The Black Keys – Tour 2012 – Sporthalle in Hamburg

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DATUM» 27.01.2012
ARTIST» ,
VENUE»

In Hamburg beginnt der Winter. Der erste Schnee bedeckt die Straßen und der kalte Wind kriecht in jede Ritze meiner Kleidung. Den letzten Arbeitstag noch schnell überwunden fahre ich mit der überfüllten Bahn Richtung Alsterdorfer Sporthalle, dem Ort an dem ich mir voller Vorfreude die Black Keys angucken werde. Schon die Tatsache, dass sich Portugal.The Man als Support zur Verfügung gestellt haben, lässt mein Herz hüpfen. An der Haltestelle Lattenkamp steht eine große Traube von Menschen, die sich schnell noch Wegzehrung (Bier, Zigaretten und Döner) kaufen, um dann den kurzen Fußmarsch zur Sporthalle zurückzulegen. Mal wieder auf den letzten Drücker erreiche ich mit meiner Begleitung die Location, die ich heute Abend das erste Mal betreten werde. Das Sicherheitspersonal begrüßt uns freundlich und wünscht uns viel Spaß und einen schönen Abend, als es uns die Türen zum Saal öffnet.

Portugal.The Man spielen bereits, als wir uns über die Sitzplatzreihen in Richtung Mitte der Menge bewegen. Es ist etwas stickig und riecht nach nassen Füßen, wozu ich mit Sicherheit meinen Teil beitrage. Mit jedem Schritt, den ich mich der Bühne nähere beschleicht mich mehr und mehr das Gefühl, dass der Sound wohl nicht besser wird. Zu recht schlichtem Licht spielt die Band ihre bekanntesten Songs, kann sich unter dem Umstand, dass der Sound wirklich schlecht ist, aber leider nicht durchsetzen. Ernüchterung überkommt mich, nur erahnen kann man, wie gut die US-Amerikaner wirklich live spielen. Um 20:45 Uhr verlassen sie dann die Bühne und machen Platz für die Roadies der Black Keys. Das Deckenlicht im hinteren Bereich leuchtet auf und weist dem Publikum den Weg zum Bierstand und zu den Toiletten.

Während die Roadies, alle stilvoll in schwarzen Anzügen gekleidet, die Bühne neu bestücken, suchen meine Begleitung und ich uns einen der frei zur Verfügung stehenden Stühle an den Seiten, um das Konzert im Sitzen genießen zu können. Brezelverkäufer und Bierverkäufer mit großen Tanks auf dem Rücken schlängeln sich durch das gutgelaunte und erstaunlich gutaussehende Publikum. Als das Licht wieder erlischt und die 60er Jahre Musik stoppt, betreten die Black Keys die Bühne. Im Gepäck haben Auerbach und Carney noch zwei weitere Musiker, die sich auf ein Podest hinter Schlagzeuger und Sänger/Gitarristen begeben. Und schon geht’s los mit „Howlin‘ For You“ von der 2010er Platte „Brother“. Wild, bunt, frisch und vor allem mit gutem Sound legen die Vier los. Orgel, Bass, Drums und Gitarre sind sehr gut ausgesteuert und geben dem Gesang genug Freiraum. Nichts ist zu laut oder zu leise, alles präzise gespielt, untermalt von umfangreicher Beleuchtung. Auerbach und Carney schaffen es, sich klar als die Macher dazustellen, ohne ihre Begleiter in den Schatten zu stellen.

Weiter geht’s mit „Next Girl“ von der gleichen Platte. Genauso gut, genauso mitreißend. Auch der dritte Song „Run Right Back“ vom neuen Album und jeder weitere Song lädt ein zum Tanzen oder einfach zum Genießen. Die Setlist ist gut gemischt, von allen sieben Alben, die die Band vorzuweisen hat, werden Schätze ausgegraben, jedoch mit besonderem Augenmerk auf den beiden frischesten. Alle scheinen ausgelassen zu genießen. Zwischendurch performt das Duo dann noch einige Songs zu zweit und jeder Jubel des Publikums wird mit einem verhaltenen „Thank you“ honoriert. Mit Verlauf des Abends wird die Beleuchtung immer einfallsreicher, aufwändiger, atemberaubender, sorgt für „WOW, wie geil!“-Ausrufe.

Meine ersten Befürchtungen, die Sporthalle sei der absolut falsche Ort für das Konzert bewahrheiten sich nicht. Auch wenn ich persönlich etwas irritiert bin, da meine letzte Information war, die Band wäre ausgelaugt und habe keine Lust auf den Rummel, der um sie herum gemacht wird. Auerbach und Carney beweisen sich stattdessen als wahre Organisationstalente. Sie schaffen es, neben ihrem unglaublichen Musikoutput, eine ganze Band zu organisieren und solch eine grandiose Tour zu erschaffen. Wem die gemütliche Clubatmosphäre fehlt, der wird entschädigt durch eine vielseitige Show und Bescheidenheit, die man auf solch einer Bühne gar nicht vermutet hätte. Protzig in der Durchführung, sanft in der Vermittlung.

Nach 22 Songs, drei davon als Zugabe, gehen die Jungs mit einem ehrlichen „See you next time, thank you“ von der Bühne und hinterlassen eine Masse von euphorisierten Menschen, die sich schon bald von den freundlichen aber bestimmten Securities in den Ausgangsbereich bitten lassen.