The Pretty Reckless im Kölner Gloria, 30.01.2017

Photo credit: Christin Meyer
DATUM» 30.01.2017
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„Taylor! Taylor! Taylor!“ Das Licht der Halle im Gloria Theater will auch nach dreißig Minuten des Wartens nicht ausgehen. Die hartgesottene, primär weibliche Meute will ihre Prophetin endlich persönlich zu Gesicht kriegen und wird allmählich unruhig. „Darauf hab ich seit sechs Jahren gewartet! Taylor! Taylor!“, schreit ein verpickelter Knirps der leeren Bühne entgegen. Man blickt in die entschlossenen Augen 16-19 jährige emanzipierter Frauen, die den Display ihres Smartphones fest im Blick haben, um ja nicht den Moment zu verpassen, an dem ihre Heldin die Bühne betritt. Wüsste man es nicht besser, hätte das Konzert der Pretty Reckless eine Hommage an die TV-Show Top of the Pops während der Jahrtausendwende sein können.

Sei es drum, jede Zeit hat ihre Stars und diese gehört wenigstens für heute Abend Taylor Momsen und ihren drei Mitmusikern. Das Licht geht endlich aus und das Kölner Gloria versinkt in einer Sturmflut aus panischem Geschrei und weiteren „Taylor! Taylor!“ Chören. Die Band legt mit Follow Me Down von ihrem zweiten Album „Going To Hell“ los. Hände und Handys schnellen in die Höhe, als eine zierliche blonde Gestalt in Ledermantel und pechschwarz geschminkten Augen die Bühne betritt. Auf späteren Videos sind teilweise nur Kameras zu sehen, die andere Kameras abfilmen, welche widerum nur in der Lage waren, Momsens links pechschwarzes Auge verwackelt aufzunehmen. Second Screening drölf punkt Null.  Die 23-jährige posiert, pöbelt und schreit sich die Seele aus dem Leib, als hätte Lemmy persönlich das ehemalige Gossip Girl unter seine Fittiche genommen. Musik gibt es auch nicht zu knapp: Die Setlist zeigt eine ausgewogene Balance aus den drei veröffentlichten Alben. Von der neuen Platte Who You Selling For bleibt vor allem der Titeltrack im Ohr, den Taylor Momsen mit bittersüßer Stimme vorträgt, um im nächsten Moment ein langgezogenes „Coloooogne“ ins Mikrofon zu rotzen, bei dem die Whiskeyfahne vom Vortag direkt mitschwingt. Heaven Knows wird wie Just Tonight problemlos vom Publikum mitgesungen, letzterer sogar in a capella ohne Ansage seitens der Band.

Die Zugabe besteht aus Fucked Up World, einem Song, der laut Momsen, nicht besser zur heutigen Zeit passen könnte, inklusive einem dreiminütigem Drumsolo, das man aufgrund von Langeweile und Monotonie getrost hätte weglassen können. Egal, den Kids gefällt’s. Und insgesamt haben Momsen & Co. eine gute 80-minütige Show geboten, die sich vielleicht nicht mit den ganz Großen vergleichen lässt, aber durchaus ihre Daseinsberechtigung bei der Generation Z findet. Dennoch ist es immer noch befremdlich mitzuerleben, wenn guter Rock n Roll so behandelt wird, als hätte man eine Boy- oder Girlband vor sich, die gerade bei „The Dome“ einen Playbackauftritt hinlegt.

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