ZAZ, Live Tour 2012, Support: Imany in der Arena in Trier

ZAZ, Live Tour 2012, Support: Imany in der Arena in Trier
Photo credit: ZAZ, Live Tour 2012, Support: Imany in der Arena in Trier
DATUM» 10.05.2012
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Da hatten zwei stimmlich und optisch perfekt ausgestattete Damen aus Frankreich in die Arena Trier eingeladen. Als ich mich auf den Weg durch die Stadt machte, sah ich schon allerorten Autokennzeichen aus Luxemburg, Belgien und Frankreich. Manche zwar auf dem Weg zum „Heiligen Rock“, doch die Schlange Richtung Arena war bedeutend länger. Der neue europäische Superstar ZAZ hier im günstig gelegenen Vier-Länder-Einzugsbereich – das bedeutete: volles Haus in Trier.

Als Support auf der 2012er Tour ist Imany (bürgerlich: Nadia Mladjao) aus Südfrankreich mit dabei. Und sie war schon die erste Überraschung des Abends. Imany am Mikro, begleitet von ihrem Gitarristen an der akustischen Klampfe, bot ein 30minütiges Vorprogramm vom Feinsten. Der Applaus wurde von Song zu Song lauter. Sie hat eine wundervolle, sonore Alt-Stimme, die sehr an Tracy Chapman erinnert. Das Debütalbum „Shape Of A Broken Heart“ ist in Deutschland noch nicht erschienen, der geplante Release im Juni 2012 aber schon dick im Kalender vermerkt. Imany singt in englischer Sprache. Meist eigene Songs, doch auch das Jackson-Cover „I’ll Be There“ verursachte Gänsehaut. Ein glänzender Einstieg in diesen Abend.

Dann aber kam ZAZ. In ihrer französischen Heimat ist Isabelle Geoffrey längst ein Star. Doch auch bei uns landete ihr Debütalbum auf Platz 3 der Charts – eine beachtliche Leistung angesichts der Tatsache, dass die Deutschen französischsprachige Musik ansonsten weitgehend ignorieren. Mit ihrem erfrischenden Mix aus Nouvelle Chanson und Jazzelementen scheint die Sängerin und Songwriterin einfach den richtigen Nerv zu treffen. Das war auch in der Arena spürbar, die vom ersten Lied an voll mitging.

Die Sängerin wurde von einer großartigen Jazzband unterstützt und verzichtete auf weitere Effekte, die sie auch gar nicht nötig hat. Die Kombo war mit recht jungen Leuten besetzt, die sichtbar viel Spaß auf der Bühne haben. Und jedes Mal, wenn der satte Kontrabass einsetzte, gab es ein wohliges Kribbeln rund ums Zwerchfell. Da merkte man wieder, was ein echter Bass kann.

Wenn ZAZ bei den schnellen Stücken wie „Les passants“, „J´aime à nouveau“ oder „Le long de la Route“ über die Bühne wirbelte, wirkte sie wie eine moderne Pippi Langstrumpf – ein Energiebündel par excellence. Sie trug ein sehr sportliches Outfit, das sie als Springinsfeld zwischen Rock und Chanson auch brauchte. Immer in Bewegung – als hätte sie einen Bühnenmarathon zu bewältigen. Da passte ein Stück wie „Je saute partout“, das sie durchgängig springend interpretierte, ohne außer Atem zu geraten.

Und ZAZ beherrschte auch die ruhigen Momente, etwa beim balladenartigen Anfang von „Dans ma rue“ oder den eindringlichen Chansons, die sie im Repertoire hatte. Dann war das Publikum komplett in ihrem Bann, wurde aber problemlos von ZAZ auch zum lautstarken Mitwirken animiert wie bei einem der wenigen englischen Titel, dem Cover „I’m So Excited“.

Das Konzert enthielt die Songs des Debütalbums „ZAZ“, ergänzt um einige neuere Titel wie „Pray The Sunshine“ und „Aux détenteurs“. Im Zugabenblock kam Imany nochmal auf die Bühne und die beiden boten im Duett den Klassiker „La vie en rose“. Das Zusammenspiel der beiden Stimmen (Imany in der tiefen Lage, ZAZ mit rauchiger Chanson-Stimme) überwältigte alle Anwesenden.

110 Minuten dauerte die Rock-Chanson-Dance-Power-Show. Ehrlich: Ich bin selbst kein Fan französischer Musik. Doch diese Frau live zu sehen war eine Offenbarung. Sie übertrug ihren ganzen Elan auf das multinationale Publikum, animierte die Leute zum Tanzen, erzählte liebevolle Geschichten. Zwischenzeitlich musste eine Zuschauerin, die sich als der französischen Sprache mächtig geoutet hatte, als Dolmetscherin herhalten. Das geschah so locker und unverkrampft, dass ZAZ alle Sympathien des Publikums im Sturm gewann.

Egal ob es nun ihr Superhit „Je Veux“ war, den natürlich jeder kannte und begeistert mitsang, oder die ruhigen akustischen Einlagen auf dem Barhocker. Das Publikum folgte ihr und ließ sich zum Ende hin zu einer regelrechten Urschrei-Therapie herausfordern. Wer so ohne Starallüren und mit spielerischer Leichtigkeit auftritt, darf gerne wieder in die Region kommen.