Westernhagens „Hottentottenmusik“ in der Mannheimer SAP Arena

Westernhagen am 15.09.2012 in der Lanxess Arena, Köln, Rainer Keuenhof
DATUM» 18.09.2012
ARTIST»
VENUE»

Das war ein Konzert, auf das ich mich lange gefreut habe. Marius Müller-Westernhagen in der Mannheimer SAP Arena. Es war Anfang der 90er Jahre, als ich ihn zum letzten Mal live erlebt habe. Und jedes seiner Konzerte blieb in bester Erinnerung. Seien es das legendäre Open Air in St. Wendel oder die fulminanten Events in Saarbrücken. Und klar finden sich alle Live-Dokumente im DVD-Regal: „Keine Zeit“ war vielleicht nicht das Gelbe vom Ei, doch „Live“ aus dem Jahr 1990 ist unvergessen. Stadionrock vom Feinsten mit einem Künstler auf dem Höhepunkt seines Schaffens. 2006 gab es dann noch „Wenn das Licht auf dich fällt“ – sehr beschaulich und filigran, ein Schritt in ruhigere Gewässer.

Was bietet nun Westernhagen 2012? Immerhin war da vor drei Jahren die CD „Williamsburg“ und zur Freude vieler Fans ein Sänger, der sich in alter Stärke zeigte und ein astreines, dreckiges Blues-Album veröffentlichte. Weg von Bigband-Sound und Bläserklängen, stattdessen eine erdige, akustische Ausrichtung. So bringt es enorme Vorfreude, den alten Herrn wieder auf der Bühne sehen zu dürfen.

Der Support Act wurde auf Westernhagens Homepage gesucht und von den Fans gewählt. Im Voting entschieden sie sich mehrheitlich für The Impression aus Augsburg. Vier Indie-Rocker, die zwar nicht auf die große Bühne durften, aber vor dem zugezogenen Vorhang ordentlich abrockten. 6.000 Zuschauer – in freudiger Erwartung kommender Ereignisse – ließen sich durchaus begeistern und von der jugendlichen Euphorie anstecken.

Schon um 20.30 Uhr startete dann die Westernhagen-Show mit dem Titel „Der braune Mann“, einer musikalischen Breitseite gegen das Neonazitum. Und gleich darauf folgten „Schweigen ist feige“ und der aktuelle Song „Wir haben die Schnauze voll“. Westernhagen hat nichts von seiner Relevanz verloren und zeigt uns, was er immer noch zu sagen hat. 63 Jahre alt? Man merkt es ihm nicht an. Er springt wie ein junger Hüpfer über die Bühne, kokettiert mit der Backgroundsängerin und erfreut sich sichtlich an der hervorragenden Band aus amerikanischen, britischen und deutschen Musikern, die er da um sich versammelt hat.

Das Ensemble spielt perfekt zusammen. Der neue Sound wird mit Elan und Spielfreude zu den Zuschauern transportiert. Es ist ein Genuss, Marius inmitten dieser Band zu erleben, die vor allem im Zuge der Williamsburg-Aufnahmen zusammen kam. Inzwischen gibt es mit „Hottentottenmusik“ ein Livealbum, das genau diesen Esprit eingefangen hat und zu seinen besten Veröffentlichungen der letzten zwanzig Jahre zählt. Brad Rice spielt eine exzellente Slide-Gitarre, Bassist John Conte hat schon mit David Bowie gespielt und der Düsseldorfer Markus Wienstroer arbeitet schon seit den 90ern mit Marius zusammen. Im Background gibt es mit Della Miles und Ron Jackson ein stimmgewaltiges gemischtes Doppel. Und Alan Clark (Keyboards) sowie Multi-Instrumentalist Frank Mead komplettieren das Ganze.

Auf den aktuellen Live-Konzerten holt Westernhagen weit aus: „Taximann“ verursacht allgemeines Entzücken. „Pfefferminz“, „Mit 18“ und „Sexy“ – da ist alles dabei, was das Fanherz begehrt. „Fertig“ und „Willenlos“ glänzen in aufgeputschten Versionen und es gibt auch Unerwartetes – beispielsweise „Lichterloh“ und „Engel“ mit der abschließenden Textzeile „Der Weg war weit, der Weg war weit“. Wie wahr!

Zum Abschluss genießt ein bis auf den letzten Rang stehendes Publikum „Freiheit“, singt lauthals mit und jubelt begeisternd dem abschließenden Diabild „Free Pussy Riot“ zu. Ein ganz ergreifender Moment, der durch die akustische Version von „Johnny Walker“ harmonisch aufgelöst wird. Westernhagen hat eine Wahnsinns-Show abgezogen. Mit großer Band und überdimensionalem LCD-Schirm, der seine Nachricht bis in den letzten Winkel transportierte. Von diesem Künstler haben die Fans noch lange nicht genug und ich bin fest entschlossen, bis zum nächsten Konzertbesuch nicht mehr so viel Zeit verstreichen zu lassen.

Setlist – Mannheim 18.09.2012:

  • Der braune Mann
  • Schweigen ist feige
  • Wir haben die Schnauze voll
  • Lieben werd ich dich nie
  • Wenn du glaubst
  • Willenlos
  • Fertig
  • Herr D.
  • Taximann
  • Alleine
  • Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz
  • Komm in meine Arme
  • Nur ein Traum
  • Nureyev
  • Durch deine Liebe
  • Krieg
  • Sexy
  • Wieder hier
  • Mit 18
  • ———————
  • Jesus
  • Lichterloh
  • Engel
  • Freiheit
  • Johnny Walker

Foto: Rainer Keuenhof (Köln, 15.9.2012, für Musicheadquarter)

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