Titten, Tanz und Trunkenheit bei Jennifer Rostock in Köln

DATUM» 14.01.2013
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*_* . Ein besseres Symbol kann es für den Auftritt von Jennifer Rostock einfach nicht geben. Zum einen ist das „*_*“ Zeichen ihrer Tour, zum anderen war dies der Blick des 85%igen weiblichen Publikums beim Anblick von Jennifer Weist. Wäre noch ein Sabberfaden dabei, dann wäre es eine Abbildung der 1.200 Besucher.

Als Vorband geben sich neben „Aufbau West“, auch die Stuttgarter „Heisskalt“ die Ehre. Sind die musikalischen Ansätze der Band durchaus gelungen und erinnern an manchen Stellen an Linkin Parks „Hybrid Theory“ Zeit, so erinnert der Gesang von Frontmann Matthias Bloech ein wenig an die Vorentscheide einer bekannten Casting-Show auf RTL: Mal klingt die Stimme wirklich gut und passend, mal wie eingekauft um als Lacher zu unterhalten. Alles in allem ist es dennoch eine solide Show und für eine Supportband vollkommen ausreichend.

Als das Licht gegen 21:40 Uhr ausgeht, ertönt ein Kreischen in der Halle, bei dem selbst Justin Bieber vor Neid erblassen würde. Jennifer Weist & Co. geben direkt von Anfang an Vollgas. Die rote Furie lässt zu „Der Kapitän“, „Ich kann nicht mehr“ und „Du willst mir an die Wäsche“ gleich zu Beginn die Hüften kreisen. Und wieder steht dieses  „*_*“ den Leuten ins Gesicht geschrieben. Kuschelig wird es dann beim Akkustik-Set, bei dem unter anderem das großartige „Himalaya“ zum Besten gegeben wird. Das persönliche Highlight spiegelt sich in „Insekten im Eis“ wider, bei der Sebastian Bloech von „Heisskalt“ die Band mit unterstützt. Sehr, sehr, groß.

Die Ansagen sind ebenfalls durchweg unterhaltsam: Es wird gepöbelt, gelacht und sich über die Fotografen lustig gemacht („Wie Hühner auf der Stange sehen die aus. Es war mir eine Freude mit euch.“). Solche Bemerkungen müssen selbst ein paar Fans über sich ergehen lassen, die aber auch wirklich alles versuchen, um wie die letzten Hohlbratzen dazustehen. Sei es beim Versuch Jennifer Weist die Jacke zu klauen oder sich für den Song „Kopf oder Zahl“ zu melden, aber ihn überhaupt nicht singen zu können. Absolut peinlich so was. Der Höhepunkt gipfelt in einer Tittenparade nach einem unmoralischen Angebot seitens der Band („Wenn ihr blankzieht, gibt’s Schnaps“), was bei den 14-25-jährigen Frauen absolute Begeisterung hervorruft und sich so gefühlt jede Zweite komplett entblößt. Wer’s nötig hat, bitteschön. Ich hole mir in der Zeit selbst einen Schnaps.

All das ist dennoch erfrischender und unterhaltsamer, als steif auf der Bühne zu erfrieren. Die Band dreht sich um Jennifer Weist, keine Frage. Jedoch sind die Rollen klar verteilt und das ist auch gut so. Jennifer Rostock bieten einen Mix aus Altem und Neuem und das über mehr als 90 Minuten, inklusive Zugabe. Klar mag es manchen bei dieser „Titten, Tanz und Trunkenheit“ – Parade ein wenig zu viel des Guten sein. Jedoch kann man absolut nicht über ihre musikalischen Live-Qualitäten meckern. In diesem Festivalsommer sehe ich mir das gerne wieder an.