Meine rebellischen Freunde: Ein persönliches Lesebuch von Konstantin Wecker und Christa Spannbauer

VERÖFFENTLICHUNG» 17.05.2012
ARTIST»
AUTHOR» ,
PUBLISHER»
 Meine rebellischen Freunde: Ein persönliches Lesebuch bei Amazon bestellen

Konstantin Wecker ist und bleibt ein streitbarer Geist. Und das ist gut so! Wecker hat Facebook für seine Meinungsäußerungen entdeckt, nimmt dort wie immer kein Blatt vor den Mund und nutzt das Medium als Diskussionsplattform. Während sich die vereinigte Presse aus allen Lagern in Lobeshymnen auf Joachim Gauck übertrifft, kommen von Weckers Seite überaus kritische Töne. Frei nach seinem Songtext „Wo alle loben, habt Bedenken“. Und das zu einer Zeit, da die Bild-Zeitung Gauck euphorisch zum beliebtesten Präsidenten aller Zeiten ausruft (nach gerade mal drei Monaten im Amt).

Im neuen Buch Weckers geht es natürlich nicht um Joachim Gauck. Aber es geht um Menschen, die es wagten und wagen, gegen den Strom zu schwimmen. Die selbst in Zeiten, da ihr Leben deshalb in Gefahr war, die eigene Meinung sagten und sich gegen den Zahn der Zeit stemmten. Wecker beklagt, dass die Künstler heutzutage aufgehört haben, sich einzumischen oder den Finger auf die Wunden der Welt zu legen. Grund dafür ist seiner Meinung nach der Sieg des Neoliberalismus. Das will ich an dieser Stelle gar nicht bewerten – doch selbst wenn es einfach nur die allgemeine Bequemlichkeit ist, so macht ein Buch trotzdem Sinn, das durch die Jahrzehnte zieht und beispielhaft zeigt, wie Rebellion und Anarchie in der Vergangenheit von Bedeutung waren und Menschen des öffentlichen Lebens sich engagierten.

Das Lesebuch enthält Texte und Textauszüge von Schriftstellern, Widerständlern, Sängern, Gelehrten und Spirituellen – genau in dieser Reihenfolge. Man findet weise Worte von Tucholsky, Kästner und Böll, Nietzsche, Gandhi und Bonnhoeffer, folgt den Texten Georg Kreislers und Hannes Waders, wie auch Ausführungen von Drewermann und Gerald Hüther, Albert Schweitzer und Meister Eckhart. Jeder Text wird eingeleitet von Konstantin Wecker mit Erläuterungen zum persönlichen Bezug, den er zum jeweiligen Autor hat.

Wecker zeigt auf, welche Menschen Einfluss auf ihn hatten – in besonderen Lebenssituationen oder allgemein durch ihr Wirken. Es macht Spaß und ist sehr kurzweilig, in den gesammelten Texten zu schmökern. Oft sind sie all zu kurz, aber man hat ja stets die Gelegenheit, zu den vollständigen Texten zu greifen. Sicherlich ist das auch Sin und Zwecke dieser Sammlung: Interesse wecken.