Christine Neder besuchte „40 Festivals in 40 Wochen“ – ein kurioser Selbstversuch

VERÖFFENTLICHUNG» 10.12.2012
AUTHOR»
PUBLISHER»
  bei Amazon bestellen

Christine Neder ist 27 Jahre alt, Bloggerin und Journalistin („Spiegel online“). Bekannt geworden im Web 2.0 ist sie mit dem kuriosen Selbstversuch „90 Nächte, 90 Betten“, der sie quasi über Nacht zur bekanntesten Couchsurferin Deutschlands machte und ihr den ersten Bestseller bescherte. Was hat sie sich für 2012 Neues ausgedacht? „40 Festivals in 40 Wochen“. Der dazugehörige Schmöker trägt den Untertitel „Von einer, die auszog, das Feiern zu lernen“.

Das ist doch mal eine coole Idee. 40 Festivals rund um den Globus, in den USA, der Karibik und Europa. Nicht immer mit Musik – auch das „Royal Ascot Race“, britisches Aushängeschild der Upper Class“, ist vertreten. Doch in der Hauptsache geht es natürlich um Schlammlandschaften und vollgepinkelte Zeltwände. Also alles, was wir selbst schon zu Genüge erlebt haben. Nur halt nicht in dieser Masse. Otto-Normal-Festivalbesucher braucht doch meist 1-2 Wochen zur Regeneration, wenn das geliebte Event vorüber ist.

Christine Neder gönnt sich diese Pause nicht und berichtet entsprechend pausenlos von ihren Erfahrungen. Mit Musikfans und Facebook-Nerds, verkrachten Existenzen und Hippies, Menschen auf der Suche nach dem Besonderen im Leben. Darauf legt sie auch den Schwerpunkt in ihren Berichten. Man bekommt manchmal das Gefühl, sie auf ein einziges großes Event zu begleiten, das verteilt über den Planeten stattfindet. Ihr Schreibstil ist witzig und flüssig. Man lernt die Autorin und ihre Gedankengänge kennen, erfreut sich an den Anekdoten.

Einziges Manko: Die Grenzen zwischen den einzelnen Festivals sind quasi fließend. Oft habe ich beim Lesen vergessen, wo sich die Gute nun gerade befindet. Denn die Berichte sind nicht sehr strukturiert und informativ. Kaum Hintergründe zu Musik und Organisation der Festivals. Selbst den geographischen Standort muss man bisweilen aus dem Kontext erschließen.

Um also einen Überblick zu Musikrichtungen, Bands und dem Drumherum zu bekommen, seien weiterhin die gängigen Festivalguides empfohlen. Christine Neder hingegen vermittelt gekonnt das Lebensgefühl, dass die Events in sich tragen. Und sie charakterisiert gekonnt einzelne Persönlichkeiten, die ganz für sich oder für bestimmte Personengruppen stehen. Ein kurzweiliger Schmöker, gespickt mit unzähligen, aussagekräftigen Fotos. Macht Lust auf den kommende Sommer.

Christine_Neder