Neil Strauss war im Whirlpool mit Marilyn Manson, auf Drogen mit Madonna und im Bett mit …: Die legendären Interviews im Sammelband

VERÖFFENTLICHUNG» 05.10.2012
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Neil Strauss ist der legendäre Musikreporter der „New York Times“ – mit Kontakten zu vielen Größen der Musikszene. Die Anzahl der Künstler, die er bereits vor dem Mikrofon hatte, ist Legion. Für den „Rolling Stone“ schrieb er Geschichten über Kurt Cobain, Madonna, Tom Cruise, Orlando Bloom, den Wu-Tang Clan, Gwen Stefani, Marilyn Manson und viele andere. Für seine Berichterstattung gewann er den „ASCAP Award“.

Was bewegt nun eine solche Berühmtheit, seine gesammelten Interviews in einem Buch zu veröffentlichen? Zunächst mal die Tatsache, dass vieles, was er geschrieben hat, letztlich in der Zeitung gar nicht erscheint. Schade, wenn man aus einem Menschen etwas heraus gekitzelt hat, was den Rolling Stone dann gerade nicht interessiert oder für die New York Times zu pikant ist. Zudem gibt es oft hübsche Querverweise zwischen einzelnen Interview-Stories. Wäre doch ein Jammer, wenn diese uns vorenthalten blieben.

So baut Strauss das Buch auch nicht chronologisch, alphabetisch oder sonst wie geordnet auf. Nein – er springt durch die Musikgeschichte, verwendet ein Interview in Auszügen, um es dann viele Seiten später fortzuführen. Da gibt es Rubriken wie „Das schlimmste Interview aller Zeiten“ (wobei nie klar wird, welches denn nun das Schlimmste war) oder „Kannibalismus ist die Lösung“ (unter anderem über den Umgang mit der Mafia).

Eine Aneinanderreihung von Interviews kann nur langweilig sein? Mitnichten! Neil Strauss hält durch den ganzen Wälzer hindurch den Spannungsbogen und ist auch mit seinen kuriosen Einleitungen und Zwischenspielen stets am Puls der Leser. Wir erfahren Neues über Alanis Morissette, Ben Stiller, Brian Wilson, Christina Aguilera, die Brüder Gallagher, Incubus, Madonna und Ozzy Osbourne. Insgesamt gut 170 Interviewauszüge. Die Anekdoten wie „Im Whirlpool mit Marilyn Manson“ oder die furchteinflößenden Aufeinandertreffen mit Snoop Dog sind dabei äußerst spannend zu lesen.

Ein starkes Buch mit einem starken Reporter. Einen Kritikpunkt habe ich allerdings: Man bekommt mit der Zeit das Gefühl, als wolle Strauss die meisten Stars therapieren. Er spielt Seelenklempner, fragt nach Therapien, überlistet die Leichtgläubigen mit einfachen Psychospielchen. Das klingt nicht nach neutralem Journalistentum – aber es ist wohl der Preis der Berühmtheit. Alles in allem sehr lesenswert.