Udo Lindenberg „Ich mach mein Ding“ – Tour 2012, SAP ARENA in Mannheim

Udo Lindenberg "Ich mach mein Ding" - Tour 2012, SAP ARENA in Mannheim
DATUM» 10.03.2012
ARTIST»
VENUE»

Wenn man dieser Tage Udo Lindenberg im TV sieht, seine unzähligen Interviews liest oder den Facebook-Einträgen folgt, kommt man zu einem untrüglichen Ergebnis: Er kann den riesigen Erfolg und den Hype um seine Person immer noch nicht so richtig fassen. Das wurde auch in den Ansagen zu seiner aktuellen Show deutlich. Es erfüllt ihn sichtbar mit Genugtuung, dass sein jahrzehntelanges Abmühen im hohen Alter plötzlich von Generationen alter und neuer Fans gewürdigt wird. Mit dem Durchstarten des Albums „Stark wie zwei“, dem Musical „Hinterm Horizont“ und den Sessions für MTV unplugged. Gleich zweimal in Folge gab es die ersten Nummer-1-Alben einer Karriere. Und schon die Tour zu „Stark wie zwei“ setzte neue Maßstäbe.

Jetzt startete in Mannheim die aktuelle Tour mit dem Titel „Ich mach mein Ding“. Ein perfektes Motto – und ich kann nur sagen: Er setzt noch einen drauf! Fast 12.000 Zuschauer kamen in die ausverkaufte SAP Arena, um die Tour-Premiere mit zu erleben. Alles lief rund. Einmal übersprang Udo beinahe einen Song und sagte Sängerin Nathalie Dorra zu früh an, doch dieser kleine Fauxpas wurde vom Publikum genauso bejubelt wie die komplette Show.

Zum Start gab es eine Mischung aus Nostalgie und Science Fiction. Zunächst zeigten die überdimensionierten LCD-Leinwände eine Beatclub-Musikshow, dann switchte das Bild um zur Ansicht eines futuristischen Berlin mit riesigen Hochhäusern. Es gab Aufnahmen aus der Zeppelin-Ära und endlich stieß Udo in einem riesigen Zeppelin durch den Bildschirm und flog in die Arena ein. Ein fantastischer Auftritt voller Effekte und die „Odyssee“ konnte mit eben diesem Song beginnen. Die unplugged-Zeiten sind vorbei und Udo trat wieder mit komplettem Panikorchester, hübschen Tänzerinnen und stimmgewaltigen Backgroundsängern auf – einer davon ein bekanntes Gesicht: Ole aus Hamburg, der es bei „The Voice Of Germany“ in die Finalrunde geschafft hatte.

Schon der zweite Song war „Mein Ding“ und damit machte Udo zugleich klar, dass er keine großen Hits bis zum Schluss aufheben muss. Hier jagte ein Mitsing-Song den nächsten und für jede Fan-Generation war etwas dabei. Zum Premierenabend hatte Udo sich Mitstreiter eingeladen, die ihn schon für die MTV-Shows unterstützt hatten und momentan gemeinsam mit ihm die Charts entern. Den Anfang machte der näselnde Discoking Jan Delay. Hervorragend aufgelegt stimmte er mit Udo „Ganz anders“ an. Und gleich darauf gab es Clueso und die wundervolle neue Version des Chartstürmers „Cello“. Ein Anfang, wie man es sich besser nicht wünschen kann.

Udo vergaß aber auch seine starken Songs aus den 80ern und 90ern nicht. „Sie brauchen keinen Führer“ und „Straßenfieber“ wurden hinterlegt mit gesellschaftskritischen Bildern. Für die Romantiker im Publikum gab es „Ich lieb‘ dich überhaupt nicht mehr“ und „Mädchen aus Ostberlin“. Der Song „Höllenfahrt“ zeigte in Großaufnahmen Fotos allzu früh verstorbener Rockstars – von Jim Morrison über Kurt Cobain bis hin zu Amy Winehouse. Selbst Whitney Houston fand noch Platz und verdeutlichte die Aktualität. Udo gab zu, dass er beim Schreiben des Songs vor einigen Jahrzehnten gedachte habe, die Exzesse des Rock’n’Roll ebenfalls nicht zu überstehen. Doch so sei es viel besser – er könne auf ein geiles Leben zurück schauen und habe noch viele gute Jahre vor sich.

Der Mann mit Hut ließ es sich auch nicht nehmen, ein Bad in der Menge zu nehmen. Er schüttelte minutenlang die Hände der Umstehenden und nahm mit zwei Begleitmusikern eine Plattform inmitten des Publikums ein, um – stilgerecht auf grünen Socken – eine kleine akustische Session abzuliefern. Zu „Meine erste Liebe“ gab s ein Duett mit Nathalie Dorra und zu „0-Rhesus-negativ“ enterte ein waschechter Vampir die Bühne, der schließlich mit akrobatischen Übungen in die Höhe entschwand.

Zurück auf der Bühne gab es mit „Wozu sind Kriege da“ einen der Höhepunkte der Setlist. Wunderbar, dass Udo diesen Song wieder mit ins Programm genommen hat und auch eine Bande von „Lindenzwergen“ als gesangliche Verstärkung dazu nahm. Ein äußerst emotionaler Moment, der bei vielen für feuchte Augen sorgte. An Aktualität hat dieses Stück noch nie verloren. Ebenso wie das optimistische „Hinterm Horizont“, das nicht erst seit der Premiere des gleichnamigen Musicals zu Udos Paradestücken gehört. Als weiteren Gaststar hatte er Josephin Busch dabei, die die weibliche Hautrolle im Theater am Potsdamer Platz spielt und die komplette Tour begleiten wird. Gemeinsam sangen sie „Gegen die Strömung“ und den Titelsong. Mit Widmung an Udos verstorbenen Bruder gab es das verträumte „Stark wie zwei“ vom letzten Studioalbum, eine bunte Lasershow begleitete „Bis ans Ende der Welt“ und der rockige „Sonderzug nach Pankow“ beendete den Hauptset des Abends.

Zum Finale und großen Show-Abschluss nach mehr als 150 Minuten Musik stürmten zum letzten Mal alle Gäste die Bühne und gaben gemeinsam mit Udo Knaller wie „Candy Jane“, „Andrea Doria“, „Honky-Tonky-Show“ und „Reeperbahn“ zum Besten. Ich kann sagen: Udo ist in bester Form und gibt sich auf der Bühne äußerst locker. Man hatte das Gefühl, dass es keine Rolle für ihn spielt, wie groß die Hallen sind und wie ausufernd die Produktion um ihn herum glänzt. Er macht sein Ding – im wahrsten Sinn – und tritt auf der Riesenbühne genau so kumpelhaft und publikumsnah auf, wie er dies vor einer kleinen Fanschar tun würde.

Weiter geht es mit der „Ich mach mein Ding“-Tour in Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart, Oberhausen, Berlin, Hannover, Halle/Westfalen, Leipzig und Erfurt. Abschluss der Tour ist Anfang April in Köln. Wer noch die Chance hat, sich ein Ticket zu sichern, sollte nicht zögern!