Revolverheld „In Farbe – Tour 2012“ Support: Luxuslärm in der Illipse in Illingen

Live und in Farbe - Tour 2012 in Illingen
Photo credit: Live und in Farbe - Tour 2012 in Illingen
DATUM» 26.05.2012
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Am 26.5.2012 wurde die Illipse in Illingen zum Mekka für Deutschrock-Fans. Nach einem gelungenen Auftakt schon am Nachmittag mit der regionalen Coverband Elliot und den Newcomern Parka gaben sich am Abend Luxuslärm und Revolverheld die Klinke in die Hand. Schade, dass es bei dem schönen Wetter nicht die angekündigte Open-Air-Veranstaltung gab, aber der Wetterdienst hatte Sturmböen vorherhergesagt und nach den schlechten Erfahrungen beim Hexentanz-Festival wollte man diesmal auf Nummer sicher gehen.

Die Illipse war gut gefüllt und erwies sich mal wieder als perfekte Rock-Location. Draußen blieb das Lüftchen lau, im Gegenzug wurde aber in der Halle ein musikalischer Sturm entfacht. Luxuslärm aus Iserlohn hatten schon mir ihrem Debüt „1000 km bis zum Meer“ im Jahr 2008 auf Anhieb überzeugt. Damals existierte die Band seit zwei Jahren und konnte zunächst einen regionalen Bandwettbewerb in NRW gewinnen. Später heimsten sie sogar eine ganze Galerie an Preisen des Deutschen Rock- und Popmusikerverbands ein („Beste Rockband“, „Beste Popband“, „Bestes Lied“, „Bestes deutschsprachiges Album“ und den Publikumspreis).

Die Symbiose aus harten Gitarren und sanftem Piano fügt sich mit Jini Meyers energischen Vocals zu gutem Deutschrock zusammen. Erinnerte und erinnert zum einen an Silbermond, dann aber auch an Christina Stürmer oder die Guano Apes. Ein spannender Stilmix – mal laut, mal melancholisch. Und dabei folgen sie nicht den deutschen Herzschmerz-Pfaden, sondern bieten eine kräftige, energiegeladene Portion Rock, ohne sich dabei hinter englischen Texten zu verstecken. Ich bin sicher, dass Luxuslärm an diesem Abend einige neue Fans gewonnen haben, denn die Zugabe-Rufe nahmen kein Ende und es gingen einige T-Shirts über den Tisch.

Was Luxuslärm mit einem Hauch von Hardrock-Feeling vorgelegt hatten, führten Revolverheld im Anschluss fort. Zunächst mussten die Zuschauer aber vom Band die Adoro-Version von „Halt dich an mir fest“ über sich ergehen lassen, bevor es mit der Gute-Laune-Hymne „Mein Leben ist super“ endlich losging. Seit Revolverheld beim Bundesvision Song Contest 2006 mit „Freunde bleiben“ einen hervorragenden zweiten Platz belegten, steht ihr Name für intelligente Gitarrenmusik mit unverblümten deutschen Texten. Und diesen Anspruch belegten sie auch in Illingen eindrucksvoll.

Es ging Schlag auf Schlag mit starken Nummern wie „Ich werde nie erwachsen“, „Keine Liebeslieder“, „Nichts bereuen“ und „Ich werd‘ die Welt verändern“. Frontmann Johannes Strate ließ die begeisterte Menge kaum zur Ruhe kommen, wenn auch seine Texte nicht immer gut zu verstehen waren. Die Performance und der Dialog zwischen Band und Publikum waren zumindest überwältigend und bei der Choreographie zum Fanta 4-Titel „Was geht“ ging die gesamte Halle mit.

Einen kleinen Durchhänger im ansonsten durchgängigen Power-Konzert erlebte ich nur beim ruhigen Titel „Hamburg hinter uns“ und dem anschließenden „Darf ich bitten“, das sich mit Instrumental-Einlagen und Elektronik-Elementen einfach zu sehr in die Länge zog. Dafür entschädigte aber umgehend die Teenie-Hymne aus den Anfangstagen (ihr wisst schon: „Pack deine Sachen ein und raus, du bist hier jetzt nicht mehr zuhaus – und scheiß auf Freunde bleiben“), die auch bei der Ü30-Fraktion hervorragend funktionierte.

Im Zugabenblock gab es endlich die schmachtende Ausnahme-Ballade „Halt dich an mir fest“ in der korrekten Version, allerdings ohne weibliche Duettpartnerin. Und die Hitsingle „Spinner“ weckte nochmal alle Verträumten auf. Rauer Gesang und ein Text mit verrückter, äußerst optimistischer Grundeinstellung – genau so euphorisch endete das Konzert in der Illipse und entließ die Zuschauer gut gelaunt und mit lauter neuen deutschen Ohrwürmern nach Hause.