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Wie wollen wir leben? – Definitiv nicht ohne Konzerte!

Long Distance Calling  -  23.09.2020  -  Neue Gebläsehalle / Neunkirchen/Saar

213 Tage musste in diesem unwirklichen Jahr verstreichen bis ich seit meinem letzten Konzert am 23.02.2020 im Mergener Hof (Trier) wieder ein Konzert besuchen durfte. Und zum Auftakt in die neue Konzertweltordnung sollte es gleich losgehen mit einer meiner absoluten Favoriten “Long Distance Calling” (LDC) und ihrer kleinen Tour zum neuen Album, das den vielsagenden Titel “How Do We Want To Live?” trägt. Zudem fiel das Konzert auf den Tag, an dem bekannt gegeben wurde, dass das Trierer Ex-Haus endgültig seine Pforten schließen sollte – das Ex-Haus, das Ausrichter des LDC-Konzerts im Dezember 2018 und eines meiner ersten Konzerte als Berichterstatter für musicheadquarter war. Für mich war es also ein Konzert der intensiven Gefühle.

Vor knapp drei Wochen wurde kurzfristig bekannt gegeben, dass LDC ihre Mini-Tour in Neunkirchen in der Neuen Gebläsehalle starten wollen. Und zwar mit den mittlerweile hinlänglich bekannten C-Hygieneregeln: stark eingeschränkte Besucherzahl (max. 250 Besucher), Bestuhlung mit Tischen, Begleitung zu den Tischen bei Einlass, Maskierung, sofern man nicht an seinem Platz sitzt etc. pp. Der Einlass verlief absolut reibungslos mit sehr freundlichen Beschäftigten; die Besucher hielten sich vorbildlich an die Regeln ohne irgendwelche sinnlose Diskussionen oder hirnverbrannte Kommentare – eigentlich alles wie immer bei vorfreudigen Rockkonzertbesuchern.

Fast pünktlich kamen die 4 Münsteraner Post-Rocker mit den Worten des Intros “Curiosity is a real bastard” ihres jüngsten Albums auf die Bühne und wurden schon zu diesem Zeitpunkt phrenetisch mit Applaus bedacht. Man merkte hier schon, dass das Publikum ausgehungert war nach Konzerten. Zu Beginn wurde das Publikum mit den ersten Songs des neuen Albums bedacht, das es auf Platz 7 der deutschen Albumcharts schaffte. Und auch schon im ersten Drittel des Konzerts wurden die Besucher mit einem Werk beglückt, das bei keinem LDC-Gig fehlen darf: “Black Paper Planes” von ihrem 2009er Album “Avoid The Light”, das den Grundstein ihres Erfolges darstellt.

So wie das Publikum sitzend bei den Stücken mitging, so sehr machte sich die pure Spielfreude der Band bemerkbar, der man anmerkte, wie sehr ihnen die Bühnenpräsenz gefehlt hatte. Zwischen der Vorstellung ihres neuen Albums mischten sie immer wieder auch Stücke der Vorgängeralben mit ins Set, wie zum Beispiel “Out There” vom Boundless-Album. Einer der absoluten Höhepunkte des Gigs war das vorletzte Stück des Haupt-Sets, ein Stück, das ebenfalls bei keinem LDC-Auftritt fehlen darf: “Metulsky Curse Revisited”, dem man am Ende des Stück noch ein paar Sabbath-Riffs von Dave hinzufügte und einen schon speedigen Teil verpasste. Nach 90 Minuten war dann leider schon wieder Schluss – jedenfalls mit dem Hauptteil, vor es noch in eine 10-minütige Zugabe ging.

Nochmals ein großes Lob an die tolle Orga der Veranstaltung durch die Kulturgesellschaft Neunkirchen. Durch die gute Vernetzung Tim Massons in der Post-Rock und Alternative-Szene, der u.a. maßgeblich für das Line-Up des Gloomaar-Festivals zuständig ist, ist es gelungen, in diesen schwierigen Zeiten ein solches Event auf die Beine zu stellen. Und falls es das Infektionsgeschehen zulässt und nach dem Stand der Dinge am gestrigen Abend, ist das Gloomaar-Festival unter ähnlichen Bedingungen nach Tims Einschätzung safe! Beim diesjährigen Line-Up wird es auch unter diesen Umständen ein Erfolg und wird mit Sicherheit zu einem etablierten Festival.

Zur Frage des LDC-Albumtitels: “How Do We Want To Live?” – “Not without concerts!”