Tom Petty & The Heartbreakers Mojo Tour 2012 Lanxess Arena in Köln

Tom Petty & The Heartbreakers Mojo Tour 2012 Lanxess Arena in Köln
Photo credit: Tom Petty & The Heartbreakers Mojo Tour 2012 Lanxess Arena in Köln
DATUM» 25.06.2012
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Als Tom Petty das letzte Mal in Deutschland spielte, hieß der Außenminister noch Hans-Dietrich Genscher. Mario Götze war gerade geboren und Dänemark Fußball-Europameister. Bill Clinton saß im Weißen Haus und Johannes Paul II. im Vatikan. Auf MTV startete „MTV’s Most Wanted“ mit Ray Cokes und ARTE seinen Sendebetrieb. 1992 war das. Jetzt ist das Urgestein des amerikanischen Road-Rocks endlich wieder zurück und macht nach seinem Konzert in Hamburg heute Station in Köln. Bereits vor dem Tourstart ließ die neu veröffentlichte Limited Edition seines noch immer aktuellen Albums „Mojo“ von 2010 erahnen, dass es ein ganz besonderer Abend werden würde. Wer die zwölf Live-Songs auf der darin enthaltenen Bonus-Disc gehört hat, bekam eine mehr als nur ungefähre Vorstellung davon, wie sehr Tom Petty & The Heartbreakers auch 37 Jahre nach ihrer Gründung für den ungezügelten Geist und die rohe Kraft des Rock’n’Roll stehen. Vielleicht mehr als jede andere Band auf diesem Planeten. Spätestens nach seinem heutigen Konzert wissen dies auch die 8.500 Fans in der LanxessArena.

Viele unter ihnen sind mit ihrem Idol alt geworden. Einige aber waren vermutlich noch gar nicht auf der Welt, als Tom Petty, den beiden Gitarristen Mike Campbell und Scott Thurston, Keyboarder Benmont Tench, Ron Blair am Bass sowie Schlagzeuger Steve Ferrone 1979 mit „Damn The Torpedos“ der Durchbruch gelang. Dem Altersdurchschnitt entsprechend ist die LanxessArena komplett bestuhlt. Die Bühne ist mit schweren, samtroten Vorhängen dekoriert und erzeugt so – trotz der Größe der Deutzer Arena – eine gediegene Theateratmosphäre. Vier kleine Leinwände sorgen für beste Sicht von allen Plätzen. Die Vorfreude im weiten Rund ist selbst beim eher einschläfernden Support-Act Jonathan Wilson förmlich mit Händen zu greifen.

Um kurz nach 21 Uhr entlädt sich die Spannung in frenetischem Jubel, als Tom Petty und seine Getreuen die Szenerie betreten und mit „Listen To Your Heart“ loslegen. Erste Überraschung: Der Sound ist entgegen aller meiner bisherigen LanxessArena-Erfahrungen wunderbar ausbalanciert. Die warme, sparsame Lightshow sorgt dafür, dass sich neben dem Ohr auch das Auge wohlfühlt. Hier zählt einzig die Musik und nach „You Wreck Me“ verspricht Tom Petty: „We have a lot of songs planned for you tonight“. Mit „I Won’t Back Down“ folgt auch gleich der erste Kracher. Die Heartbreakers sind handwerklich ebenso wie ihr Chef ohnehin über jeden Zweifel erhaben, was sie insbesondere beim grossartigen Fleetwood Mac-Cover „Oh Well“ unter Beweis stellen. Entspannt rockt sich die Truppe über „Handle With Care“ von den legendären Traveling Wilburys, die Klassiker „Free Fallin'“ und „Learning To Fly“ dem stimmungsmäßigen Siedepunkt entgegen. Bei „It’s Good To Be King“ versinkt Tom Petty während eines minutenlangen Solos scheinbar völlig in der Musik, um das Stück dann in einem brachialen Rock’n’Roll-Gewitter enden zu lassen.

Die Fans singen jede Textzeile lautstark mit. Der Innenraum hat sich zu diesem Zeitpunkt schon längst erhoben und die Sitzordnung kurzerhand aufgelöst. Tom Petty bedankt sich nach jedem Song artig mit „Thank you sooooo much“, bevor er sich wieder seinen Kernkompetenzen Rock, Blues, Country zuwendet und dabei soviel an Charisma und gleichzeitiger Bescheidenheit versprüht, dass man ihn am liebsten auf ein Bier ins benachbarte „Henkelmännchen“ einladen würde. Von der Energie des inzwischen 61-Jährigen ganz zu schweigen. „Runnin‘ Down A Dream“ ist dann der fulminante Abschluss eines wahrlich fantastischen Mainsets.

Als Zugaben folgen noch die nicht weniger brillanten „Mary Jane’s Last Dance“, „I’m A Man“ (im Original von Bo Diddley) und das uralte „American Girl“, bevor nach gut zwei Stunden erneut die Zeit zum Abschiednehmen gekommen ist. Doch so wirklich will noch keiner gehen. Zu denkwürdig ist dieser Abend, zu sehr ist man fasziniert von der Klasse dieser sechs Musiker, zu tief steckt man noch im energetischen Strudel der Musik fest. Was letztlich bleibt ist die Hoffnung, dass es nicht wieder 20 Jahre dauert, bis Tom Petty & The Heartbreakers wiederkommen. Doch eigentlich ist es auch völlig egal, wie lange sie dafür brauchen. Denn wenn sie kommen, werden wir garantiert alle wieder da sein.

Tom Petty Mojo TOur 2012 Setlist

  • Listen To Her Heart
  • You Wreck Me
  • I Won’t Back Down
  • Here Comes My Girl
  • Handle With Care (Traveling Wilburys)
  • Good Enough
  • Oh Well (Fleetwood Mac)
  • Something Big
  • Don’t Come Around Here No More
  • Free Fallin‘
  • It’s Good To Be King
  • Carol (Chuck Berry)
  • Learning To Fly
  • Yer So Bad
  • I Should Have Known It
  • Refugee
  • Runnin‘ Down A Dream
  • —————————-
  • Mary Jane’s Last Dance
  • I’m A Man (Bo Diddley)
  • American Girl