„Das karierte Verhängnis“ – Werner Böhm erzählt aus seinem Leben als Gottlieb Wendehals

VERÖFFENTLICHUNG» 14.03.2013
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„Das karierte Verhängnis“ – es zeugt schon von einer gehörigen Portion Selbstironie, wenn Werner Böhm, vielen besser bekannt als Gottlieb Wendehals, seine Biographie und Memoiren mit diesem Titel versieht. Auch das Cover sagt viel aus: Der immerfröhliche Entertainer Wendehals mit Fliege, Hornbrille und Gummihahn im Aktenkoffer hat als Spiegelbild einen ernst und verlebt drein blickenden Werner Böhm. Bei kaum einem anderen Künstler tritt der Unterschied zwischen Schein und Sein so zu Tage. Oder zumindest gehen nicht alle so offen damit um.

Seine Karriere begann als populärer Jazzpianist in der Hamburger Szene, wo er im Dunstkreis von Udo Lindenberg und Otto Waalkes unterwegs war – wie so viele Musiker dieser Zeit. Es war ihm auch künstlerischer Erfolg beschieden, zum Beispiel mit dem Werner Böhm Quintett. Nur der finanzielle Erfolg blieb aus. Und Böhm gibt unumwunden zu, dass er stetig über seine Verhältnisse lebte, sich mit den falschen Freunden umgab und eine sexuelle Affäre nach der anderen hatte.

Man will nicht alles glauben, was der gealterte Star hier erzählt. Vor allem schüttelt man immer wieder den Kopf ob der unglaublichen Naivität, die er in gewissen Lebenssituationen an den Tag legte. Der Erzählstil folgt einer groben roten Linie, doch die Anekdötchen sind oft viel zu kurz und die Zeitsprünge machen das Lesen nicht unbedingt leicht.

Karrierehochs sind sicher die Ehe mit Mary Roos und der immense Erfolg als Gottlieb Wendehals. Jeder, der in den 80er Jahren sozialisiert wurde, erinnert sich an „Herbert“, spätestens wenn man die ersten Takte des Refrains hört. Und die „Polonäse Blankenese“ gehört zur unverzichtbaren Ausstattung jedes Alleinunterhalters. Spätestens zur Karnevalszeit dürften die Tantiemen der GEMA alljährlich die knappe Kasse ein wenig auffüllen.

Oft würde man gerne etwas mehr über den Menschen Werner Böhm erfahren. Er gibt zwar viel von seinen Erlebnissen Preis und bekennt sich zu seinen Fehlern, doch die Kapitel sind immer sehr abrupt zu Ende und dann gibt es unter Umständen wieder verwirrende Zeitsprünge. Wenn Böhm und der (nicht namentlich genannte) Co-Autor die Jahreszahl nicht nennen, kann man nur anhand der Begleitumstände oder der momentan aktuellen Frau ahnen, in welcher Lebensphase wir uns grade befinden.

Auch die Episode „Dschungelcamp“ kommt zu kurz. Böhm gibt mal wieder zu, wie naiv er in die Geschichte rein geschlittert ist und wie er die Strapazen im Dschungel empfand, doch man hätte gerne mehr aus der Sicht eines Betroffenen erfahren, wie die Zustände dort wirklich sind. Mag aber auch sein, dass vertragliche Bindungen an RTL dies verhindern.

Trotz der ganz klar vorhandenen Defizite liest sich das Buch ganz flüssig und der Blick hinter die Fassade von Gottlieb Wendehals macht die Leidensgeschichte vieler Künstler deutlich, die auf der anstrengenden Suche nach dem nächsten Hit so manche Höhen und Tiefen durchleben müssen.

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