World Club Dome 2014 – Einmal Eskalation zum Mitnehmen bitte!

DATUM» 31.05.2014 - 01.06.2014
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Stell dir vor, es ist Party und die ganze Welt kommt. Ein Meer von feiernden, glücklichen Menschen verschiedenster Hautfarben und Nationalitäten, vereinigt unter einer Flagge, den Big City Beats. Spaß beiseite, so ganz war es dann beim „World Club Dome 2014“ in Frankfurt dann doch nicht. Aber die ersten Ansätze zur Mega-Sause des Jahres waren deutlich zu erkennen. Allein ein Blick auf das Line-Up mit u.a. David Guetta, Netsky, Steve Aoki und Dada Life genügt, um funkelnde Augen zu bekommen.

 

Samstag

Bereits am Nachmittag ist das Gelände um die Commerzbank Arena mit 35.000 Feierwütigen picke packe voll. Nach einer guten Stunde anstehen für die Tickets, was durchaus etwas effizienter hätte gestaltet werden können, geht es hinein in die heiligen Hallen. Beim Betreten des Bereichs „Partydeck“ (in Deutsch: Sitzplatz Unterrang) bekommt man einen ersten Eindruck von der Dimension des Festivals vom Veranstalter Big City Beats: Eine riesige Bühne, bespickt mit neuester Ton- und Lichttechnik thront über einer tanzwütigen Feiermeute im Innenraum, welche in die Bereiche „Front Stage“ und „Infield“ geteilt ist. Abgesehen von riesigen, sich wechselnden Bildern auf LED-Leinwänden hat die Bühne auch einige weitere Besonderheiten auf Lager. Das merkt man vor allem bei Alesso. Als der Schwede die Bühne betritt, wird ein wahres Feuerwerk an Pyrotechnik mit Feuersäulen, Raketen und Konfettikanonen dem Publikum um die Ohren gehauen, als wolle man dafür sorgen, dass auch wirklich jeder mit einem Piepen nach Hause geht. Leider bekommt man auf dem „Partydeck“ darüber nicht wirklich etwas mit, frei nach dem Motto „nur dabei, statt mittendrin“. Für 86,00 Euro inklusive Vorverkaufsgebühren hatten sich bestimmt einige Leute etwas mehr davon versprochen. Also schneller Locationwechsel, ab dahin wo es wehtut und zwar richtig. Denn Steve Aoki ist zwar bekannt für seine grandiosen Live-Shows, jedoch seit heute ist er auch als Meister der Tortenvernichter (mindestens drei Stück werden beim Set von ihm ins Publikum geworfen – hurra Frühstück!) und als Meister blauen Flecken. Selten hat man ein so intensives Konzert mit so vielen Pits – ja, richtige Mosh- und Pogopits – gesehen. Eine solch ausgelassene Stimmung können anscheinend aber nicht alle ab, vor allem nicht ein arrogantes Arschloch (Entschuldigung), welcher einem Besucher mit Anlauf auf den Hinterkopf rotzt, nachdem er ihn versehentlich mit Bier bekleckert hatte. Die Worte auf seinem Shirt „Down On Your Knees Bitch“ sprechen dann wohl für sich. Zum Glück gibt es eine beherzte Security, welche solchen Abschaum schneller abführt, als dieser deren Mütter beleidigen kann. Ohnehin muss man den Securiys ein großes Lob aussprechen, die sich über das gesamte Festival hinweg kompetent und hilfsbereit zeigt.

Vorweg gesagt, man war schon ein wenig überrascht, als man die Pet Shop Boys als Headliner auf dem Flyer gelesen hat. „Ist doch 80iger oder?“, grölt eine betrunkene und betäubte Seele einem in die Lauscher. Ganz recht, deshalb wundert es auch einen was sie hier bei einem Festival, bei der, seien wir ehrlich, Party wichtiger ist, als qualitativ hochwertige und selbstgeschriebene Musik? Naja, vielleicht wird ja alles ganz anders. Vielleicht kann das britische Duo mit ihrer Live-Performance überzeugen. Vielleicht reißen sie die Leute einfach mit und lassen alte Zeiten aufleben?! Vielleicht aber auch nicht. Scharenweise verlassen die Leute nach kürzester Zeit den Innenraum und das „Partydeck“. Bis morgen und passt auf, dass ihr eine Bahn bekommt, die sind wirklich rar an diesem Abend!

 

Sonntag

„Wie soll ich überhaupt Kraft für morgen haben, nach Steve Aoki“, fragt sich ein Betrunkener im Tiger-Kostüm gestern noch selber. Trotz seines Zustandes, sind es verdammt weise Worte. So schafft man es gerade noch zum Ende der Bananen-Crew Dada Life, die ihrem Markenzeichen alle Ehre machen und scharenweise XXL-Bananen aus Plastik in die Menge werfen. Jedoch ist die Hauptbühne heute nicht so interessant. Am Sonntag gibt es nämlich sage und schreibe sechs (!!!) neue Floors auf dem Gelände, alle in der Nähe der Unterrang-Eingänge und nur ca. 20 Meter jeweils voneinander entfernt. Eine Elektro-Allee zum Wohlfühlen. Der klare Gewinner dieser kleinen Musikmesse, bestehend ais verschiedensten Locations und Partyreihen, die ihre Host-DJs präsentieren, ist ganz klar die Hypercat aus Mannheim. Was hier über den gesamten Nachmittag los ist, lässt sämtliche namenhafte DJs vergessen. Reinste Eskalation mit tanzenden Laser-Robotern, CO2-Kanonen und Nebelmaschinen, bei denen man denkt, man würde gleich eine Dunstvergiftung bekommen. Aber verdammt, macht das alles Laune.

Das Ganze wird aber noch auf der Side Stage vom Belgier Netsky doppelt und dreifach getoppt. Eigentlich ist es fast schade zu sehen wie viele Partygäste die großen Namen vorziehen, anstatt auf die Musik zu achten. Denn der 25-jährige feiert mitsamt Sänger eine Show ab, welche ihm den Titel „Live-Act des Tages“ beschert. Die breite Masse schaut währenddessen David Guetta sowie einer beeindruckenden Laser-Show zu. Auch wenn man gewisse Vorurteile gegen Franzosen hegt, es sieht einfach nur unfassbar geil aus, wie Tausende von Menschen ihre Hände gen Himmel strecken und singen, dass man aus „Titanium“ besteht. Hits wie „Love Is Gone“ oder „Shot Me Down“ stehen dem in Nichts nach, genau so wenig wie die abschließende Pyro-Show, bei der eine Frauenstimme vom Band befehligt, dass sich der Himmel über Frankfurt nun erleuchten soll.

Ein schöner Knall, ein schöner Abschluss und damit endet der „World Club Dome 2014“. Und er hatte wirklich einiges geboten. Dennoch muss man ein paar Abstriche machen, gerade was das sogenannte „Partydeck“ betrifft. Hier hatten sich die Besucher sicherlich etwas anderes vorgestellt als einen schlichten Unterrang. Eine Rüge ist das alle Male wert, zumal die Party dort keinen Vergleich darstellt mit dem, was da in den ersten Reihen der gut 50-Euro teureren Front-Stage abging. Wenn man einiges zahlt, kann man hier wirklich eines der Party-Highlights des Jahres genießen. Aber auch nur dann.