Wolf Maahn solo & acoustic in der Kölner Kulturkirche

WolfMaahn2011
DATUM» 12.10.2012
ARTIST»
VENUE»

Im August erschien Wolf Maahn’s erstes Solo-Live-Album „Lieder vom Rand der Galaxis“. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er nun schon seit sieben Jahren regelmäßig alleine auf Tour geht. Anfangs gab es noch Zweifel. Kann nur eine Gitarre eine Band ersetzen und den ganzen Abend genug Abwechslung liefern? Sie kann! Wolf Maahn hat das inzwischen oft genug bewiesen, auch wenn er das Rechtshänder-Instrument linksrum spielt und das immer noch ein bißchen durchgeknallt aussieht. In diesem Jahr feiert er sein dreißigjähriges Jubiläum. Was also lag da näher, als die „Ein-Maahn-Band“ erneut mit den „Liedern vom Rand der Galaxis“ auf eine Reise über den kleinen blauen Planeten zu schicken?

Heute abend landet er in seiner Wahlheimat Köln, genauer gesagt im schönen Stadtteil Nippes. Hier steht eine neogotische Lutherkirche. Neben den allsonntäglichen Gottesdiensten werden dort seit zehn Jahren auch Konzerte veranstaltet. Das Nippeser Gotteshaus hat sich inzwischen als „Kulturkirche Köln“ weit über die Grenzen der Domstadt hinaus einen Namen gemacht. Das Ambiente im Inneren ist wirklich einzigartig. Die hohen Mauern sorgen für eine tolle Akustik, der Altar ist durch eine Bühne ersetzt, an den Wänden hängen Lichttraversen neben Heiligenfiguren und eine Theke sieht man in einer Kirche auch nicht alle Tage. Die engen Bänke sind rappelvoll als Wolf Maahn nahezu pünktlich um 20 Uhr auf seinem Barhocker Platz nimmt, um sich herum vier Gitarren, ein Mikro, einen Notenständer und eine flachgelegte Cachon, auf der er sich mit dem rechten Fuß selbst rhytmisch begleitet. Im Hintergrund hängt passend zum Albumtitel ein weißer Mond vor einem Sternenhimmel.

Wolf Maahn Kulturkirche Köln
Er beginnt sein Set mit „Flucht nach vorn“ und „Vereinigte Staaten“ von seinem gleichnamigen letzten Studioalbum. Bei „Durch alle Zeiten“ wird dann erstmals gegroovt. Wolf Maahn ruft „Wir wollen Spaß haben“ und die Leute vor ihm tauen spürbar auf. Anschließend träumen alle mit dem wunderbaren „Kind der Sterne“. Leider ist der Gitarrensound im Verhältnis zur Stimme eine Spur zu laut abgemischt. Doch Wolf Maahn überspielt das gewohnt nonchalant. Egal ob er vor „Nothing But A Heartache“ erstmal seine Gitarre stimmen muss oder sich während „Total verliebt in dich“ im Text verhaspelt, es sind diese kleinen Patzer, die den 57-Jährigen so sympathisch machen. Bei „Unter einem großen Himmel“ versinkt er förmlich in seinem Gitarrespiel und freut sich wie ein kleines Kind über die Publikumschöre zu „Wenn der Regen kommt“. Anschließend macht er überraschenderweise fünfzehn Minuten Pause. Erfreulicherweise ist der Sound danach deutlich besser.

Mit den beiden Klassikern „Rosen im Asphalt“ und „Irgendwo in Deutschland“ geht es weiter. Jetzt tobt die Kulturkirche vor Begeisterung. Es folgt meine persönliche Gänsehaut-Nummer „Ich wart‘ auf dich“. Wie immer erzählt Wolf Maahn („Ich laber heute auch Scheiße“) das ein oder andere Anekdötchen. So analysiert er vor „Kathedralen von Zahlen“ für uns das Bankensystem: „Die Banken leihen sich untereinander nichts mehr. Die sind misstrauisch. Komisch, oder?“. Schließlich geht er mit „Deine Küsse“ (von 1983) und „Blinder Passagier“ (1982) ganz weit zurück bis zu seinen Anfängen mit den Deserteuren. Zwischendurch schweift er in Bob Dylan’s Kultsong „Knockin‘ On Heaven’s Door“ ab, bevor es an die Zugaben geht.

Die starten mit „Eins für die Schwärmer“ vom 2004er „Zauberstraßen“-Album, das es übrigens bald als aufwändigen Re-Release geben wird. „Sterne in meinen Schuh’n“ widmet Wolf Maahn seiner Frau Angelika. Den würdigen Schlußpunkt setzt dann nach über zwei Stunden „Kleine Helden“. Die Kulturkirche hat sich da schon längst erhoben und feiert einen grossartigen Konzertabend und einen sichtlich überwältigten Wolf Maahn. Noch in derselben Nacht schreibt er auf Facebook: „Diesen Abend werde ich so schnell nicht vergessen! Danke Köln, danke Nippes! Danke der Kulturkirche! Ihr habt gerockt!!“. Der Dank ist ganz auf unserer Seite, Wolf. Und vergiß nicht zu tanzen!