Rock Meets Classic – Tour 2012 – Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main

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DATUM» 19.01.2012
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Das Konzept der „Night Of The Proms“ ist – nun ja – schon ziemlich abgelutscht. Zumindest hat man das Gefühl, als würde Dauergast John Miles überhaupt nichts mehr machen außer seine Megahymne „Music“ zu zelebrieren während sich einige gelangweilte Stars drum herum formieren und zu orchestralem Getöse ihre Best-of-Collection einsingen. Zum Glück gibt es nach langen Jahren dieses poppigen Einheitsbreis ein rockiges Gegenstück: „Rock meets Classic“ geht zurzeit in die dritte Runde und hat Hochkarätiges zu bieten. Zunächst einmal sind da das Bohemian Symphony Orchestra Prague unter der Leitung von Bernard Fabuljan und die Mat Sinner Band. Gemeinsam erzeugen sie eine einzigartige Mischung aus orchestralem und rockigem Bombast und lassen so die Musik der 70er und 80er Jahre wieder aufleben.

Die Frankfurter Festhalle war ausverkauft und das Publikum teilweise durchaus im gereifteren Alter. Die bunte Mischung konnte man anhand der gewählten Konzertkleidung gut ausmachen: von Hardrock-Kutte und Deep Purple-Shirt bis hin zum feinen Konzertgeschmeide war alles vorhanden. Aber als das Orchester zunächst eine klassische Ouvertüre spielte und dann mit den Klängen von „Jump“ loslegte (hier durfte ein Mitglied des Background-Chors ans Solomikro), wurde daraus eine jubelnde Masse ohne Klassenunterschiede.

Erster Stargast des Abends war Jimi Jamison von Survivor. Zugegeben: Die Hitdichte war zu diesem Zeitpunkt noch sehr gering. Jeder kennt „Eye Of The Tiger“, mancher auch noch „Burning Haert“, doch die restlichen drei Songs waren eher Warmspiel-Übungen für die hervorragende Mat Sinner Band. Das Zusammenspiel mit dem Orchester ließ zunächst noch zu wünschen übrig. Ich hatte das Gefühl, als würden Gitarrenriffs und Synthie-Spielereien alle orchestralen Momente überlagern. Doch spätestens mit „Eye Of The Tiger“ war das Gleichgewicht gefunden. Die symphonischen Elemente stehen dem Song äußerst gut.

Weiter ging es mit Robin Beck. Wir erinnern uns: die heute 57jährige sang 1988 den Coca Cola-Werbehit „First Time“, der sie über Nacht auch in Europa berühmt machte und ihre eine Reihe Nummer 1-Chartplatzierungen bescherte. So stand die sympathische kleine Sängerin auch im Lauf ihres kurzen Sets schließlich mit einer Colaflasche auf der Bühne und erfreute sich verschmitzt schmunzelnd am Aha-Erlebnis des Publikums.

Im Anschluss kam das Highlight des ersten Teils und mein persönlicher Star des Abends: Chris Thompson. Die einzig wahre Stimme der Manfred Mann’s Earth Band hat in den 70ern und 80ern alle großen Hits der Earth Band eingesungen. Damals entwickelte sich die Band mit „Mighty Quinn“ (im Original von Bob Dylan) und „Blinded By The Light“ (Bruce Springsteen) zur erfolgreichsten Coverband des Planeten. Klar gab es diese nun in der Interpretation von Chris Thompson. Außerdem „Davy’s On The Road Again“ und den John Farnham-Hit „The Voice“. Dieser wurde nämlich von Thompson geschrieben und es war – wie er selbst sagt – der größte Fehler seines Lebens, diesen Hit zu verkaufen.

Nun waren bereits 90 Minuten um und Zeit für ein erstes Fazit: Die alternden Stars sind gut bei Stimme und liefen auf der Bühne zur Hochform auf. Die Band um Mat Sinner (Frontmann von Sinner und Primal Fear) konnte mit einer soliden Performance glänzen. Der stimmgewaltige Backgroundchor aus drei hervorragenden Sängerinnen, Sascha Krebs (Musical-Star u.a. „Tanz der Vampire“ sowie „We Will Rock You“) und Ralf Scheepers (Sänger von Primal Fear) unterstützte die Solisten mit perfekt arrangierten Vokalpassagen. Und das Symphony Orchestra zeigte mal wieder seine musikalische Klasse, die es schon auf vielen Tourneen im internationalen Raum bewiesen hat.

Nach der Pause stand Steve Lukather am Start. Als Sänger und Gitarrist von Toto hat er diese Band geprägt wie kein anderer. Im gesetzteren Alter beschränkt er seine Vocals meist auf die Anfangsstrophe und den Refrain. Ansonsten lässt er sich von den Chormitgliedern – zum Teil in ausschweifenden Duetten – begleiten. Aber die Leute waren nicht gekommen, um ihn singen zu hören. Es war sein ausschweifendes, solistisches Gitarrenspiel, mit dem er bei „Rosanna“, „While My Guitar Gently Weeps“, „Africa“ und dem Abrocker „Hold The Line“ die Massen fest im Griff hatte.

Der bekannteste Star des Abends machte den Abschluss: Ian Gillan, 66 Jahre alt, seit 42 Jahren Sänger von Deep Purple. Mit ihm gelangte die Band zu Weltruhm und wurde zu einem der Wegweiser der modernen Rockmusik. Da stand eine Legende auf der Bühne, die aus ihrem Rentenalter kein Geheimnis machte. „1965 stand ich in Frankfurt zum ersten Mal auf der Bühne“, erzählte er und löste mit gequältem Gesichtsausdruck Gelächter im Publikum aus. Sein Set war der längste des Abends und begann mit „Highway Star“. Es folgten zwei Songs von meinem Lieblings-Purple-Album „Perfect Strangers“ aus dem Jahr 1984. Und dann ging es mit „When A Blind Man Cries“, „Woman From Tokyo“ und „Hush“ ans Eingemachte. Inzwischen stand die komplette Halle Kopf und Gillan wurde zu Recht abgefeiert. Auch die orchestralen Momente erlebten hier ihren Höhepunkt. Kein Wunder, hatten doch Deep Purple bereits 1969 mit ihrem „Conerto For Group And Orchestra“ Maßstäbe in der Verschmelzung von Klassik und Rockmusik gelegt.

Als Zugabe war die komplette Besetzung auf der Bühne versammelt. Es erklangen die wohl berühmtesten Gitarrenriffs der Musikgeschichte und alle schmetterten gemeinsam „Smoke On The Water“. Ein krönender Abschluss nach drei vollen Stunden nostalgischer Musikgeschichte. Die Show zeigte, dass es zwischen den beiden Richtungen Klassik und Rock keine Berührungsängste mehr gibt. Gerade da, wo sich orchestrale Momente und das Rockinstrumentarium ergänzten, wurde eine dichte Atmosphäre aufgebaut, die jeden Zuschauer berührte.