Mike Rutherford erzählt in „Rhythmen des Lebens“ seine persönliche Geschichte

VERÖFFENTLICHUNG» 21.07.2014
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Das Buch wird beworben als erste Autobiographie eines Genesis-Mitglieds. Damit dürfte Michael Rutherford wohl richtig liegen, wenn es auch schon etliche biographische Werke über die britische Band im Gesamten gibt. Zum ersten Mal aber verknüpft ein Bandmitglied seine persönliche Geschichte mit der Entstehung und der Wirkungszeit: von den Anfängen in der elitären Privatschule Charterhouse, dem Debütalbum 1969, das noch nicht von Erfolg gekrönt war, über den Einstieg von Phil Collins, die Ära Peter Gabriel mit seinen grandiosen Maskeraden, den Neubeginn zu dritt 1978, den Aufstieg zu Weltstars des Bombast-Rock, bis hin zum kurzen Gastspiel von Ray Wilson, dem vorläufige Ende 1999 und der Reunion 2007.

Was man aber gleich zu Beginn sagen muss: Es ist nicht nur ein Buch über Genesis. Klar wird Mike Rutherford es kaum schaffen, seine Lebensgeschichte zu beschreiben ohne detailliert auf die musikalischen Kumpane einzugehen, die zum größten Teil auch schon Schulkameraden waren. Er legt aber einen deutlichen Schwerpunkt auf die Familiengeschichte und vor allem die schwierige Beziehung zu seinem Vater, der einerseits extrem konservativer Vertreter des Militärs war, andererseits aber auch die Eskapaden seines Sohnes zumindest stillschweigend billigte, später sogar aktiv unterstützte.

Die private Biographie wird parallel zu den musikalischen Stationen erzählt und auch die Zweitkarriere mit Mike & The Mechanics bekommt entsprechende Würdigung. Der erfolgreiche Song „The Living Years“ hat starke biographische Bezüge und widmet sich in Teilen dem inzwischen verstorbenen Vater. Im englischen Original trägt die Biographie den Titel dieses Songs. Schade, dass man das für die deutsche Ausgabe nicht beibehalten hat. „Rhythmen des Lebens“ ist da doch genau so vorhersehbar wie unnötig. Selbst „Calling All Stations“ hätte besser gepasst.

Mike Rutherford wird in seinem erzählenden Monolog zum sympathischen Berichterstatter, der sich selbst in Position zum Vater setzt, damit seine Vergangenheit therapiert, gleichzeitig aber nette Interna und viele Anekdoten zur Genesis-Zeit beiträgt.

Ich will jetzt die Review aber nicht beenden, ohne auf die traurige Gestalt Ray Wilson einzugehen, die hier zumindest eine knappe Erwähnung in einem einzelnen Absatz bekommt und bei den Danksagungen schlichtweg vergessen wird. Auch Rutherford lässt kein gutes Haar an Wilson, sagt gar „man kann ihn schwerlich als Songwriter beschreiben“ und dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, gegen den Willen von Tony und Ray aufzuhören, „ohne einen Schaden angerichtet zu haben“. Das sind harte Worte, vor allem wenn man jetzt das hervorragende Solo-Schaffen von Ray Wilson betrachtet.

So fehlt denn auch ein Blick in die Zukunft, den sich mancher Fan insgeheim wohl gewünscht hat. Lassen wir die Gerüchteküche also weiter brodeln und harren der Dinge, die da kommen werden. Für den Moment gibt es mit „Rhythmen des Lebens“ jedenfalls spannenden Lesestoff.

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