Stanley Clarke & Stewart Copeland Band, live in der Centralstation Darmstadt

Stanley Clarke & Stewart Copeland Presse Foto

Die Centralstation in Darmstadt war schätzungsweise ausverkauft. Kein Wunder, denn schließlich konnte an diesem Abend zwei musikalischen Legenden zugehört werden. Es ist schon erstaunlich welche hochkarätigen Gäste die Centralstation, auch in diesem Jahr wieder dank des Programms „Merck – Sommerperlen“, in ihrem Programm hat.
Gegen kurz nach 21:00 Uhr kommt das Quartett auf die Bühne. Neben Keyboarder Rusian Sirota und (vor allem) Brady Cohen an der Gitarre sind das Stanley Clarke, der Ausnahmebassist und Vorbild vieler nachwachsender Bass – Generationen, der mit Chick Corea, Al di Meola und Lenny White als „Return To Forever“ Fusion – Geschichte schrieb und Stewart Copeland, der (Ex)- Drummer/Gründungsmitglied  von „The Police“ und wohl weltweit einer der besten Schlagwerker überhaupt. Ja, hier spielen heute zwei Superstars!

Stewart Copeland präsentiert sich als extrovertierter Entertainer, der äußerlich mit weißem Stirnband unter dem wuscheligen mittlerweile vollständig ergrauten Haarschopf, enger heller Jeans und weißem engen Hemd, gewisse Reminiszenzen an die achtziger Jahre bietet. Er ist gleich nach Betreten der Bühne unter großem Applaus des Publikums vorne am Mikro und versucht den Einheizer zu geben. Das gelingt ihm in Hessen und bei dem etwas gesetzteren Auditorium zunächst eher weniger. Später wird sich das noch ändern und die Anwesenden goutieren im Laufe des Sets lautstark die virtuose Könnerschaft der vier Musiker  auf der Bühne.
Das gesamte Programm bewegt sich über weite Strecken sehr dynamisch rockig nach vorne und Brady Cohen an der Gitarre steht erstaunlich oft im Vordergrund in den Kompositionen der Gruppe. Er spricht jede Note, jeden Ton lautmalerisch mit, den er seinen sechs Saiten entlockt. Der Körper unter Spannung. Die Gruppe füllt stetig atmosphärische perlende jazzige Improvisationen in die groovende Melange aus Rock und Jazz (übergreifend bezeichnet) ein. Manchmal hört sich das Keyboard an wie bei den Doors, manchmal hört man Pink Floyd, manchmal der alte „Police – Sound“, oft Jazz auf höchstem Niveau  und doch hält Stanley Clarke, der mächtige große Mann am Bass, den Groove zusammen. Der Rhythmus des Jazz, wuchtig, mal leise, mal Raum füllend bis in die Magengrube. Clarke „slapt“, spielt zweimal auch den Kontrabass und stellt unter Beweis warum er zu den gefragtesten Bassisten im Musikbusiness zählt.
In Stewart Copeland hat er seinen kongenialen Partner, der ebenfalls über jeden Zweifel erhaben sein Instrument mehr als beherrscht. Kenner machen an diesem Abend Stücke wie „No Mystery“ und „Quite Afternoon“ aus, um nur zwei Songs beim Namen zu nennen. Generell spielen sich die Musiker virtuos durch minutenlange Stücke und vermitteln bei aller Konzentration und Einsatzbereitschaft auch den großen Spaß, den sie nach all den Jahren noch am Musikmachen haben. Große Kunst ist das und wer diese Form der Musik mag, kam heute in der Centralstation sicherlich voll auf seine Kosten.