The Intersphere Tour 2012, Blue Shell in Köln

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DATUM» 19.01.2012
ARTIST»
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Seit Tagen halte ich mich in der Intersphäre auf. Schön hier. Album-Release, Interview und schließlich der Tourstart innerhalb von nur zwei Tagen. Das könnte schnell zu einem Overflow werden, könnte man mit der Musik der zu beurteilenden Band nicht so viel anfangen. Da ich The Intersphere schon als Support von Karnivool vor einem Jahr erleben und gut einschätzen konnte, war die Wahrscheinlichkeit hierfür recht gering. Und so war es auch nicht überraschend, dass ihr neues Album „Hold On, Liberty!“ ein durch und durch gelungenes Werk geworden ist. Im Auftrieb der teils blendenden Kritiken werden heute im Blue Shell alle neuen Songs gespielt. Acht davon haben gar ihre Live-Premiere. Grund genug für die Band, dem Abend nervöser entgegen zu fiebern als sonst. Der Stress hält sich jedoch in Grenzen und entpuppt sich eher als Eustress („Stressoren, die den Organismus positiv beeinflussen“, Wikipedia), der die vier Mannheimer im Laufe des Abends zu Höchstleistungen bringt.

Im ausverkauften Blue Shell bestimmen die Songs des am darauffolgenden Tages erscheinenden Albums auch gleich den Konzertbeginn. Den vielversprechenden Titel des Openers „Open End“ darf man für den Verlauf des Abends nicht allzu wörtlich nehmen, denn viel länger als 23 Uhr darf es heute in der Kölner Kultkneipe nicht gehen. Die kristallklare Stimme Christoph Hesslers gibt Songs wie „Masquerade“ und „We Are“ die nötige Würze. Mit „Sleeping God“ rücken die mächtigen Riffs der Gitarren mehr und mehr in den Vordergrund. Mit raffinierten Rhythmuswechseln glänzt „Aurora“ und bei „Capitall“ wummert Sebastian Wagners Bass durch alle Glieder der zunehmend in Stimmung kommenden Fans. Erst mit „Intespheres><Atmospheres“ hält ein Stück des gleichnamigen Vorgänger-Albums Einzug, um gleich wieder den drei noch ausstehenden neuen Liedern Platz zu machen. Von denen ganz besonders „Parallel Lines“ zu gefallen weiß. Durch seine Komplexität und Wandlungsfähigkeit erhält auch der Auftritt des Quartetts eine wohltuende Vielschichtigkeit.

Dann der Höhepunkt: „I Have A Place For You On Google Earth“ kommt unscheinbar daher, versetzt die Band aber dann in seinem Instrumental-Teil in ansteckende Ekstase. Drummer Moritz Müller hält nichts mehr auf seinem Hocker und wird zum Einheizer des ganzen Saals. Das Publikum lässt sich noch während des Finales zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Nachdem das Mainset mit „Early Bird“ abgeschlossen wird, geht mit dem wohl bekanntesten Song von The Intersphere, nämlich „Prodigy Composers“ ein tolles Konzert zu Ende. Kaum denke ich, dass ein Song aus „Hold On, Liberty!“ fehlte, da tönt „Destination“ sofort nach dem letzten Ton vom Band. Kennt man das Album, weiß man wie sehr er dazu gehört und wie schön er das Dargebotene abrundet.

The Intersphere machen zwar keine allzu eingängige Gute-Laune-WDR2-Musik, doch würde es mich nicht wundern, wenn der Bekanntheitsgrad dieser Band sehr bald sehr stark ansteigt. Deshalb mein Tipp: Schnell angucken, solange sie noch in Kultkneipen wie dem (schon zu kleinen) Blue Shell spielen.