Neurotic Deathfest 2013 „Gore, Guts and Blastbeats“, Tilburg

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Das Neurotic Deathfest ist das größte Indoor-Festival Europas in Sachen Extrem-Musik. Wer jetzt schon denkt, das klingt nach Stress und Nerven-Überbelastung, der hat weder das Line-Up noch die entspannten Besucher dieses genialen Festivals gesehen. Auf der 10-Jährigen-Jubiläumsedition spielen Carcass, Repulsion, Death to All und viele mehr. Aber nicht nur Größen aus dem Death Metal und Trash Metal sind vertreten, sondern auch Grindcore Bands wie Pig Destroyer haben hier einen Platz. Menschen aus 31 Nationen wollen an diesem Event teilnehmen. Die Breite an Extremen lässt sich bei drei Bühnen und 45 Bands kaum erfassen, aber hier ein Einblick, welche Bands ich sehen konnte!

Venue 013Als ich am Freitag in Tilburg ankam, musste ich schon staunen. Das 013 ist mit Abstand einer der schönsten und elegantesten Veranstaltungsorte, den ich je gesehen habe. Es hat drei Bühnen verschiedener Größe mit eingebautem Parkplatz. Im Foyer kann Bier getrunken werden und gleichzeitig läuft über eine Anlage die abgemischte Band aus dem jeweiligen Raum. Ein wirklicher Prachtschuppen, um es einmal in meine Worte zu fassen. Wer die Chance hat, hier eine Band zu sehen, sollte sie nutzen.

Iniquity haben die Ehre, das heutige Festival zu beginnen. Die aus Kopenhagen stammenden Dänen hatten sich 2004 nach 12 Jahren Tätigkeit aufgelöst, aber letztes Jahr ihre Reunion gefeiert. Gefeiert trifft es genau! Die Mitbegründer des Technical-Death haben hier einen wirklich großartigen Einstand. Es sind sogar neue Aufnahmen nach fast 10 Jahren in Planung. Wir können gespannt sein.

Decapitated sind die erste Band mit Circle Pit und viel Bewegung vor der Bühne. Die Polen haben fast ausschließlich Songs von ihrem Album „Carnival Is Forever“ dabei und haben damit das Publikum auf ihrer Seite. Nach diesem Festival geht es direkt herüber in die Staaten auf Tour mit Lamb Of God. Die Warm-Up Show war schon sehr erfolgreich. Ich wünsche den Herren dort viel Spaß.

Das Neurotic Deathfest steht für Reunion-Bands in dieser Edition und Gründer der verschiedenen Metal-Genre. Morbid Saint ist eine US-amerikanische Thrash-Metal-Band, die sich im Jahr 1986 in Sheboygan, Wisconsin gegründet hat, sich im Jahr 1993 trennte und 2010 wieder zusammenschloss. Morbid Saint hat schnelle Beats im Blut. Sänger Jim Fergades schreit in Kreator-Manier und freut sich endlich wieder Songs in Europa spielen zu dürfen. Ihre Kompilation „Thrashaholic“ lässt die Mainstage ganz schön zittern, während alle headbangen.

Devourment sind für mich eines der vielen Highlights. Die Könige des Slam-Death sind verdammt schnell und laut unterwegs. Die passende Soundwand gibt ordentlich Druck und ballert auf die Besucher hernieder. Jeder, der behauptet, dass Devourment mit ihrem neuen Album nicht mehr brutal genug sind, sollte sich diese Herren im Jahre 2013 live geben. Sie sind besser als je zuvor.

Band Death Jetzt kommen wir schon zum Headliner des ersten Abends – Death to All. Die eigentlich mit dem Namen Death bekannten Herren sind die Gründer des Death Metals. Sie spielen nach 10 Jahren Pause auf dem Neurotic eine exklusive Show, die Leute aus der ganzen Welt nach Tilburg hat kommen lassen. Im Set haben sie wirklich Songs aus allen Alben von 1987 bis 1998. Was für einen Jubel und Applaus die Band bekommt, ist verständlich. Für den verstorbenen Sänger Chuck Schuldiner sprang an diesem Abend Charles Elliott von Abysmal Dawn an den Vocals ein, der einen wirklich großartigen Job leistet. Ich bin froh, bei dieser Show dabei gewesen zu sein. Diese Band hat viele beeinflusst und wird es bestimmt auch noch weiter tun. Ein großartiger Headliner!

Am nächsten Morgen merkt man einigen Leute doch die übertriebene Feierei der letzten Nacht noch an. Zwar schauen sich viele die US-Grinder von Enemy Reign an, aber sie wirken doch noch sehr verkatert oder die Uhrzeit von 15 Uhr passt ihnen nicht. Die Band scheint sich nicht daran zu stören und gibt ordentlich Gas!

Der Andrang bei den Kolumbianern von Internal Sufferung scheint schon eher da zu sein. In den letzten Jahren haben sie mit Bands wie Cannibal Corpse die ganze Welt bespielt und zeigen, dass auch der Metal in Südamerika sehr aktiv und begehrt sein kann.

Jetzt spielen Pig Destroyer auf der Mainstage. Ich konnte mir diese impulsive Show schon letztes Jahr auf dem Ieper Festival geben und Pig Destroyer haben nichts von dieser Energie verloren. Es ist beachtlich, wenn eine Band mit Schlagzeug, Gitarre und völlig ohne Bass mehr scheppert als die meisten Brutal-Death Bands. Die Band groovt und blastet sich durch ihr Set, als müssten sie in ihrer Spielzeit 50 Songs durchzocken. Hier wird ordentlich Dampf abgelassen. Wie bekannt, gibt es keine Ansagen, außer dass sie ihr Set dem frisch verstorbenen Slayer-Gitarristen Jeff Hanneman widmen. Die beste Show auf diesem Festival! Sie kommen im Juli schon wieder auf Tour durch Europa. Nicht entgehen lassen!

Wird die bisherige ‚Welche-Band-siehst-du-jetzt-an‘-Aktion ganz klar bestimmt, musste ich mir die Sets von Wormed und Immolation teilen, da ich beide unbedingt sehen wollte. Die Spanier von Wormed haben mit ihrem Sci-Fi Metal ein kleines Kontrastprogramm zu bieten. Die elektronischen Elemente wirken nach einem Tag purem Metal total experimentell, während fast zur gleichen Zeit auf der Mainstage Immolation ihren bekannten New Yorker Death-Metal spielen. In wenigen Tagen wird ihr neues Album „Kingdom of Conspiracy“ veröffentlicht. Ein wirkliches Monster an komplexen Rhythmiken und Dissonanzen! Drummer Craig Smilowski ist ein wirklicher Meister an seinen Fellen. Ich freue mich aufs kommende Album.

Musikalisch endlich wieder dem Grind gewidmet, spielen jetzt Repulsion. Sie gelten als die meist beeinflussende Grindcore Band der Welt. Sie sind 1984 als Metallica-Cover-Band gestartet und haben bis 1989 an ihrem Stil gefeilt. Es ist einfach schön zu sehen, dass Bands nach 20 Jahren ohne Veröffentlichungen noch so gefragt sind. Die meisten Künstler sind nach zwei Jahren ohne Album komplett vergessen, besonders in der Rock- und Pop-Welt. Den Trash-Metal-Einfluss der Anfangstage hört man noch heraus, aber auch genauso den Einfluss, den Repulsion auf heutige Grind-Musiker hat.

Leises Intro, darauf folgt lautes Gitarrendröhnen! Carcass stehen auf der Bühne. Die Extrem-Metaler aus dem kalten England sind die meistbesuchte Band auf diesem Festival. Die Mainstage ist bis auf den letzten Platz gefüllt und alle sind auf die kommende Show gespannt. Carcass bieten einen perfekten Mix aus melodischen Death-Metal und Grindcore, der es in sich hat. In ihrem Set sind Songs wie „Buried Dreams“ und „Exhume to Consume“. Alle Besucher in Tilburg sind auf gute Laune gestimmt und freuen sich über jeden Song, den die Band heute anklingt. Unter lauten Zugaberufen gibt es dann noch „Heartwork“. Damit habe ich eine der wichtigsten „Have-Seen“-Bands der Metal-Geschichte gesehen.

Fron 013 VenueDer Sonntag hat genauso ein straffes Paket an Bands, die ich unbedingt gerne sehen möchte, wie an beiden Tagen zuvor. Darum stehe ich schon um 14.30 bei Defeated Sanity an der Mainstage. Die Deutschen sind der Exportschlager im Untergrund Metal. In jedem Land beliebt und gefragt, kann ich heute nichts Schlechtes berichten. Der härteste Festival-Opener, den ich je sehen durfte!

Frisch aus dem Tourbus direkt auf die Bühne schaffen es gerade noch Decrepit Birth! Sänger Bill Robinson zeigt sich als klarer Entertainer mit grandiosem Ausdrucktanz. Seine Texte sind alle philosophisch angelegt und handeln von einem Paralleluniversum. Aber nicht nur er ist ‚originell‘, der Rest der Kombo aus Kalifornien hat wirklich spieltechnische Raffinessen zu bieten. Alle gespielten Songs sind auf ihrem Album Polarity zu hören. Decrepit Birth könnten sich ruhig öfters in Europa blicken lassen. Die Nachfrage ist vorhanden.

Partystimmung gibt es dann bei Exhumed kurze Zeit später. Die Oldschool Deather bringen mit ihrem Grind die müden Knochen um 18 Uhr endlich zum Erwachen. Sänger Harvey grinst über die ganze Zeit und animiert die Leute, sich im Pit zu bewegen. Den Neurotikern gefallen am besten Songs von „All Guts, No Glory“.

Richtig zum Stagediven und Rumhüpfen kommt es erst später zu Magudergrind. Drei-Musiker, wie bei Pig Destroyer ohne Bassisten, geben es auf der Second-Stage eine geniale Clubshow. Blastbeats, aggresive Shouts und eine wirklich energiegeladene Performance jedes Bandmitgliedes!

Besucher MainstageAuf der Mainstage spielen jetzt die Tech-Death Helden Cryptopsy. Diese Herren bieten einfach eine wahnsinnige Show. Wie sauber Menschen auf dieser Geschwindigkeit spielen können, ist manchmal unbegreiflich. Ihre neue Platte wurde nicht über ein Label veröffentlicht, sondern von der Band selbst. Es gibt auch nur Songs von diesem Album, welches schon zu Beginn der Tour zügig ausverkauft war. Man kann es anscheinend auch ohne Label schaffen. Matt McGachy hat für seine schmale Figur das Organ eines Gorillas und fordert das Publikum immer wieder zum Headbangen und Mitshouten auf. Cryptopsy ist ganz klar wieder eine Live-Erfahrung wert.

Jetzt kommen wir schon zu den letzten beiden Bands des Neurotic Deathfest – Unleashed und Cattle Decapitation. Die Deathgrinder von Cattle Decapitation haben auf der Second-Stage volles Haus. Jeder kennt die Showeinlagen von Sänger Travis, der nicht nur mit seinem mächtigen Organ die Leute zum Staunen bringt, sondern auch durch seine Nähe zum Publikum. „Monolith of Inhumanity“ hat viel positive Kritik bekommen und hat es auch in meine Top-Ten Liste 2012 geschafft.

Unleashed sind nicht nur eine der besten Death-Metal Bands, sondern auch ein würdiger Headliner für das Neurotic Deathfest. Schwere Gitarrenwände und schnelle Wände werden mit der dunklen Stimme von Johnny Hedlund verbunden. Der beste Song in ihrer Setlist ist für mich „This Our World Now“. In diesem Song hört man den Einfluss, den die Band auf den Black Metal zur damaligen Zeit hatte. Mit viel Applaus werden die Finnen nach einer Stunde entlassen.

Drei Tage voller Metal liegen hinter mir! Es waren wirklich großartige Musiker dabei, auch welche, die man unbedingt als Metal-Fan gesehen haben sollte, aber auch neue Bands fürs Plattenregal. Ich bedanke mich bei Frank von Zoo für dieses Spektakel. Eines der besten Festivals, das ich jemals besuchen durfte! Auf 10 weitere Jahre Neurotic Death Fest!!!

2 Kommentare

  1. oh, sleap hat vollkommen recht!
    charles hilft bei den us-shows aus!
    sorry. war aber trotzdem en spitzen set von den herren 🙂

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