Rock Im Pott Festival 2012 mit Kraftklub, The Boss Hoss, Jan Delay & Disko No.1, Placebo, Red Hot Chili Peppers

Rock im Pott

Wenn man die Schalke Arena als Festival Platz aussucht, müssen große Bands dabei sein. Und genau so sieht das Line up für das erste Rock im Pott Festival auch aus. Kraftklub, The Boss Hoss, Jan Delay & Disko No.1, Placebo und die Red Hot Chilli Peppers. Eine bunte Mischung, die auf dem ersten Blick nicht unbedingt zusammenpassen, aber gemeinsam eine breite Mischung Menschen ansprechen. Mit einer Besucher Zahl von 41.000 kann man davon ausgehen, dass den Veranstaltern genau das gelungen ist. Dass Rock im Pot in der Veltins Arena stattfindet, kommt der Stimmung nur zugute! Mit einer Fußball Atmosphäre ruft Moderator Tobi Schäfer die erste Band Kraftklub auf die Bühne.

Wie gewohnt kommen diese in ihren typischen Streberklamotten, Hosenträger und Polo Hemd, auf die Bühne und eröffnen ihre Show mit dem Lied „Ritalin/Medikinet“. Als wäre das Lied autobiografisch, springt Rapper Felix Kummer über die Bühne und liefert damit einen starken Auftakt. Die mittlerweile halb gefüllte Veltins Arena bewegt sich mit im Takt, die ersten Arme strecken sich gen Himmel und der Sound wird fetter. Nach „Zu jung“ wird die Arena erst mal gebührend begrüßt, indem Sänger Felix jede Seite und Tribüne der Arena einzeln anspricht. Mit ihrem gesunden Selbstbewusstsein sorgen die Chemnitzer für gute Laune und vergleichen sich dennoch bescheiden mit einer regionalen Band, die die Ehre hat, vor den großen Bands zu spielen. Zu den Lieder „Liebe“ und „Eure Mädchen“ fordern sie die Halle auf, mit zu klatschen und die sich füllende Schalke Arena macht mit. Mit dem Schlachtruf „Seid ihr bereit für Randale!?“ eröffnen sie „Randale“ und bringen das Stadion zum Brüllen und Springen. In Liedern wie „Karl-Marx-Stadt“ und „Ich will nicht nach Berlin“ spielen sie mit ihrer Heimat und mit Vorurteilen gegen Städte. Damit finden Sie in einem Stadion natürlich genug Brüllstoff. Nach „Wenn du mich küsst“ kommen Sie mit „Scheissindiedisko“ zu ihrem letzten Lied, bei dem sich sogar ein Circle Pit bildet und damit ein gebührendes Ende der Show bietet. Kraftklub sind seit ihrem fünften Platz beim Bundesvision Song Contest eine der viel versprechensten Deutschen Newcomer und stellen das auch mit diesem 1a Auftritt klar.

The Boss Hoss

Cowboy Hut, Jeans Hose, große Gürtelschnalle und ordentlich Bier in der Hand. Daran erkennt man die Fans von The Boss Hoss schon von weitem. Die Band aus Berlin beginnt ihre Show mit einem Intro vom Band, zu dem Sie wie im Wilden Westen auf die Bühne schreiten. Deutlich lauter als bei Kraftklub spürt man den Bass in den Füßen. Nach ihrem ersten Song begrüßen die Berliner ihre Fans gewohnt auf Englisch und mit viel Cowboy Scharm. Dass eine deutsche Band mit ihren Fans auf Englisch redet, kommt manch einem befremdlich vor, aber bei The Boss Hoss ist das fester Bestandteil des Image und deshalb zu verzeihen. Bei Lied Nummer zwei „Rodeo Radio“ nimmt Sänger und Gitarrist Hoss Power Platz auf einem Barhocker und leitet mit einem überzeugend echten Staaten Akzent das Lied „Keep on dancing“ ein. Mit den Posaunen, der Mundharmonika und den Westerngitarren kommt man sich vor, wie in eine andere Zeit versetzt. Die sieben Mann große Band bringt die Arena zu einem männlichen Grölen und zieht das Lied so nachdrücklich in die Länge, bis auch der letzte mitsingt.  Auch zum Beatboxen und Rappen sind sich die Cowboys nicht zu schade. In diesem kurzen musikalischen Ausflug, lassen sie die Menge ihren Namen buchstabieren und bereiten die Stimmung für „Don’t gimme that“ vor. Nachdem bereits Kraftklub die riesen Menschenmasse auf einem Foto festhalten musste, legen The Boss Hoss noch einen drauf und filmen die Menge, die ihnen zujubelt. Nach erstaunlich schnell vergangenen 45 Minuten beenden die Cowboys ihre Show. Bei diesem vermeintlichen letztem Lied, posieren die posaunen Spieler in ihren “ Lucha Libre, “ Masken in der Mitte der Bühne. Und ernten solange zurückhaltenden, dafür aber langenanhaltenden Applaus, bis Sie wieder auf die Bühne kommen, um eine zehn minütige Western Version von „Word up“ zu spielen und eine zufriedene Menge zurück zu lassen.

Jan Delay & Disko No.1

Als drittes tritt Jan Delay mit seinem Disko Ensemble No. 1 auf. Der Hamburger Rapper, der aus seiner Zeit bei „Absolute Beginner“ bekannt ist, zeigt mit dieser Live Band, dass er verschiedene Facetten der Musik beherrscht. Nachdem The Boss Hoss ganze 15 Minuten überzogen haben, beginnt die Show mit Verspätung. Einzeln kommen die Musiker auf die Bühne und mischen ihre Instrumente in das Intro. Passend zu dem positiven Sound sind Anzüge in allen Farben vertreten. Jan Delay selbst kommt in Begleitung seiner Background Sängerinnen auf die Bühne und eröffnet die Show mit dem Lied „Türlich, Türlich“. Noch mit dem Lied im Hintergrund, fordert Jan Delay die Menge auf mit ihm den „Arsch Dreher“ zu machen. Jan Delay macht es vor: Im Takt dreht man sich um 180°, was in der vollen Arena erstaunlich gut funktioniert. Bei Songs wie „Large“ verbreitet sich in der Arena eine großartige Tanz Atmosphäre, passend zu den Lieder und der Ausstrahlung der Band. Ein kleines Highlight ist das Medley, indem er auf den Song „Everybody“ von den Backstreetboys, „Yeah“ von Usher, „This is how we do it“ und „Jump on it“ zurück greift. Zu „Oh, Johnny“ schwingen alle ihre Shirts über den Köpfen. Um da noch einen drauf zu setzen, spielt er „Klar“, bei dem Jan Delay selbst zu den Bongos greift. Mit einem Medley von „Let me think about it“, „Krawall und Remmi Demmi“ und „Barbra Streisand“ verabschieden sich Jan Delay & Disko No.1 von der Bühne und lassen eine begeisterte Menge zurück. Und darunter nicht wenige Leute, sie sichtlich und verständlicherweise beeindruckt sind.

Placebo

Passend zu Placebo wird es langsam dunkel in der Schalke Arena. Noch bevor die Londoner auf die Bühne kommen, wird alles in ein sphärisches blau getaucht. Nach dem elektronischem Intro laufen die Musiker auf die Bühne und eröffnen den Abend mit dem Lied „Kitty Litter“. Als Begrüßung murmelt Sänger Brian Molko „`nabend“ und beginnt ohne lange Rede den nächsten Song. Der Band, die seit 1994 existiert, sieht man diese knapp 20 Jahre Erfahrung an. Der Sound ist umwerfend, dass musikalisch alles einwandfrei ist, braucht man bei dieser Band gar nicht erst erwähnen. Nach ihrem zweiten Lied „Battle for the Sun“ beweist Sänger Brian noch einmal, dass er sich auf heute Abend vorbereitet hat und stellt die Band in einem fast perfekten Deutsch vor. Das Publikum hat damit also schon eine deutsche Band, die auf Englisch spricht und eine englisch sprachige Band, die extra Deutsch übt, gesehen.

Mit „Special Needs“ und „For what it’s worth“ beweisen Placebo, dass man keine Party Musik machen muss, um Stimmung zu machen. Allein das Bühnenbild ist etwas Besonderes. Fünf Bildschirme projizieren abwechselnd die Bilder von Kameras, die auf die einzelnen Musiker gerichtet sind. Mittlerweile dominiert die Farbe Rot die Bühne, als zur Akustikgitarre gegriffen wird um „I Know“ zu spielen. Highlights des Abends sind natürlich Lieder wie „The bitter end“ und „Every you and every me“, welche einige der bekanntesten Lieder von Placebo sind. Aber auch an neuen Stücken wird nicht gegeizt und Sie präsentieren „Be free“. Dass mit Placebo einer der Headliner auf der Bühne steht und es langsam aber sicher auf die Red Hot Chili Peppers zu geht, sieht man an dem Spielfeld der Schalke Arena. Wo man bei den Openern eben noch etwas vom Boden sehen konnte, steht nun alles voll mit Fans, die sich zusammen drängen, um den letzten Song von Placebo zu genießen. Mit „Infra-Red“ beenden Sie ihre knapp eineinhalb stündige Show. Unter stehenden Ovationen verlassen Placebo die Bühne. Placebo hat bewiesen das man auf der Bühne keine Witze reißen muss, um eine große Band zu sein. Authentisch und mit musikalischer Höchstleistung haben Sie ein beeindruckendes Konzert geliefert.

Red Hot Chili Peppers

Nach mittlerweile vier Bands kommt es zum Headliner des Abends: Und das haben sich die Red Hot Chili Peppers auch verdient! Nach knapp 30 Jahren sind sie in der Musikgeschichte nicht mehr weg zu denken. Wie es sich für die RHCP gehört, liegt Bassist Flea beim ersten Lied mit dem nackten Oberkörper fast auf dem Boden und Sänger Anthony Kiedis läuft in halb kurzer, halb langer Hose, Cap und Frack über die Bühne. Beim zweiten Lied „Dani California“ stehen auch die letzten Sitzmuffel auf. Schön zu sehen ist, dass Gitarrist Josh mit verletztem Fuß nicht minder mitfeiert und mit Flea zusammen eine Bass/Gitarren Show vom feinsten hinlegt. Nach  „Can´t stop“ und „Scar tissue“ fordert Kiedis die Menge auf, sich ihrer Shirts zu entledigen und geht mit gutem Beispiel vorraus. Das Konzert wird von genialen Bass und Schlagzeug Übergängen geleitet und zeigt, was drei Jahrzehnte Bühnenerfahrung mit sich bringen.

Mit Liedern wie „Under the bridge“ und „Higher Ground“ bringen sie die Menge zum Mitsingen. Handys werden heraus gesucht und Bilder geschossen, so dass es aussieht, als würden Glühwürmchen herum fliegen. Alles in allem herrscht eine begeisterte Stimmung in der Menge. Klare Highlights sind Songs wie „Californication“ und „By the way”. „By the way“ soll auch das letzte Lied des heutigen Abends sein. Doch wie erwartet schreit die Menge nach einer Zugabe, bis dies von den Red Hot Chili Peppers erhört wird. Nach gefühlten fünf Minuten Applaus kommen Sie zu einem Drum/Percussion Solo einzeln wieder auf die Bühne und werden von den Fans gefeiert. Nach drei weiteren Songs kommen die Red Hot Chili Peppers mit „Give it Away“ zum Ende des Abends und lassen eine zufriedene Menge zurück. Damit geht ein langer und sehr gelungener Festival Tag zu Ende, der bewiesen hat das Festivals auch im Fußball Stadion funktionieren.