Eddy Kantes Autobiografie: „In meinem Herzen kocht das Blut – Ein Leben auf der Kante“

VERÖFFENTLICHUNG» 01.09.2014
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Wer in den letzten Jahren und Jahrzehnten ein Konzert von Udo Lindenberg besucht hat, dem ist auch der Name oder zumindest das Gesicht von Eddy Kante ein Begriff. Über lange Zeit war er Udos Bodyguard und Mädchen für alles – verhinderte unbequeme Annäherungsversuche und brachte das obligatorische Tablett voller Eierlikör zu den Kunstschaffenden. Dass dadurch ein enges Vertrauensverhältnis zum Meister des Deutschrock bestehen musste, ist selbstverständlich. Eddy Kante war Teil der Show und Mitglied der großen Panik-Familie.

In gewissem Sinn war er aber auch eine Figur, die ihre Rolle zu spielen hatte und um die ein mystischer Schleier gelegt wurde. Ex-Knacki, raue Gestalt, der Mann fürs Grobe. Kante sagt selbst, dass er eine Kunstfigur war. Jemand, der Udo den Nimbus des Unnahbaren verleihen und ihn nach außen als Superstar erscheinen lassen sollte. Mit dem neuen Jahrtausend hat Udo diesen Status unwiderruflich inne und braucht keine symbolhaften Gestalten mehr – vielleicht ein Grund für den Bruch, den es letztlich zwischen Star und Bodyguard gab.

Eddy heißt eigentlich Frank Uwe Axel Schröder und wurde in Hagen geboren. Als er die vorliegende Autobiografie ankündigte, ging ein Raunen durch die Medienlandschaft und der Rechtsstreit um die Veröffentlichung des Buches wurde viel kommentiert. Alles Promo-Getue? Könnte natürlich sein, denn um ein Buch ordentlich zu bewerben, braucht man den Skandal. Die Seite 1 in der Bild am Sonntag – oder ähnliches. Nach den ersten Ankündigungen hat sich der Erscheinungstag des Buches um ein gutes halbes Jahr verschoben. Vielleicht doch ein Zeichen dafür, dass die Differenzen zwischen den beiden Protagonisten echt sind und juristisch ausgefochten werden mussten.

Aber ist es wirklich so schlimm, was Eddy da schreibt? Er war ein Straftäter und entstammt einer brutalen Szene. Das ist nun wahrlich kein Geheimnis. Wegen stinkender Füße landet nun mal keiner im Knast. Und dass er ein großer Fan von Udo war, der sich in den Kopf setzte, für sein Idol zu arbeiten, ist einfach eine rührende Geschichte. Man muss auch gar nicht sagen, dass er ein großer Fan war. Er ist es immer noch. Trotz der Differenzen schreibt Eddy äußerst respektvoll über alles, was Udo angeht, und drückt (wenn nicht wörtlich so doch zwischen den Zeilen) seine Liebe aus.

Eddy erzählt aus seinem Leben. Er nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und gibt interessante Einblicke ins Rocker-Milieu. Solcherart Selbstoffenbarungen gibt es aber inzwischen viele. Und der geläuterte Held, der rückblickend seine Verfehlungen betrachtet, hat nun mal ein Alleinstellungsmerkmal: Die Nähe zu Udo Lindenberg. So gibt Eddy auch einige Anekdoten zum Besten, bleibt dabei aber recht oberflächlich. Udo muss sich wirklich keine Sorgen machen, dass er als Person entzaubert oder irgendwie in ein schlechtes Licht gestellt wird.

Das Buch ist im schnoddrigen Stil geschrieben und lässt sich locker-flockig konsumieren. Jenny Bauer, Journalistin vom Hamburger Abendblatt, hat es übernommen, den Monolog in lesbare Form zu bringen. Trotzdem klingt alles noch authentisch. Die Vorgeschichte nimmt vielleicht zu viel Raum ein, aber Kante hat sein Werk ja bewusst nicht „Mein Leben mit Udo“ genannt. Bleibt zu hoffen, dass die beiden sich bald wieder vertragen. Wer soll sonst den Likör verteilen?

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