Überleben auf Festivals von Oliver Uschmann

VERÖFFENTLICHUNG» 19.03.2012
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Die Festival-Saison naht mit großen Schritten. Die Anforderungen an unbedarfte Besucher und publikumsscheue Musiker steigen ins Unermessliche. Bricht der Bann? Wird die Chemie zwischen unterschiedlichsten Menschengruppen funktionieren und das Ganze zum Happening für alle werden lassen? Ein Thema für „Heyne Hardcore“. Musikjournalist Oliver Uschmann packt sein gesammeltes Fachwissen in einen Wälzer mit dem Titel „Überleben auf Festivals“. Der Untertitel „Expeditionen ins Rockreich“ erinnert an Bernhard Grzimek und seine Vorstellung ungewöhnlicher Tierarten für ein Publikum, das zu jener Zeit noch nicht jede einsame Insel der Erde selbst besucht oder per YouTube so manche exotische Art durchs Wohnzimmer hat laufen lassen.

So mag es auch vielen Festivalbesuchern gehen, die erstmals die unbekannte Welt besuchen  – und folgerichtig beginnt Uschmann damit, Besucher- und Musikertypen zu klassifizieren, ihre Eigenarten herauszuarbeiten und die Gedankengänge mit einer gehörigen Portion Humor zu würzen. Wir lernen zunächst alle vorstellbaren Besuchertypen kennen, Gruppen wie Vandalen, Trommler und Barbaren, aber auch Einzelpersonen namens Lese-Lara, Twitterer und Turteltäubchen (die in der Regel ihre eigenen musikalischen Vorlieben zurückstellen und sich auf Konsens-Bands wie die Stereophonics einigen). In den drei- bis vierseitigen Anekdoten zu den vorgestellten Typen verstecken sich unzählige Wahrheiten, bei denen man nur anerkennend schmunzeln oder auch selbstironisch werden kann, wenn man die eigene Persönlichkeit zwischen den Zeilen entdeckt.

Ebenso gekonnt analysiert Uschmann diverse Musikertypen, bevor er sich dem eigentlichen Thema zuwendet. Bis zur Hälfte des Buches hat man Freund und Feind kennen gelernt, dann geht es an korrekte Verhaltensweisen zum Überleben. Verschiedenste Rituale werden vorgestellt. Und wer ist noch nie über die Bierrutsche geschlittert oder hat entsetzt zugesehen, wenn das berüchtigte Dixi-Umstoßen (unabhängig von etwaigen darin befindlichen Personen) stattfand? Auch zeitlose Rezepte wie „Ravioli in Dosen“ werden detailliert erläutert. Und hinzu kommen brauchbare Tipps – zu Getränkevariationen, dem Beflaggen und Aufhängen unflätiger Schilder bis hin zu stabilen Bauweisen für Zelt und Lager.

Hätte ich zuvor nicht gedacht, mit diesem Themenkreis ein komplettes Buch füllen zu können, gelingt dies Oliver Uschmann doch mit Bravour. Von Berufs wegen hat er viele Festivals besucht und teilt sein Insiderwissen gerne. Die Saison kann kommen! „Serengeti darf nicht sterben“? Ebenso wenig „Rock am Ring“, „Wacken“ und das „Rocco del Schlacko“. Die Folgen für das Musikbusiness wären unabsehbar.