Vokalverbot 20 Jahre Vokalverbot, Kurhalle in Nonnweiler

Vokalverbot 20 Jahre Vokalverbot, Kurhalle in Nonnweiler
DATUM» 24.03.2012
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Als die fünf Sänger aus dem nördlichen Saarland vor 20 Jahren erste Bühnenerfahrung sammelten, hießen sie noch „Die Sänger aus dem Münzbachtal“ und sangen in leicht anderer Besetzung. Zum Jubiläum – seit langem schon trägt das Quintett den Namen Vokalverbot – hatte man sich Großes vorgenommen: Das erste alleinige, komplett abendfüllende Konzert als Heimspiel in der Kurhalle Nonnweiler. Am 24. März war es soweit und man durfte sich über ein ausverkauftes Haus freuen.

Andreas, Hansi, Holger, Klaus und Stefan legten los mit „Video killed the radio star“, einem Popsong der Gruppe The Buggles. Im Vordergrund der Bühne stand ein Bierkasten mit Vokalverbot-Aufdruck. Was es damit auf sich hatte, sollten die Zuschauer bald erfahren: Chorleiter Holger Schön hatte die Flaschen unterschiedlich hoch mit Flüssigkeiten gefüllt (oder ihrer Flüssigkeit entleert) und konnte stilecht mit diesen „Glasblasinstrumenten“ den Ton angeben. Die ersten Lacher waren ihm sicher.

Ganz klar, dass es ein besonderer Abend werden sollte. Ganz zu Anfang gab es schon Lobeshymnen von Kulturamtsleiter Finkler für die A-cappella-Events der Vergangenheit. Zudem konnten alle ehemaligen Sänger der Truppe im Saal begrüßt werden. Und als Hommage an die Anfangszeit gab es dann auch gleich ein in saarländischer Mundart vorgetragenes Lied aus alten Tagen.

Das Repertoire von Vokalverbot ist breit gefächert. Es gibt getragene, polyphone Stücke ebenso wie Popsongs mit starken rhythmischen Elementen und viele lustige Nummern, die ein wahres Gag-Feuerwerk zünden. In einer gelungenen Karel-Gott-Parodie wurden Schlager wie „Die Biene Maja“ und „Babicka“ vorgetragen. Es gab den peppigen Rocker „Have a little faith in me“ und dann – mit der Bemerkung „Wir steigern uns langsam“ – den Kracher „Tage“ der Band Ganz Schön Feist, in dem die Unbillen der weiblichen Menstruation beschrieben werden. Gerade solche Songs liegen Vokalverbot und sie stellen die Widrigkeiten des Alltags äußerst gekonnt dar. Gerne singt man auch Stücke bekannter A-cappella-Gruppen wie der Kölner Band Basta. Deren schnelles „Wer hat eigentlich gesagt?“ – hier mit Leadstimme von Holger – ist wahrer Hochleistungssport und Vokalverbot bewiesen, dass sie auch vor solchen Schwierigkeitsgraden keine Angst haben müssen.

Die Arrangements stammen meist aus der Feder von Stefan Schweig, der die Originalsongs passgenau umschreibt. Manchmal trägt er zu bekannten Schlagern auch neue textliche Deutungen bei, wie in „Lyoner, zum Abschied sag ich dir Goodbye“. Vor der Pause gab es das erste Highlight: Nebelschwaden auf der Bühne und die Klänge von Michael Jacksons „Thriller“. Die Wise Guys aus Köln haben daraus den Song „Schiller“ gemacht, doch Vokalverbot gehen noch einen Schritt weiter: „Sie ist schwanger“, heißt es bei ihnen und die Probleme angehender Väter wurden bis ins Detail von der hohen Tenorstimme Klaus Rimlingers analysiert. Ein Hammersong, sehr vertrackt arrangiert und mit einer umfangreichen Choreographie versehen.

Nach der Pause ging es munter weiter. Man hatte den dunklen Zwirn aus der ersten Hälfte gegen eine bunte Kombi eingetauscht, bei der jeder ein rotes Accessoire präsentierte. Das Repertoire sah erst den englischen Titel „Pass the dutchie“ vor. Originalgetreu mit Rap-Teil und gekonnter Mouthpercussion. Es gab zwei weitere Stücke von Ganz Schön Feist, den „Logopädentango“ und  „Dieter“, das schon seit langem ein Paradestück von Vokalverbot ist. Dann wurde der im Saal anwesenden Lara ein Ständchen gesungen, die ebenfalls just am Tag 20 Jahre alt wurde.

Die Stimmung im Publikum war auf dem Siedepunkt, als zum Song „Heya“ ein Mitsingteil den Saal in einen Mammut-Chor verwandelte. Holger dirigierte die Massen wie Gotthilf Fischer höchstpersönlich. Zum Abkühlen gab es den Klassiker „Männer“, im Original von Herbert Grönemeyer, aber durch die Bläck Fööss auch in A-cappella-Kreisen sehr beliebt. Pure Ausgelassenheit hatte die Bühne schon längst erobert und zu „Pretty Woman“ betrat mit Frank ein Sänger des Ensembles die Bühne, der lange Jahre zu Vokalverbot gehörte, aus beruflichen Gründen aber kürzlich aufhören musste. In weiblicher Kostümierung eroberte er als heißer Feger schnell die Herzen im Sturm.

Frank war dann bis zum Schluss des Konzertes mit dabei. Und es sollte noch lange nicht zu Ende sein: „Eye in the sky“ (von The Alan Parsons Project) als schöne Ballade, „Rasier dich mal“ – der Titelsong von Vokalverbots erster CD nach einem Original von Paul Simon, und der verträumte deutsche Abschluss mit Rio Reisers „Junimond“. Vorher ging es aber nochmal in die Vollen und das Quintett bewies seine Vorliebe für „originalgetreue Interpretationen“, indem man „Veronika, der Lenz ist da“ von Bass Andreas Jung im Stil der Neuen Deutschen Härte (Rammstein und Co.) vortragen ließ. Ein Feuerwerk aus Lichteffekten und Nebelschwaden ließ die Zuschauer vergessen, dass hier immer noch Musik ohne Instrumente gemacht wurde – fabelhaft.

Nach über zwei Stunden reinem Gesangs-Programm ging es inzwischen schwer auf 23 Uhr zu und der Zugabenblock beinhaltete noch zwei Stücke: „Auf Wiedersehn in Garmisch-Partenkirchen“, eine Volksmusik-Parodie, welche die 6-Zylinder bundesweit bekannt gemacht haben, und dann das perfekte Gegenstück, nämlich „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Eindeutig mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad, denn man merkte den Sängern die Strapazen der vergangenen drei Stunden an.

Ein großes Kompliment an Vokalverbot, denen das abendfüllende Programm sichtbar und hörbar gut geglückt war. Es war ein sehr vielseitiger, abwechslungsreicher Set und man zeigte alles, was eine moderne A-cappella-Band können muss. Hut ab für diese Leistung. Es war allen Anwesenden klar, dass die Probenarbeit für dieses Event viel an Nerven gekostet haben musste.  Ein nächstes Konzert gibt es am 21. April 2012 im Jugendtreff Schwarzenbach.