Pete Doherty in der LMH, Köln am 22.02.2017

Photo credit: Rainer Keuenhof
DATUM» 22.02.2017
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Lieber Pete,

ich habe lange überlegt, wie ich diesen Bericht aufziehen soll: Manchmal kann man den Künstler mit Boulevard-Floskeln umschmeicheln à la „Er hat das Publikum zum Beben gebracht“ oder darüber philosophieren ob das Bühnenbild zu monoton, der Sound zu matschig (war er sogar ein wenig) oder die Songauswahl nicht gut war.

Über all das kann man philosophieren, berichten und schreiben, aber Pete mal jetzt ganz ohne Scheiß: Willst du mich eigentlich verarschen? Ich mein, hey I Don’t Love Anyone (But Not Just Anyone) kommt im roten Bühnenlicht als Opener nahezu einer aufrichtigen Liebesbekundung gleich. Auch Hell to Pay at the Gates of Heaven fetzt und du machst dem Song alle Ehre, als du die Lyrics zu Ernst nimmst und tatsächlich „down tumblest“.

Doch das Ganze machst du über zwei Stunden, lallst und rotzt die Lyrics deiner 17 Songs aus der Nase heraus und – das Beste – ganze zwei (!!!) verschissene Techniker hast du auf der Bühne, die nur dafür zuständig sind dein verdammtes Mikro wieder herzurichten, wenn du es auf den Bühnenboden oder einfach direkt in die Menge wirfst? Deine Band steht teilweise ziemlich bedröppelt in Schuluniform daneben, zählt für dich ein und untermalt deine Brocken von Wortfetzen mal mit Geige, mal mit Keyboard und immer mit Gitarre. Alles schön anzuhören, abgesehen vom leiernden Gesang. Und ja, Last of the English Roses kann auch was.

Zum Glück hast du den Kram deiner alten Bands wie Fuck Forever und Don’t Look Back Into the Sun nicht vergessen, ansonsten wäre ein Blocksturm für das Gebotene das Mindeste gewesen. Das Velvet Underground Cover Ride Into the Sun verhaust du aber dank ausgestecktem Mikro trotzdem voll und ganz. Dabei weiß ich nicht mal, ob ich dich nur für Abschaum halten oder dir eine Rockstar Attitüde anerkennen soll, die nur noch ganz wenige haben: Weg von den aalglatten Scheißern, die ohne Hirschrücken in Rotweinsauce nicht mehr auftreten wollen. Du sniffst noch die kleinen weißen Linien vom Hintern deiner Keyboarderin, während du dir den Whiskey intravenös spritzt.

Also lieber Pete: Was willst du mir in diesen zwei Stunden sagen voller Pleiten, Pech und Pannen mitteilen? Die Menge feiert dich (zum Großteil) trotzdem und deine Scheiß-Auf-Alles Attitüde, da schrecken auch keine 45€ Ticketpreise ab. Mich lässt du verwirrt, leicht angeekelt und trotzdem fasziniert zurück.

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Letzte Aktualisierung am 19.10.2017 um 10:22 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API