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Rammstein 19.06.2022 Merkur Spiel Arena / Düsseldorf

Rammstein: Deutschlands NDH-Exportschlager gibt noch immer „Feuer frei“

Brachial, laut, eine Liveshow mit Pyroeffekten und Bombast, die ihresgleichen sucht – wenn Rammstein ein Gastspiel gibt, wird Großes erwartet und entsprechend auch abgeliefert. Am vergangenen Wochenende war die Band für zwei Konzerte in Düsseldorf in der Merkur Spiel Arena zu Gast. Insgesamt rund 90.000 Besucher sahen die ausverkauften Shows. Die Konzerte sind Teil der schon 2019 gestarteten Tournee und mussten in den vergangenen Pandemie-Jahren immer wieder verschoben worden. Das Sextett nutzte die Live-Pause, um ein neues Album zu produzieren: „Zeit“ erschien Anfang März 2022.

Die martialisch anmutende Bühne wird bereits Tage vorher aufgebaut, 60 Meter breit, 30 Meter tief und rund 36 Meter hoch ist das Ungetüm aus Stahl. Die Crew ist mit über hundert Menschen und zwei mobilen Kränen rund vier Tage lang mit dem Aufbau beschäftigt. Etliche Trucks transportieren über 1300 Tonnen Equipment für die Tour durch Europa.

Für das Spektakel beginnt der Einlass bereits um 16 Uhr – los geht es am Abend erst gegen 19.30 Uhr mit dem Duo Jatekok, zwei französischen Pianistinnen, bevor der Hauptact rund eine Stunde später die Bühne betritt. Die Show beginnt mit großem Knall und dem Opener des neuen Albums. Zu den Klängen von „Armee der Tristen“ betreten die sechs Musiker die Bühne, schwarze Rauchwolken hüllen die Arena in ein schmutzig-graues Flair; passend zum Industrial-Look der Musiker wie der Aufbauten. Und damit startet, was seit fast 30 Jahren Rammstein ausmacht und in der über zwei Stunden dauernden, minutiös durchchoreographierten Show das Publikum fesselt: Eine wahre Soundwand aus harten Gitarrenriffs von Richard Kruspe und Paul Landers, simplen, aber eingängig-brachialen Schlagzeug- und Bassrhythmen von Christoph Schneider und Oliver Riedel – alles unterlegt mit elektronischen Synthesizerklängen, für die Christian „Flake“ Lorenz zuständig zeichnet, und dem lyrischen Spiel aus Provokation und Kontroverse, vorgetragen von der Bariton- Stimme Till Lindemanns. Das Erfolgsrezept mit Exportgarantie funktioniert in gleichbleibender Besetzung seit Jahrzehnten und macht aus dem Sextett die international erfolgreichste Band aus Deutschland und die Neue Deutsche Härte (NDH) populär.

Vieles beim Konzept Rammstein basiert auf den angesprochenen, bombastischen Show-Elementen, auf „größer, besser, mehr“. Auch hier setzt vieles auf den Schockfaktor, spielt aber auch mit Slapstick-Elementen – etwa wenn bei „Mein Teil“ Lindemann in einem blutigen Koch-Outfit die Bühne betritt, Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz in einem übergroßen Metallkochtopf Platz nimmt und zum Finale des Songs mit immer größer werdenden Flammenwerfern gegrillt wird. Oder die enorme Überzeichnung, wenn Lindemann zu „Pussy“ auf einer übergroßen Schaumkanone in Phallusoptik Platz nimmt und die vordersten Reihen entsprechend beglückt. Unter anderem zu „Sonne“, kurz vor dem Ende des regulären Sets, wird tief in die Effekt-Kiste gegriffen; Pyrotechnik abgefeuert auf die Zählzeiten des Refrains verwandeln das Stadion in einen Feuerkessel. Die erste Zugabe startet auf einer kleineren Bühne mitten im Publikum mit Unterstützung des Piano-Duos: Bei „Engel“ verwandelt sich die Arena in ein Lichtermeer aus Handytaschenlampen und Mitsing-Chorus, bevor die Bandmitglieder den Rückweg zur Hauptbühne antreten. Auf Schlauchbooten führt der Weg getragen von den Fans quer durchs Publikum – eine Ausnahme bildet Till Lindemann, der seine Bandkollegen auf der Bühne in Empfang nimmt.

„Rammstein“ fährt erneut mit den beliebten Feuer-Einsätzen auf: Lindemann trägt dazu eine Art Rucksack, aus dem Feuerfontänen schießen. Bei „Ich will“ wird, wie auch schon bei „Zeig dich“ das Gefühl, man sei Teil einer grotesken Messe besonders deutlich. Wie gewohnt gibt sich Rammstein wortkarg. Vier Worte werden direkt ans Publikum gerichtet, als der Frontmann sich zum Ende gegen 23 Uhr knapp bedankt. Auch dieses Konzept wendet Rammstein bereits seit den Anfangstagen an: Kaum etwas wird kommentiert oder erklärt – die oft mehrdeutigen Texte zu kontroversen Themen wie Missbrauch, Inzest, BDSM, Gewalt, Homosexualität, Fremdenhass und vielem mehr werden ebenso wie das gesamte Konstrukt dem Publikum zur Eigeninterpretation überlassen.

Die Show ist perfekt abgestimmt – einziges Manko bleibt der Sound. Laut ist zwar Trumpf, gerade bei dem imposanten, harten Klanggebilde Rammsteins, leider geht so aber vieles auch unter. Der Gesang ist insbesondere auf den Rängen oft nur schlecht zu verstehen, vieles geht im Gewummer von Bass und Schlagzeug schlicht unter.

Für Rammstein geht es in den kommenden Monaten zunächst in den Stadien Europas weiter, bis es im von August und Oktober nach Nord- und Mittelamerika geht. Für einige Konzerte gibt es noch Karten. Über die Umweltbilanz sollte man sich dabei allerdings besser nicht zu viele Gedanken machen.

Rammstein -
Rammstein –
  • Audio-CD – Hörbuch
  • Rammstein (Universal Music) (Herausgeber)

Letzte Aktualisierung am 15.11.2022 um 13:57 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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