“ heißt die Lösung. Und ganz und gar schlüpfrig werden die Ideen, wenn im Bett nichts mehr läuft: „Wenns das du net machst dann machs halt i, und zwar ohne di“. Fitz bringt nicht nur die Frauen zum Singen – auch die Männer. Und das Georg-Wilhelm-Haus vibriert in tiefster Bass-Lage.

Der vergnügliche Abend endet nach weit über zwei Stunden. Fitz zeigt sich nah an den Fans, sitzt selbst am Merchandise und signiert seine CDs. Eine perfekte One-Man-Show. Auch wenn man nicht jedes Wort verstanden hat: Der Bayer hat seine Botschaft an die Leute gebracht.

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Das nächste Konzert von „AndersWelt Event“ wird es erst am 16. März 2013 geben. Dann ist wieder Ray Wilson an der Reihe und zelebriert „Genesis vs. Stiltskin“. Ich freu mich drauf.