Mit Magnum und Saga haben zwei Kultbands des Progressive Rock die Garage Saarbrücken erobert

DATUM» 15.05.2014
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Die Kombination, in der zwei Vorreiter des Progressive Rock momentan unterwegs sind, hat es in sich. Beide sind seit den 70ern aktiv. Magnum ist eher dem AOR zuzuordnen, Saga dem Neoprog. Wenn sie jetzt auch im Doppelpack und als Double-Headliner auftreten, merkt man doch, dass Saga die Hosen an haben. Passend zum in Kürze erscheinenden neuen Album „Sagacity“ dürfen sie nämlich ein grandioses Bühnenbild auffahren. Das aber erst im zweiten Teil.

Den Anfang machten nämlich Magnum mit einem 85minütigen Set. Auch sie haben ein aktuelles Album: „Escape From The Shadow Garden“, das (wenn ich richtig gezählt habe) immerhin mit drei Songs gewürdigt wurde. Bob Catleys Stimme ist immer noch überaus prägnant, auch wenn er sichtbar alt geworden ist und in den hohen Tonlagen stark nachlässt. Egal – eine Legende will man genau so in Aktion erleben. Eigentlich hatten die Briten doch schon vor Jahren “The Last Dance” eingeleitet, aber schnell waren sie wieder da und liefern weiterhin in kurzen Zeitabständen melodische Hardrock-Alben, die vor allem Nostalgiker erfreuen. Epische Texte, griffige Riffs, ab und zu balladeske Klänge. Mehr will man gar nicht. Geliefert wird purer Hardrock, allerdings in relativ ruhiger Form. Magnum sind musikalische Geschichtenerzähler in Reinkultur. Dicker Applaus war ihnen auch von den reichlich vorhandenen Saga-Fans sicher.

Dann aber kamen Saga mit ihrem Frontmann, der lange Zeit im Saarland lebte und somit eine Art Heimspiel hatte („Saarbrücken – ich bin zuhause!“). Michael Sadler ist seit 1977 mit dabei, hat sich aber von 2007 bis 2011 eine vierjährige Auszeit genommen. Ersatz war der Final Frontier-Sänger Rob Moratti, dessen Stimme mit Sadler so gut wie nichts gemein hatte. Ein völliger Neuanfang, dem allerdings keine lange Dauer beschieden war, da sein Vorgänger mit neuem Elan zurück kehrte. Saga tendieren seit Jahrzehnten dazu, ihre Konzerte als Best-Of-Interpretationen im Retro-Sound zu gestalten. Die Klassiker aus der Zeit Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre werden allesamt gespielt – neue Songs fristen ein Schattendasein.

1982 gab es das Saga-Livealbum „In Transit“. Ein Mitschnitt, der definitiv in jedes CD-Regal gehört. Massig Stücke vom damaligen Live-Set wurden jetzt auch 32 Jahre später geboten. „Don’t Be Late“, „On The Loose“, „You’re Not Alone“ – alles, was das Herz begehrt. Sadlers stimmliche Fähigkeiten waren überragend und er sang immer noch so wie zu den Anfangstagen der Band. Prägnant, mit der für ihn typischen Klangfärbung und absolut perfekt. Da gab es keinerlei Aussetzer in Höhen und Tiefen. Nur sein Aussehen hat sich verändert: Die einstige Haarpracht ist einer Vollglatze gewichen.

Auch der Sound lebte absolut in der Vergangenheit: viel großflächiges Keyboard, die immer gleichen Soli. Wer ein Saga-Konzert besucht, kann und muss sich auf eine Reise in die Vergangenheit gefasst machen. Fans der „neueren“ Alben (und dabei spreche ich von der großen Mehrheit ihres Outputs) kommen nicht auf ihre Kosten. Das muss man wissen und kann sich dann vor der Zugabe auf weitere Klassiker namens „Humble Stance“ und „Careful Where You Step“ sowie schließlich auf den Hit-Rausschmeißer „Wind Him Up“ freuen. Großes Plus der Kanadier ist Sadlers hervorragende Stimme und sicher auch die Spielfreude in den ausufernden Keyboard-Parts. Die Abmischung im Sound war zudem glänzend. So konnte man gut bis zum Schluss durchhalten und zufrieden in die Gegenwart zurück kehren.