Netsky bringt die Live Music Hall in Köln zum Beben

DATUM» 19.01.2013
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Elektronische Musik ist ja nicht zwingend für jeden etwas, vor allem bei Konzerten. Schwer kann man sich mehr vorstellen als mit dem Kopf auf- und abzunicken und vielleicht noch mit dem Beat irgendwelche verzweifelt aussehenden Tanzschritte auszuführen, um das andere Geschlecht zu beeindrucken. Seit Netsky weiß ich, dass unsynchronisches Springen, Pogen, ja sogar Crowdsurfing ein fester Bestandteil der Elektro-Szene bei Konzerten sind.

An diesem wirklich arschkalten Abend geht es wieder einmal in die dreckige Live Music Hall mit ihren dreckigen Gemäuern, dreckigen Toiletten und – das Schlimmste – ihrem dreckigen Sound. Naja, immerhin ist zu Letzterem ein Trend zu sehen, der seit den letzten Konzerten nach oben geht – und Netsky sollte diesbezüglich noch eins drauf setzen.

Mit einer geschlagenen Stunde Verspätung betritt der Belgier mit Band in Form von zwei elektronischen Drums und einem Sänger die Bühne. Was darauf in den nächsten 90 Minuten folgt, kann getrost als „Abriss par excellence“ bezeichnet werden. Das Publikum ist von Anfang Feuer und Flamme für den erst 23-Jährigen. Es wird textsicher mitgesungen, im Beat gesprungen und gepogt (nicht vergessen, wir sprechen hier von elektronischer Musik) und – verdammt, war das da etwa ein Crowdsurf in den vorderen Reihen? Der Crew auf der Bühne merkt man den Spaß richtig an. Warum sollten sie auch Trübsal blasen, bei einem Publikum, welches sich von der besten Seite präsentiert. Highlights wie „Every Day“ und „Come Alive“ werden natürlich frenetisch gefeiert, doch auch das großartige „We Can Only Live Today“, inklusive Background-Gesang darf hier nicht unerwähnt bleiben.

Dieser Schnupperkurs in die Welt der elektronischen Konzerte hat sich durchaus bezahlt gemacht. Am Ende steht eine schwitzende Menge vor einem Künstler, der selber ein wenig perplex dreinguckt und sich denkt: „Ja Mensch, das kann ich also mit meiner Musik auslösen. Nicht schlecht“!