Pain of Salvation Tour 2012 Support: Cryptex, Zeche in Bochum

Pain of Salvation Tour 2012 Support: Cryptex, Zeche in Bochum
DATUM» 17.03.2012
ARTIST» ,
VENUE»

Pain of Salvation gehören definitiv zu den Bands, bei denen man eigentlich nur den Kopf darüber schütteln kann, dass sie sich in den 20 Jahren, seit denen es sie gibt, noch nicht zu einem Riesenact, wie Dream Theater oder Porcupine Tree es sind, entwickelt haben. An der Musik kann es nicht liegen, denn die Kreativität, mit denen Daniel Gildenlöw und seine Mitstreiter die musikalische Entwicklung der Band vorangetrieben haben, ist unvergleichbar. So sind Pain of Salvation auch heute noch eher ein Geheimtipp, was sehr schade ist. Dass an diesem Abend die Zeche Bochum nicht voller ist als vor anderthalb Jahren, ist mir ein Rätsel. Alle, die diesen Gig verpasst haben, haben sich wirklich eine der brillantesten Bands unserer Zeit verpasst. So!

Als Support-Act geben sich an diesem Abend die deutsche Band Cryptex die Ehre. Mit einer sehr charmanten Mischung aus Folk und Progressive Rock schaffen es Sänger und Keyboarder Simon Moskon und seine beiden Mitmusiker, das Publikum innerhalb von wenigen Minuten zum Kochen zu bringen. Eine Menge seltsamer Instrumente kommen dabei zum Einsatz – unter anderem eine Sansula (das muss man googlen) und ein Didgeridoo. Moskon wird nicht müde, die Menge zu animieren (unter anderem sogar zum Boo-Rufen) und beeindruckt durch starken, sehr souligen Gesang und nicht zuletzt durch amüsante Tanzeinlagen. Fazit: Eine sehr energiereiche und unterhaltsame Show (leider viel zu kurz) mit grandioser Musik. Von der Band muss man auf jeden Fall mehr sehen.

Nach einer halbstündigen Umbaupause ist es dann auch schon Zeit für den Hauptact. Die Frage, die sicherlich den einen oder anderen an diesem Abend beschäftigt, ist, wie das neue Line-Up sich auf der Bühne macht. Gleich drei neue Musiker sind auf dieser Tour, nachdem Gitarrist Johan Hallgren und Keyboarder Fredrik Hermansson letztes Jahr ihren Ausstieg aus der Band bekanntgaben. Von dem Line-Up, das 2010 auf der gleichen Bühne stand, sind nur noch Sänger Daniel Gildenlöw und Drummer Léo Margarit geblieben. Um den Skeptikern sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen. Gildenlöw hat das schier Unmögliche geschafft, nämlich innerhalb kürzester Zeit eine Band zusammenstellen, die die Musik der Band so perfekt performt wie nie zuvor. Gitarrist Ragnar Zolberg, Keyboarder Daniel Karlsson und Bassist Gustaf Hielm liefern eine Show ab, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, als in PoS zu spielen. Auch wenn der kleine dünne Zolberg mit seiner etwas ungesunden Haltung das totale Gegenteil des muskelgepackten zähnefletschenden Hallgren ist, an seinem Instrument ist er mindestens genau so perfekt.

Los geht’s mit einer schief geflöteten Version des 20th Century Fox Themas aus den Lautsprechern, das in das Road Salt Thema übergeht. Daniel Gildenlöw betritt, wie gewohnt barfüßig, und strahlend wie ein Pfannkuchenpferd die Bühne und die Band steigt mit „Softly She Cries“ direkt auf das Gaspedal.  Es folgen zwei Stunden Glückseligkeit mit einer ausgewogenen Mischung aus alten und neuen Songs. Überraschenderweise wird der Klassiker „Ashes“ schon als zweiter Song – naja, ein bisschen verheizt, wir alten Fans wissen es trotzdem zu schätzen. Natürlich fehlen neuere Songs wie „Linoleum“, „The Deeper Cut“, „No Way“ und „1979“ nicht. Vor allem ist es schön, dass sie mit ihrem sehr den Siebziger-Jahre verhafteten erdigen Sound trotzdem nicht gegenüber den alten, viel progressiveren und düsteren Nummern wie „Enter Rain“, „The Perfect Element“ oder „Iter Impius“ abstinken.

Während des gesamten Konzerts beweist Daniel Gildenlöw nicht nur sein phänomenales gesangliches  Können sondern auch sein Talent als Unterhalter. Die Interaktion mit dem Publikum wird bei „Healing Now“ richtig auf die Spitze getrieben, als die Band sich mit ihren „tiny instruments“ auf die Bühne setzt und Gildenlöw das Publikum mehrfach zum Tanzen auffordert und es dazu animiert, sich im Kreis zu drehen, natürlich nicht ohne es selbst vorzumachen. Als Zugabe gibt es dann unter anderem eine sehr coole Coverversion von „She“ von Kiss, wofür sich Daniel an die Drums setzt und Ragnar Zolberg sich ans Mikro begibt. Nach „Enter Rain“, einem starken Stück, das noch nie zuvor live gespielt wurde und dem quirligen „Physics of Gridlock“ schließen Pain of Salvation diesen genialen Abend mit der Hymne „Sisters“ ab. Ein sehr ruhiger Ausklang für eine explosive und unvergessliche Show. Auch wenn ich persönlich mir noch „Undertow“ gewünscht hätte und der eine oder andere gerne wieder in den Genuss von „Disco Queen“ gekommen wäre, der Abend in der Zeche war perfekt so wie er war. Danke!