Ralf Schmitz in Trier: Da wird das ExHaus zum Seniorenheim

Photo credit: Robert Recker
DATUM» 06.05.2017
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Seit über 10 Jahren erobert Top-Comedian Ralf Schmitz die Bühnen im deutschsprachigen Raum. Hundertausende Fans sorgen seit fünf Solo-Tourneen und zwei Bestseller-Lesereisen quer durch die Republik für stetig wachsende Zuschauerzahlen. Wenn er eine Bühne betritt, dauert es keine zwei Minuten und der Saal ist am Toben. So geschehen auch gestern in der Europahalle Trier. Dabei braucht der rheinische Wirbelwind, die lebendig gewordene Starkstrombatterie auf zwei Beinen gar kein besonderes Thema. Er erzählt von seiner Katze, der Mama oder – wie momentan – von seiner Schulzeit. Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sind und bei denen jeder irgendwie mitreden kann.

Das neue Soloprogramm heißt SCHMITZENKLASSE und es startete mit einer Publikumsrunde, in der Ralf zunächst einmal seine Zuschauer kennen lernen wollte. Dafür ging er auf Tuchfühlung und setzte sich auch gerne mal der Dame in der zweiten Reihe auf den Schoß. Er unterhielt sich lange mit Claude aus Luxemburg, der nur 45 Minuten Fahrtzeit zum Auftritt gebraucht hatte – vermutlich in einem Überschalljet. Die Infos, die der Comedian hier gesammelt hatte, sollten immer wieder in die Themen einfließen. Das macht Ralfs größtes Talent aus – und natürlich seine Improvisation. Er brauchte passende Stichwörter, und die gab ihm das Trierer Publikum zu Genüge. So konnte einem nur schwindelig werden, wenn Ralf Schmitz Tirade um Tirade von der Bühne hämmerte.

Die Impro-Ideen sind aus dem Fernsehen schon hinlänglich bekannt, doch Schmitz hat ein Talent, diese um neue Einfälle zu bereichern. Zwei Zuschauer erfanden und spielten mit ihm zusammen den Horrorfilm „Der Tintenkiller“. Es gab Vergleichsbilder der Schulzeit früher und heute (Bild 1: Springseil und Hüpfkästchen, Bild 2: Zombies, die aufs Smartphone starren). Dann wollte Ralf den Unterricht von heute mittels bekannter Fernsehsendungen interessanter gestalten: Adam und Eva waren Teilnehmer in „Bauer sucht Frau“, Noah machte Vermittlungsversuche in „Tiere suchen ein Zuhause“, Udo Lindenburg gab in „Sing meinen Song“ die zehn Gebote zum Besten, Lanz moderierte einen Talk zur jungfräulichen Geburt und Calli feierte in der „Kocharena“ die Brot- und Fischvermehrung. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Der Comedian war überdreht, hyperaktiv, hektisch, laut schreiend, ständig im Mittelpunkt. Kurz vor der Pause ein Schmitz-Klassiker: Ralf erzählte einen Tag im Leben von Heike aus Leiwen, die die Richtigkeit der Aussagen mit einem Klingeln bestätigte oder mit einem Hupen verneinte. Danach war Zeit zum Atemholen – knapp 20 Minuten lang.

Wo nahm er nur die Energie her, um nach kurzer Erholung wieder voll unter Strom auf der Bühne zu stehen? Zum Aufwärmen gab es Anekdoten von der Französischlehrerin, bevor Ralf zwei Zuschauer auf die Bühne holte und einen Abend im Restaurant nachspielte. Dabei war er aber kein gewöhnlicher Kellner, sondern wechselte in unterschiedliche Berufe, die das Publikum vorher ausgewählt hatte. Grandios! Religion und Latein blieben beliebte Themen: Ralf erzählte von seinem Messdienerleben und übersetzte die katholische Messe recht eigenwillig ins Lateinische.

Stars des Abends waren aber Alma und Eckart aus Mertesdorf – seit 47 Jahren verheiratet und vom Schwiegersohn für ein Interview vorgeschlagen. Ralf war so begeistert von den beiden, dass sich das Gespräch sehr lange hinzog. Er erfuhr, dass sie sich vor 52 im Jugendzentrum Exzellenzhaus beim Tanzen kennen gelernt hatten. Das gibt es übrigens heute noch, ist aber (wie Schmitz meinte) nach 52 Jahren „jetzt vermutlich ein Seniorenheim“. Highlight dieser Aktion war ein Musical, das Ralf gemeinsam mit einem Pianisten zum Leben von Alma und Eckart improvisierte. Er kann leidlich gut singen – doch seine Ideen sind überwältigend gut, und konnten fast zu Tränen rühren, auch wenn es meist Lachtränen waren.

Als Zugabe wurde der 20jährige Jannes zum Puppenspieler, der Ralf Schmitz in seiner Paraderolle als Marionette „bedienen“ und mit ihm zusammen einen Toilettenbesuch durchführen musste. Nach über zwei Stunden Programm war keiner wirklich schlauer, aber der Abend hatte allen gefallen und selbst verzweifelte Schüler und Lehrer auf andere Gedanken gebracht. Stilgerecht bedankte sich Schmitz bei allen Mitwirkenden mit einer Rose. Eine tolle Geste, die mit Standing Ovations belohnt wurde.

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Letzte Aktualisierung am 19.09.2017 um 05:51 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API